In der Rush-Hour können Eltern, Busfahrer und vor allem die Kinder leicht den Überblick verlieren: Mütter berichten von Rasern auf dem Schulweg und „chaotischen Zuständen“ vor den Grundschulen.

Fröndenberg

, 28.02.2019, 17:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Stadt Fröndenberg erstellt derzeit Schulwegpläne für Grundschulkinder. Die Eltern hat das Ordnungsamt beteiligt und einen großen Rücklauf an Fragebögen erhalten. Eltern haben unserer Zeitung gefährliche Stellen vor Grundschulen geschildert. Sie hoffen, dass sich künftig etwas zum Besseren wendet.

Ann-Kristin Oster ist Mutter von zwei Kindern. Der siebenjährige Diboan besucht die erste Klasse an der Gemeinschaftsgrundschule, seine Schwester Nolwenn geht in den Matthias-Claudius-Kindergarten gleich nebenan. Als Ann-Kristin Oster die Sechsjährige um viertel vor Drei aus der Kita abholt, ist es in der Friedhofstraße noch relativ ruhig. Einige Eltern und Großeltern warten bereits in ihren Autos auf der kurzen Parkbucht vor der Schule. Mit einem Schlag wird das Verkehrsaufkommen spürbar höher. Fahrzeugen, die den Lehrerparkplatz verlassen wollen, kommen einbiegende Autos von Eltern entgegen. Über die Friedhofstraße fließt dazu der Anwohnerverkehr. Zwischen all dem Blech suchen sich Grundschüler einen Weg. Viele an der Hand eines Elternteils. Auch Ann-Kristin Oster bringt und holt ihre Kinder morgens und mittags immer selbst. „Das ist das totale Chaos dort“, schimpft sie, „dass dort noch nichts passiert ist, ist eigentlich ein Wunder.“

Das Problem mit den fehlenden Parkplätzen

Eltern, die ihre Kinder aus Gemeinschaftsgrundschule, OGS oder Matthias-Claudius-Kindergarten abholen, stellen ihre Autos aus Parkplatzmangel oft auf der Zufahrt zum Lehrerparkplatz ab, der auch Rettungsweg ist. Die zweite Einfahrt Richtung Schulhof können dort haltende Fahrzeuge nur rückwärts verlassen, und auf der Friedhofstraße stehen Autos in zweiter Reihe – die Orientierung fällt den Grundschülern bei so viel Verkehr entsprechend schwer. „Es gibt keinen Elternparkplatz, das ist das Hauptproblem an der Gemeinschaftsgrundschule“, findet Ann-Kristin Oster.

Fröndenberger Eltern setzen große Erwartungen in die Pläne für sichere Schulwege

Viele Fahrzeuge setzen aus der Einfahrt zum Schulhof der GGS zurück – ein potenzieller Gefahrenpunkt. © Marcel Drawe

Das Problem mit den Knöllchen

Britta Leukert holt gerade ihre Tochter Elisa nach dem Unterricht in der zweiten Klasse ab. Weil sie drei Kinder zu nahezu derselben Zeit zwischen Hirschberg, Westick und Sümberg abholen muss, nimmt sie das Auto. Die Stadt ahnde durch ihre Ordnungskräfte seit einiger Zeit verstärkt falsches Parken auf der Friedhofstraße, sei ihr aufgefallen. Das habe zur Folge, dass Eltern mehrere Ehrenrunden über die Friedhofstraße drehen. „Ich weiß nicht, ob das Sinn der Sache sein kann“, sagt Britta Leukert. Sie schlägt eine Art Sammelpunkt für die Elterntaxis an einem fußläufig erreichbaren Ort vor. „Hauptsache die Kinder kommen sicher zur Schule.“

Das Problem mit der Querung von Hauptstraßen

Familie Klein wohnt in der Schröerstraße. Töchterchen Melody geht auf die Gemeinschaftsgrundschule. Der kürzeste Weg für die Achtjährige: die Eulenstraße auf Höhe der Schröerstraße zu queren. Denn nur auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Gehweg. „Das ist sehr gefährlich, weil viele Autos von oben herunterrasen“, sagt Mutter Daniela Klein. 50 fahre da keiner. Melody ist über diesen kurzen Weg in vier Minuten an der Grundschule. Andernfalls muss sie die Eulenstraße stadteinwaärts bis zur Ampel gehen und hoch wieder zurück – das dauert 25 Minuten. Daniela Koch schlägt einen Fußgängerüberweg mit Anforderungsampel vor. Die leuchtet dann nur bei Bedarf. „Es muss ja leider oft erst so weit kommen, bis etwas passiert ist“, bedauert Daniela Koch. Rund 20 Kinder aus Schröerstraße und Fischersiepen würden profitieren.

Fröndenberger Eltern setzen große Erwartungen in die Pläne für sichere Schulwege

Wunsch und Wirklichkeit: Einige Anregungen von Eltern können schon sehr schnell umgesetzt werden, andere brauchen Zeit und manchmal gibt es auch keine Lösung. © Marcus Land

Das Problem mit den Elterntaxis

Ist es nun die Topographie in der Stadt, sind es weite Entfernungen oder halten auch Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, die Schulwege einfach für zu gefährlich? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Auch nicht nach der Umfrage, die die Stadt unter Eltern von Grundschulkindern durchgeführt hat. „Wir haben eine ganz geringe Rücklaufquote bei Angaben zu Elterntaxis“, sagt Matthias Weischer, stellvertretender Fachbereichsleiter. Für Ann-Kristin Oster, die in Ausnahmefällen auch das Auto nimmt, steht die Antwort fest: „Fröndenberg ist Berg – die Leute sind einfach zu faul zum Laufen.“

Das Problem mit Risiken, die welche bleiben

Matthias Weischer macht deutlich, dass die Stadt in den Plänen nur sichere Schulwege aufzeigen und auf gefährliche Stellen aufmerksam machen kann. „Das heißt dann auch, dass man auch lieber mal eine Querstraße weitergehen muss.“ Das Verkehrsrecht lasse oft keine Querungshilfen, Zebrastreifen, Tempolimits oder Ampelanlagen zu. Das gelte besonders für Landesstraßen in Außenbezirke, die dennoch gleichzeitig Schulweg sind. Man müsse sich nur die Bushaltestelle „Zum Feld“ zwischen Bentrop und Warmen anschauen. Die liegt direkt an der Landstraße ohne Ausweichflächen. Matthias Weischer: „Die kann leider gar nicht sicherer werden.“

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