Fröndenberger Hotelbesitzer sehen Lockdown mit Kampfgeist und Humor entgegen

dzCoronavirus in Fröndenberg

Es ist ein Kampf ums Überleben, den der zweite Lockdown mit sich bringt. Für den November sind touristische Übernachtungen untersagt. Aufgeben wollen die Hotelbesitzer deswegen noch nicht.

Fröndenberg

, 29.10.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Situation in der Tourismusbranche hatte sich gerade entspannt, da trifft der zweite Lockdown im November die Hotels in Fröndenberg. Für den gesamten Monat sind touristische Übernachtungen untersagt. Die Hotelbesitzer nehmen die Kunde mit einer Mischung aus Verzweiflung und Humor auf.

„Dann können die Leute ja immerhin diese Woche noch einmal trinken kommen“, sagt Christel Püttmann mit einem Augenzwinkern. Sie sieht dem Lockdown mit Fassung entgegen, auch wenn ihr Hotel samt Gaststätte darunter leidet. „Wenn sie es anders nicht in den Griff kriegen ...“

Wenn das Telefon klingelt, sind es immer nur Absagen.
Christel Püttmann

Der schöne Coronasommer hat Püttmanns immerhin einen vollen Biergarten beschert. „Aber seitdem es kälter wird, ist alles nur noch dürftig.“ Die Theke kann sie ohne große Umbaumaßnahmen nicht nutzen.

Tourismus erholte sich gerade erst

Viel übrig geblieben ist den Hotelbesitzern in Fröndenberg nicht. Nach dem ersten Lockdown waren die meisten größeren Veranstaltungen abgesagt. Reisegruppen blieben aus. „Wenn das Telefon klingelt, sind es immer nur Absagen“, sagt Püttmann. Der große Saal sei zu Beginn des Jahres für jedes Wochenende verplant gewesen. Stattgefunden habe nichts.

Die Fahrradtourismus-Saison ist vorbei. Das Neue Hotel am Park blickt trotzdem mit Sorge auf den zweiten Lockdown.

Die Fahrradtourismus-Saison ist vorbei. Das Neue Hotel am Park blickt trotzdem mit Sorge auf den zweiten Lockdown. © Archiv

Immerhin die Fahrradtourismus-Saison ist mittlerweile vorbei, zumindest diese Gäste werden durch den neuerlichen Lockdown nicht verprellt, wie Barbara Boeckler vom Neuen Hotel am Park erzählt. Der Tourismus war erst dabei gewesen, sich zu erholen. „Es kamen gerade wieder erste vorsichtige Anfragen. Das hat sich jetzt auch erledigt“, sagt Boeckler. „Jetzt werden wir wieder von Hundert auf Null runtergefahren.“

Ohne Tourismus müssen sich die Hotelbesitzer auf die wenigen Gäste konzentrieren, die für ihre Arbeit durchs Land reisen. Außendienstarbeiter oder Monteure, für die Homeoffice keine Option ist.

Hotelbesitzer, die auch eine Gastronomie führen wie Tanja Vogt im Landgasthof Hölzer, trifft der neuerliche Lockdown besonders hart.

Hotelbesitzer, die auch eine Gastronomie führen wie Tanja Vogt im Landgasthof Hölzer, trifft der neuerliche Lockdown besonders hart. © Marcus Land

Wie Hotel Püttmann lebt auch Hotel Landgasthof Hölzer nicht nur von den Übernachtungen, sondern betreibt zusätzlich eine Gastronomie. „Für das Restaurant ist das natürlich eine Katastrophe“, sagt Inhaberin Tanja Vogt. Sie will nun schauen, ob sie zumindest Essen zum Mitnehmen anbieten kann.

Kampfgeist statt Resignation

Einig sind sich die Hotelbesitzer in einem Punkt: „Den Kopf in den Sand stecken bringt nichts.“ Der Lockdown sei nötig und habe sich in den vergangenen Wochen bereits angekündigt. Für viele ist es nun das Ziel, ihre Mitarbeiter zu halten und zu gucken, dass „man irgendwie bestehen bleibt“, fasst es Vogt zusammen.

Ich bin noch lange nicht an dem Punkt, wo ich sage: Jetzt reicht‘s! Und da will ich auch nicht hin.
Tanja Vogt

Böse über die Entscheidung ist sie nicht. „Ich kann es ja verstehen, aber da hängen eben auch Existenzen dran. Das Schlimme ist, dass kein Ende in Sicht ist.“ Die Hoffnung, dass es nur 2020 anhält, müssen die Hotelbesitzer in Fröndenberg langsam begraben. „Man kann so nichts planen.“

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Ein bisschen Ärger schwingt dann aber doch mit: „Man hat viel verändert, geschaffen, geackert.“ Es wird kontrolliert, geprüft, Listen werden ausgefüllt – und nie eingefordert. Und doch trifft der Lockdown wieder die Hotels. „Ich glaube, wir sind Teil der Lösung, nicht des Problems“, sagt Vogt.

Aufgeben ist keine Option

Mit dem zweiten Lockdown kommt auch die Grübelei. „Ich habe so große Räume und die heize ich jetzt für zwei Gäste? Die Betriebskosten sind höher als das, was ich gerade einnehme. Da mache ich ja lieber zu“, sagt Püttmann. Allerdings: Einen suchenden Gast will sie nicht abwehren. „Wenn hier jemand schlafen will, dann kriegt er auch ein Zimmer.“

Der große Saal war bei Püttmanns fast jedes Wochenende gebucht - stattgefunden hat davon nichts.

Der große Saal war bei Püttmanns fast jedes Wochenende gebucht – stattgefunden hat davon nichts. © Udo Hennes

Auch Vogt gibt sich noch nicht geschlagen. „Ich bin noch lange nicht an dem Punkt, wo ich sage: Jetzt reicht‘s! Und da will ich auch nicht hin. Ich bin ein positiver Mensch!“

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Püttmann und Vogt sind froh, dass das Hotel ihr Eigentum ist. So fällt eine Geldsorge weniger an. Trösten kann es nur wenig. An den ersten Monaten des Jahres hätten viele noch Jahre dran zu nagen, nun auch noch der zweite Lockdown. „Ob das jetzt alle Hotels ein zweites Mal überleben, da habe ich meine Zweifel“, sagt Boeckler.

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