Es ist ein Mammutprojekt, das im vergangenen Jahr in Angriff genommen wurde. Nun ist der erste Band zur Fröndenberger Stadtgeschichte gedruckt – und soll nicht nur Geschichtsfans begeistern.

Fröndenberg

, 29.09.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein großer Brocken Fröndenberger Stadtgeschichte, der greifbar wird. Noch dazu ein Mammutprojekt, an dem vor allem Stadtarchivar Jochen von Nathusius mitgewirkt und etliche Stunden Arbeit hineingesteckt hat. „Das ist kein Geschichtsbuch, sondern ein Lesebuch über die Geschichte Fröndenbergs“, stellt Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe klar und scherzt: „Das versteht sogar ein Bürgermeister.“

Anfang 2019 geht er mit seiner Idee auf den Stadtarchivar zu, fragt, ob sie nicht Geschichte schreiben wollen. Fröndenberger Geschichte, um genau zu sein. Denn es gibt viele Aufzeichnung über die städtische Geschichte, was aber fehlt, ist ein Gesamtwerk.

Verzweiflung nach vielen Stunden Arbeit

Also macht sich Jochen von Nathusius an die Arbeit. Schreibt, recherchiert und stellt zusammen. Er stöbert in den Aktenarchiven, im Foto- und im Zeitungsarchiv, liest in Festschriften und durchsucht die Archivbibliothek. Irgendwann muss er sich jedoch eingestehen: „Es geht nicht.“ Die gesamte Stadtgeschichte Fröndenbergs samt ihrer Ortsteile in einen Band zu pressen? Unmöglich.

Ein Wunschtraum von mir wäre es, wenn jemand in 100 Jahren sagt: Das schlage ich beim Nathusius nach.
Jochen von Nathusius, Stadtarchivar

Allein von der Vor- und Frühgeschichte bis zum Kriegsende 1945, ausgeschmückt mit Fotos, Zeichnungen und Dokumenten, ist die Stadtgeschichte 550 Seiten stark. Die Zeit vom Kriegsende bis 2020? „Das wird nochmal genauso viel.“ Mitunter auch, weil für diese Zeit mehr Bilder und Fotos zur Verfügung stehen.

Jochen von Nathusius hat 1200 Stunden Arbeit in die Erstellung des ersten Bandes gesteckt.

Jochen von Nathusius hat 1200 Stunden Arbeit in die Erstellung des ersten Bandes gesteckt. © Marcel Drawe

Doch von Nathusius darf aufatmen: Die Fröndenberger Stadtgeschichte wird in zwei Bände aufgesplittet. Den ersten hält er nun in den Händen. 1200 Arbeitsstunden hat er zwischen Oktober 2019 und August 2020 in diesen Band gesteckt – umgerechnet sind das 150 volle Arbeitstage – viele davon auch an Wochenenden. Während des Lockdowns zum Beispiel habe er nahezu jedes Wochenende im Archiv verbracht. „Da hatte ich endlich meine Ruhe“, sagt er und grinst.

Unterstützung von Ortsheimatpflegern

Tatkräftige Unterstützung erhielt er mitunter von den Ortsheimatpflegern, von denen Alfred Leider, Ortsheimatpfleger von Frömern, und Michael Becker, Ortsheimatpfleger und Bodendenkmalpfleger, bei der offiziellen Vorstellung des Buches dabei sind. Insgesamt kann von Nathusius jedoch 70 Personen aufzählen, ohne die das Buch in seiner heutigen Form nicht existieren würde. Verstorbene wie Lebende hätten durch geschriebene Texte, aufgehobene Bilder und Erinnerungen zu dem Buch beigetragen.

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Wo ist das Buch erhältlich?

  • Bis die Stadtbücherei neueröffnet, ist das Buch ab Freitag bei Jochen von Nathusius erhältlich.
  • Freitag, 2. Oktober, kann man das Buch zwischen 9 und 12 Uhr bei ihm erwerben. „Einfach an der Tourist-Info melden“, erklärt er.
  • Am Samstag, 3. Oktober, will er es zudem mit zum Empfang in die Schützenhalle Hohenheide mitnehmen.
  • Ab Montag, 5. Oktober, kann man es dann wieder im Stadtarchiv erwerben.
  • Das Buch kostet 20 Euro. „Ich denke, das ist das Buch mehr als wert“, sagt Bürgermeister Rebbe.
  • Von dem Geld soll auch der zweite Band finanziert werden.

„Für mich fängt die Geschichte mit den ersten Urkunden und Dokumenten an“, sagt von Nathusius. Nicht so für den Bodendenkmalpfleger Michael Becker, der darum viel zur Vor- und Frühgeschichte Fröndenbergs beitragen konnte. So geht die Geschichte Fröndenbergs sogar zurück bis in die später Römerzeit.

Das ist kein Geschichtsbuch, sondern ein Lesebuch über die Geschichte Fröndenbergs.
Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe

„Ein Wunschtraum von mir wäre es, wenn jemand in 100 Jahren sagt: Das schlage ich beim Nathusius nach“, sagt der Stadtarchivar. Derzeit sitzt er schon voller Eifer am zweiten Band. Das wird allerdings etwas schwieriger, denn hier gilt es Zeitzeugen zu finden und ihre Erinnerung mitaufzuzeichnen.

Neue Erkenntnisse bei der Recherche

Für von Nathusius war es ganz wichtig, die Ortsteile mit einzubeziehen. „Die gehören zur Geschichte dazu.“ Und gelernt hat er dadurch auch noch etwas Neues. Bei der Recherche gelangt er nämlich an den Nachlass des ehemaligen Ortsheimatpflegers von Dellwig, Fred Bachmann. „Da waren viele Sachen bei, die mir lange vorenthalten wurden.“

Unter anderem auch interessantes Material zur NS-Zeit in Dellwig. „Mit Bildern, da läuft es einem kalt den Rücken runter.“ Auch das neu erworbene Wissen findet sich nun in dem Band wieder. „Da stehen Dinge drin, die sind mit anderen Städten vergleichbar und da stehen Dinge drin, die nur in Fröndenberg passiert sind.“

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Für Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe ist das Buch zudem eine Möglichkeit, die eigene Geschichte wieder wachwerden zu lassen, neu zu erleben und die Identität als Fröndenberger zu steigern.

Einen großen Dank sprechen Rebbe und von Nathusius an die Sparkasse Unna-Kamen aus. Die hat mit einer Großspende dazu beigetragen, das Werk überhaupt zu finanzieren. „Von Nathusius hat keinen Roman geschrieben, sondern etwas Nachhaltiges geschaffen“, sagt Vorstandvorsitzender Klaus Moßmeier. „Das wird auch in Jahren und Jahrzehnten noch eine Bedeutung haben.

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