Gleichstellung im Rathaus: Über 65 Prozent Frauen – aber keine in der Führungsetage

dzFrauen in Fröndenberg

Auch die Fröndenberger Stadtverwaltung ist dazu angehalten, bei Personalentscheidungen sowie im Arbeitsalltag das Thema Gleichstellung im Blick zu behalten. Dabei ist Home-Office fürs Rathaus keine praktikable Lösung.

Fröndenberg

, 27.06.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der Gleichbehandlung von Frauen muss sich auch die Stadt Fröndenberg als Arbeitgeber befassen. So ist es laut Gleichstellungsgesetz des Landes Aufgabe jeder Dienstelle, einen Gleichstellungsplan zu erstellen und in regelmäßigen Abständen fortzuschreiben. Der Blick auf die aktuelle Personalstruktur zeigt: Auf der Karriereleiter gibt‘s für Frauen noch Luft nach oben.

120 Mitarbeiter sind Stand 1. Oktober 2019 im Rathaus beschäftigt. 80 davon – und damit fast rund 67 Prozent – sind Frauen. Das ist ein merklicher Anstieg im Vergleich zum Jahr 2015, in dem der Frauenanteil ebenfalls schon mehr als die Hälfte der Beschäftigten ausmachte und bei rund 63 Prozent lag.

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Der Frauenanteil im Rathaus sei laut Stadtverwaltung „erfreulich hoch“ und zeige, dass Frauen ein wichtiger Bestandteil der Stadtverwaltung sind.

Ausschließlich Frauen im Einfachen Dienst

Beim Blick auf die Personalstruktur nach Laufbahnen sieht es für Frauen allerdings nicht mehr so rosig aus. So sind im Einfachen Dienst, also im Bereich, im dem tendenziell auch am wenigsten verdient wird, ausschließlich Frauen bei der Stadt Fröndenberg beschäftigt. Über den Mittleren bis zum gehobenen Dienst sinkt der Anteil der Frauen.

Birgit Mescher ist die Familien- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fröndenberg.

Birgit Mescher ist die Familien- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fröndenberg. © Archiv

Zudem sind Frauen in Führungspositionen – insbesondere in den Fachbereichs- und Teamleitungen – noch unterrepräsentiert. Doch die Tendenz sei positiv, wie Fachbereichsleiter Ole Strathoff erklärt. Zum einen gebe es bereits sieben weibliche Teamleitungen im Rathaus. Mit 42 Prozent machen Frauen hier zwar noch nicht ganz die Hälfte aus, aber fast. Und ab Juli werde eine Frau als Leiterin des Teams Zentrale Dienste eingestellt, womit die 50 Prozent erreicht sind.

Zudem gibt es zwei stellvertretende Teamleiterinnen. Ihre aktuelle Position sei auch als Karrieresprungbrett zu verstehen, wenn ein Posten in der Teamleitung frei wird. Die drei Fachbereichsleiter der Stadt sind männlich. Auch hier könnten zukünftig noch Frauen nachrücken.

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Am 1. April dieses Jahres ist eine Dienstvereinbarung über die Arbeitszeit bei der Stadt in Kraft getreten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können – sofern sie ihren Aufgaben nachkommen – ihre Dienstzeit zwischen 7 und 22 Uhr (freitags bis 15 Uhr) frei einteilen. In den Sommermonaten dürfen sie bereits um 6.30 Uhr zur Arbeit kommen. Auf Kernzeiten wird verzichtet. Zudem sollen Arbeitszeitunterbrechungen ermöglicht werden, damit die Rathausmitarbeiter private Aufgaben erledigen können. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird durch diese Lockerungen verbessert.

Teilzeit steht auch Männern zu

Die Verwaltung weist ausdrücklich darauf hin, dass Teilzeitbeschäftigung und Beurlaubung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch Männern offen stehen.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Sabina Müller hatte angeregt, im Gleichstellungsplan auch das Thema Home-Office aufzunehmen. Hätten doch die vergangenen Wochen vielerorts gezeigt, wie gut das funktionieren kann. „Für die Verwaltung ist das nicht praktikabel“, erklärte der Erste Beigeordnete Heinz Günter Freck. Ein gut eingerichteter Home-Office-Platz, in dem dauerhaft gearbeitet werden kann, koste den Arbeitgeber 10.000 Euro. Home-Office, wie es auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung während der Corona-Krise praktizierten, sei eine Hilfskonstruktion gewesen.

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