Marode Straßen, lückenhafte Geh- und Radwege, Gefahr durch fehlende Tempolimits: In der Palz wollen Bürger nun Druck auf die Behörden machen, um Investitionsstau aufzulösen. Wie so häufig ist das aber eine Frage der Zuständigkeiten.

Fröndenberg

, 17.07.2018, 13:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für acht Pälzer ist das Maß voll: Viele Straßen seien marode, Gehwege zu Bushaltestellen nicht vorhanden, im Radwegenetz täten sich große Lücken auf. Ihre Forderungen hat die Gruppe jetzt auch der Stadtspitze mitgeteilt. In einem Gespräch kürzlich im Rathaus legten die acht Initiatoren eine detaillierte Liste der Defizite, die es zu beheben gelte, vor. „Es wurde zur Kenntnis genommen“, sagt Hubert Leinweber. Konkrete Zusagen hätten Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe, Beigeordneter Heinz-Günter Freck und Bauamtsleiter Martin Kramme nicht gemacht.

Neubau einer Logistikhalle war der Auslöser

„Auslöser war für uns der Bau der neuen Logistikhalle in Neimen“, begründet Clemens Stemper die Initiative. Die Einwohner in den umliegenden Ortsteilen seien vor der Genehmigung nicht informiert wurden. Es sei zu fragen, ob die Lärmbelästigung durch Zunahme von Schwerlastverkehr zuvor geprüft worden sei. Jetzt habe man von der Stadt erfahren, dass Verkehrszählungen zeigten, dass die Aufnahmekapazität der Straßen in der Palz noch nicht erschöpft sei.

Zunahme des Verkehrs brennt unter den Nägeln

Die Zunahme des Verkehrs brennt den Pälzern aber besonders auf den Nägeln. Die Lage des Industriegebietes in Westick führe dazu, dass der Verkehr „kreuz und quer durch Fröndenberg“ geleitet werde. Auf der kurvenreichen Landstraße zwischen Neimen und Frohnhausen komme es zu außerdem häufig zu gefährlichen Begegnungen. „Die Lkw nehmen oft den Bürgersteig mit“, heißt es von den Pälzern. Hier fordere man die Absenkung der Geschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer.

Die Stadtverwaltung will die Kritik an Straßen NRW weiterleiten

Beigeordneter Heinz-Günter Freck bestätigte, dass man besonders über das Thema Schwerlastverkehr und Lärmbelästigung „unterschiedliche Sichtweisen ausgetauscht“ habe. Gehe es um Landesstraßen habe jedoch die Stadt keine Steuerungsmöglichkeit. Man werde die vorgebrachte Kritik aber im nächsten Verwaltungsgespräch mit Straßen NRW zur Sprache bringen.

Der Zusammenschluss – von einer Bürgerinitiative will man noch nicht sprechen – sei auch erfolgt, weil man durch private Initiative bereits einen Erfolg erzielt habe: So habe der Bentroper Siggi Glasmeyer beim Landesbetrieb Straßen NRW auf den besonders schadhaften Abschnitt der Landstraße zwischen Warmen und Bentrop hingewiesen. Kurz nach Pfingsten sei dort daraufhin auf 800 Meter Länge die Höchstgeschwindigkeit auf 30 herabgesetzt worden. Für eine sichere Bushaltestelle vor allem für die Kinder der Warmener Kita wolle man sich jetzt ebenso einsetzen. Ohne diese Eigeninitiative ändere sich wohl nichts.

Ein vier Jahre alter Bürgerantrag sei versandet

Vor vier Jahren habe man einen Bürgerantrag mit der Forderung gestellt, die schlaglochreiche Westicker Straße von der Einmündung bis Warmen zu sanieren. Von der Stadt habe man nun lediglich die Auskunft erhalten, dass ein Ingenieurbüro die voraussichtlichen Kosten mit 1,4 Millionen Euro veranschlagt habe. „Eigentlich sollte 2016 etwas geschehen – aber es ist kein Deut geschehen“, ärgert sich Hubert Leinweber. Heinz-Günter Freck verweist darauf, dass erst ein Entwässerungsproblem oberhalb der Landstraße gelöst werden müsse, bevor die Straße saniert werden kann. Der Zeitrahmen ist offen: Man müsse unter anderem Grundstücke erwerben.

Den Pälzern geht das alles nicht schnell genug

Den Pälzern geht das nicht schnell genug. Für die kommenden Wochen hat sich „Wir – für die Palz“ noch einiges vorgenommen: Man wolle möglichst viele Menschen in der Palz mit ins Boot holen, um den Druck auf die zuständigen Stellen zu erhöhen. Die Parteien habe man bereits angeschrieben, jedoch bislang lediglich vom SPD-Ortsverein Frömern/Ostbüren/Palz eine Rückmeldung erhalten, was man sehr bedauere. Auch bei den Behörden wolle man mit dem Forderungskatalog vorstellig werden. Nach der Sommerpause soll dann auch etwas Förmliches folgen, mit dem sich Politik und Verwaltung in Fröndenberg beschäftigen müssen: Im Herbst wollen die Pälzer einen Bürgerantrag mit den dringlichsten Begehren in den Rat einbringen. „Wir sind keine Utopisten – aber wir haben die Hoffnung nicht verloren“, sagt Hubert Leinweber.

Nach Ansicht der Pälzer gibt es zahlreiche Stellen mit Gefahrenpotenzial, das ausgeräumt werden müsste: Die verkehrliche Infrastruktur der Stadtteile im Osten sehen die Pälzer seit Langem vernachlässigt. „Ich bin 70 Jahre alt – und kenne die Straßen in keinem anderen Zustand“, sagt Wilfried Nierhoff aus Warmen. Die Verkehrssicherheit sehen die Pälzer gerade für Radfahrer und Fußgänger stark beeinträchtigt: So fehle ein Geh- und Radweg an der Bausenhagener Straße von Bentrop bis Stentrop, ebenso an der Landstraße in Warmen ab der Rammbachbrücke bis Bentrop. In beiden Fällen gehe es auch darum, einen sicheren Schulweg zu garantieren. Die Pflege, besonders des Ruhrtalradweges, halten die Pälzer für stark verbesserungsbedürftig. „Warum haben wir keinen eigenen Bauhof“, fragt der Bausenhagener Meinolf Müller. In interkommunaler Zusammenarbeit könne man die Dienste des Bauhofes in Wickede nutzen, schlägt der Bausenhagener vor.
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