Warum der Fröndenberger Carsten Schindler gern hauptamtlich taufen möchte

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Warum die Zahl der Taufen 2019 in St. Marien stark zurückgegangen ist, kann Carsten Schindler nicht sagen. Sicher ist er aber, Kinder gern hauptamtlich als Diakon taufen zu wollen. Das Erzbistum lässt dies nicht zu.

Fröndenberg

, 05.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Carsten Schindler ist neben Michael Deimel einer von zwei ehrenamtlichen Diakonen des Pastoralverbundes Fröndenberg. In der Katholischen Kirchengemeinde findet er seit mehr als drei Jahren mit einer speziellen Taufvorbereitung viel Anklang. Die zeitaufwendige Aufgabe kann er bislang nur ehrenamtlich wahrnehmen.

»Das Wissen ist fast verloren gegangen.«
Carsten Schindler über die Taufe

„Die Zahl der Taufen schwankt stark“, erzählt Carsten Schindler. Seitdem der Diakon Ende 2016 die Taufbegleitung im Pastoralverbund anbietet, hat er von Jahr zu Jahr zwischen 45 und 65 Kinder getauft.

Natürlich hängt diese Zahl immer auch mit der Geburtenstärke eines Jahrgangs zusammen. Was heutzutage Menschen aber im Einzelfall bewegt, ihr Kind in die Gemeinschaft der Christen aufnehmen zu lassen, ist gar nicht mehr so eindeutig zu sagen.

„Ich weiß gar nicht, was ich hier soll“, verrät Carsten Schindler, habe er als Haltung nicht selten an manchen jungen Müttern und Vätern, die ihn aufsuchen, abgelesen.

Viele kommen schlicht aus Familientradition, „wir waren ja auch Messdiener“, bekommt er auch oft zu hören. Oma und Opa hätten gesagt, das Kind muss getauft werden, zählt Schindler auf, „aber keiner sagt: Wir wollen unser Kind unter den Schutz Gottes stellen“.

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Diakon Carsten Schindler (r.), hier neben dem früheren Pfarrer Norbert Wohlgemuth, übt neben seinem Diakonat noch einen zivilen Hauptberuf aus. Der 46-Jährige wünscht sich, dass er noch hauptberuflich als Diakon tätig werden kann.

Diakon Carsten Schindler (r.), hier neben dem früheren Pfarrer Norbert Wohlgemuth, übt neben seinem Diakonat noch einen zivilen Hauptberuf aus. Der 46-Jährige wünscht sich, dass er noch hauptberuflich als Diakon tätig werden kann. © Udo Hennes

Zur Sache

Ständiger Diakon als Berufung

  • Carsten Schindler und Michael Deimel sind „Ständige Diakone“, für sie ist das Diakonat damit keine Vorstufe zum Priesteramt.
  • Das Erzbistum Paderborn umschreibt die Aufgaben des Ständigen Diakons wie folgt:
  • Diakone assistieren dem Priester bei der Feier der Eucharistie, verkünden dabei das Evangelium und dürfen predigen.
  • Sie können das Sakrament der Taufe spenden, bei der kirchlichen Eheschließung assistieren, Beerdigungen leiten, Wortgottesdienste feiern und die Kommunion spenden.
  • Die Feier der Eucharistie bleibt den Priestern vorbehalten, ebenso wie die Spendung des Sakramentes der Krankensalbung und des Bußsakramentes.
  • Verheiratete Männer, die 35 Jahre und älter sind, können nach einer entsprechenden Ausbildung und mit Zustimmung ihrer Ehefrau zum Diakon geweiht werden, um als Ständiger Diakon eingesetzt zu werden.
  • Ständige Diakone üben in der Regel zusätzlich zum Seelsorgedienst einen bürgerlichen Beruf aus. Wer ein Zölibatsversprechen ablegt, kann die Diakonenweihe bereits mit 25 Jahren empfangen.

„Wasser drüber“, das sei wohl heute landläufig das Verständnis von Taufe, überspitzt Carsten Schindler, aber er weiß halt auch, „dass das Wissen fast verloren gegangen ist“.

Die Taufbegleitung, die aus einem Workshop für eine neues Zukunftsbild der Kirche hervorgegangen ist, nimmt die Eltern quasi an die Hand.

Über einen Zeitraum von vier Wochen vor der eigentlichen Tauffeier erfahren sie, was das Sakrament der Taufe bedeutet, man besucht gemeinsam mit den ehrenamtlichen Taufbegleitern die Taufkirchen, es gibt Tipps für die Tauffeier und natürlich beantwortet Carsten Schindler ganz viele Fragen der jungen Familie.

Eine Tauffeier geht ohne Tamtam – die Party steigt zuhause

Tatsächlich muss er Eltern auch immer darauf hinweisen, dass die kirchliche Tauffeier „kein Tamtam und keine Party für euch ist“. Das dürfe man selbstverständlich gern am Nachmittag zuhause veranstalten.

Die Kindersegnung nimmt Diakon Schindler immer in einem Familiengottesdienst vor, damit ein schöner Rahmen gegeben ist – denn zu eigentlichen Tauffeier komme halt niemand außer der Familie.

Die Taufbegleitung werde von den Eltern dankbar angenommen; zum Tauferinnerungsgottesdienst ein Jahr später kämen mehr als die Hälfte der Täuflinge mit ihren Eltern.

Info

Weniger Taufen, aber mehr Trauungen

  • Die Zahl der Taufen in den drei Taufkirchen St. Marien (27/40), St. Konrad (9/13) und St. Agnes (14/27) des Pastoralverbundes Fröndenberg ist von 2018 bis 2019 von 80 auf 50 zurückgegangen.
  • Im vergangenen Jahr gab es in St. Marien eine Erwachsenentaufe; 2018 gab es eine solche in keiner der drei Taufkirchen.
  • Die Zahl der Trauungen ist dagegen gestiegen: in St. Marien von 6 auf 12, in St. Agnes von 3 auf 4, in St. Konrad gab es 2019 eine Taufe, 2018 keine. Einen Trend zur kirchlichen Hochzeit bestätigt Pfarrer Paul Mandelkow für Fröndenberg wie auch für Holzwickede.
  • Daneben sank 2019 die Zahl der Beerdigungen auf 83 nach noch 109 im Jahr zuvor.
  • Die Kirchenaustritte gingen 2019 deutlich zurück von 94 im Vorjahr auf zuletzt 67.

„Das ist eine Herzensangelegenheit für mich“, sagt Carsten Schindler so überzeugend, dass kein Zweifel bleibt. Der große Zuspruch zu diesem modernen Taufmodell habe bestimmt etwas mit den handelnden Personen zu tun.

„Es wird nicht die Kirche gesehen, es geht um den Menschen“, findet Carsten Schindler. Seine Art, das Ereignis Taufe zu vermitteln, kommt bei den Eltern sehr gut an.

Ein kirchliches Ehrenamt, dass an den Kräften zehrt

Unterdessen bemerkt Carsten Schindler, wie dieses kirchliche Ehrenamt auch an den Kräften zehrt. Neben der Taufe ist er auch für die Krankenkommunion zuständig – die Priester werden halt eher weniger als mehr.

„Ich hoffe, dass ich das als Hauptamt machen kann“, offenbart Carsten Schindler, der hauptberuflich für einen großen Baustoffhandel tätig ist. Doch das Erzbistum Paderborn lässt, anders als die Bistümer Aachen und Münster und das Erzbistum Köln, derzeit in der Regel noch keine hauptamtlichen Diakone zu.

»Das ist eine Herzensangelegenheit für mich.«
Carsten Schindler über das Diakonat

Carsten Schindler hofft dennoch, da ja gerade auch im vergangenen Jahr mit Maria 2.0 und den Forderungen der Frauen in der Kirche einiges in Bewegung gekommen sei. Zudem kenne er viele ehrenamtliche Diakone, die aus ihrer Berufung einen Hauptberuf machen möchten.

Allzu lange dürfe sich Paderborn aber nicht mehr Zeit lassen. Denn das Einstiegsalter für hauptamtliche Diakone ist auch 50 Jahre begrenzt. „Und ich bin 46 ...“, sagt Carsten Schindler, der sich so oder so auf die nächsten Taufen freut. Im April und Mai werden wieder sechs Kinder unter Gottes Schutz gestellt.

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