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Seit Oktober läuft für Sabine Rother und Marcel Suffrian, die aus Fröndenberg die Marke Biobiene vertreiben, das Weihnachtsgeschäft. Die Nachfrage nach ihren Produkten war nie größer.

Fröndenberg

, 17.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Marcel Suffrian schlendert nicht ohne Stolz durchs Full-Service-Packaging-Lager an der Ardeyer Straße. Sein Ziel sind die 1200 zu großen Bündeln gepackten unscheinbaren Pappkartons, in denen bald Lebensmittel kühl und frisch von Rüsselsheim bis auf die Malediven reisen. Das neuste Produkt, das unter dem Markennamen Biobiene vertrieben wird - und weltweit Absatz finden könnte.

Polstermaterial kann genascht werden

Doch zunächst bleibt er an einer großen Tüte mit vermeintlichen Styroporchips stehen. Mit einem Happs landet das erste Stück Polstermaterial in seinem Mund. Dann das zweite. Suffrian kaut, ohne die Miene zu verziehen. „Probieren Sie mal, schmeckt gar nicht schlecht“, fordert der Unternehmer auf. „Ein Kunde hat zum TV gucken immer eine Schüssel auf dem Couchtisch.“ Die Chips sind aus Pflanzenstärke, ähnlich hergestellt wie der Mäusespeck, den man als Süßigkeit aus dem Supermarkt kennt - nur kalorienärmer.

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Das kompostierbare Polstermaterial ist eines der ersten Produkte, mit denen das Unternehmen Plastikmüll in der Paketbranche den Kampf angesagt hat - erfolgreich. Plastikfreie Versandscheine, abbaubares Paketband, Pakete aus verschiedenen nachwachsenden Rohstoffen, Konfetti und mehr gehören zum Programm. Seit mehr als fünf Jahren sitzt FPS in Fröndenberg, konzentriert sich hier auf Lagerung, Innovation und Versand. Produziert wird inzwischen extern.

Lebensmittelexport auf die Malediven

Ein paar Regale weiter ist Marcel Suffrian am Ziel. Die neuen Thermoboxen stapeln sich in den Regalen bis unter die Decke. Sie sind eine Kooperation des Lebensmittellieferanten AirSeaFoods, der per Flugzeug oder Schiffscontainer in die entlegensten Winkel der Welt liefert, und der Luxus-Hotelketten Six Senses, einem Kunden, der Lebensmittel auf den Malediven bezieht.

Fröndenberger Biobiene fliegt auf die Malediven - mit Thermoboxen aus Naturfasern

Marcel Suffrian zeigt die Lieferung der plastikfreien Thermoboxen. Für elastische Folie, wie sie hier um die Ware gewickelt ist, gebe es übrigens noch keine gute plastikfreie Alternative. Aber die Forschung arbeite daran. © Hornung

Auf den dortigen Inseln gebe es so gut wie keine Lebensmittel zu kaufen, die in Menge und Qualität den Ansprüchen der Luxustouristen entsprechen, erklärt Suffrian. Weil die Einwohner ihre eigenen Küstenbereiche nicht überfischen, wird sogar frischer Fisch importiert. Die Müllproblematik wächst mit dem Tourismus. Hinzu kommt, dass die Inseln flach sind, der Meeresspiegel steigt. Die Müllinsel Thilafushi erlangte weltweit traurige Berühmtheit - als tickende Zeitbombe im Paradies des Indischen Ozeans.

Naturfasern mit guten Dämmeigenschaften sind der Trick

Immerhin: Beim Lebensmittelimport möchte die Hotelkette nun schlecht entsorgbaren Müll vermeiden. Vor allem auf Thermoboxen aus umweltschädlichem Styropor verzichten. Und da kam Biobiene ins Spiel: Sie entwickelten ein Material aus Naturfasern, das gute Dämmeigenschaften aufweist. Die neue Generation der Thermoboxen besteht aus zwei Pappkartons die ineinander gesetzt werden. Zwischen dem kleineren und dem größeren befindet sich das Dämmmaterial.

Marcel Suffrian und Sabine Rother haben zum richtigen Zeitpunkt in den Nachhaltigen Bereich umgelenkt. Sie profitieren von einem aktuellen Trend. Dennoch wollen sie die Thematik weiter ins Bewusstsein ihrer Kunden rücken. Und vergeben deshalb Siegel, mit denen Unternehmen ihren umweltfreundlichen Versand nach Außen sichtbar machen. Modular sind bis zu fünf Sterne zu vergeben - vom guten Ansatz bis zum vollständig umweltfreundlichen Paket.

Der Clou: Die Naturfasermatten kann die Hotelkette für ihre Bungalows weiterverwenden. Was übrig bleibt, soll an die Einheimischen weitergegeben werden. So könnten sie die Dächer ihrer Hütten gegen die Sonne isolieren. Der Entwicklungsprozess war langwierig. Je nach Witterung sind die teils tiefgefrorenen Lebensmittel nach dem Flug noch bis zu 24 Stunden mit Dhonis unterwegs, kleinen traditionellen Booten, die keinen Kühlraum haben. Inzwischen stimmt die Materialdicke, bei den letzten Test landeten die Produkte frisch im Inselparadies.

Fröndenberger Biobiene fliegt auf die Malediven - mit Thermoboxen aus Naturfasern

Geschäftsführerin Sabine Rother bietet mit Biobiene auch Produkte speziell für die Weihnachtszeit - wie Geschenkfolie und wasserlöslichen Kunstschnee. © Hornung

Jetzt in der Weihnachtszeit läuft das Geschäft für die Fröndenberger Marke Biobiene besonders gut. Immer mehr werde im Internet bestellt, erklärt Unternehmerin Sabine Rother. Pünktlich nach dem Feiertag, am 4. Oktober, werden die Aufträge jedes Jahr merklich mehr. Ab zehn Stück werden weihnachtliche Botschaften mit Wasserlöslicher Farbe auf die Pakete gedruckt. Auf Weihnachtsmärkten sind Papier- statt Plastiktüten für Obst und Nüsse wieder angesagt. Kompostierbare Geschenkfolie möchte Biobiere in Rollengröße für kleinere Läden herausbringen.

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