Fröndenberger begrüßen den Frühling – „so lange wir noch raus dürfen“

dzMit vielen Bildern

Reiten und Radfahren stehen bei den Ruhrstädtern am wärmsten Tag seit Beginn der Corona-Krise hoch im Kurs. Sie begrüßen den Frühling mit Sicherheitsabstand, wollen aber an die frische Luft.

Fröndenberg

, 19.03.2020, 07:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Horst und Annegret Freiberger sind aus Menden mit dem Rad nach Fröndenberger gefahren. Das Fahrrad, so wird gesagt, sei in diesen Tagen eines der sichersten Verkehrsmittel – wenn es um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus geht. Jeder greift nur seinen eigenen Lenker und an der frischen Luft lässt sich reichlich Abstand halten.

„Wir wollen das schöne Wetter genießen, so lange wir noch raus dürfen“, sagt das Mendener Ehepaar. Das sagten übrigens fast alle, die sich am Mittwoch, dem wohl wärmsten Tag seit Beginn der Corona-Krise auf den Weg an die Ruhr und in Fröndenbergs Parks begeben haben.

Frühling im Naturschutzgebiet: Die Kiebitzwiese zog vereinzelt Vogelfreunde und Radtouristen an.

Frühling im Naturschutzgebiet: Die Kiebitzwiese zog vereinzelt Vogelfreunde und Radtouristen an. © Hornung

Horst hält ein Fernrohr, Anngret Freiberger einen Fotoapparat in den Händen, ihre Fahrradhelme gar nicht erst abgesetzt, blicken sie vom Aussichtshügel über die Weite der Kiebitzwiese. Herrliches Wetter. Hier grasen die Heckrinder, dort jagen sich ein paar Kanadagänse. Aber wo ist der Storch? „Mittagessen“, sagt Gregor Zosel.

Den Ornitologen hielt ebenfalls nichts zuhause. Manchmal kommt er mehrmals am Tag ins Naturschutzgebiet – um die Tiere zu beobachten, zu zählen. Flussregenpfeifer, sechs verschiedene Gänsearten, dutzende Nutrias: An der Kiebitzwiese ist der Frühling erwacht. Nur Kiebitze gibt es kaum noch, lediglich ein Brutpaar in Fröndenberg.

Frühling mit Abstand: Das ist in der Fröndenberger Natur durchaus möglich.

Frühling mit Abstand: Das ist in der Fröndenberger Natur durchaus möglich. © Hornung

Noch kämen viele Leute zum Aussichtshügel, sagt Gregor Zosel. Er habe ohnehin die Erlaubnis, weiter ins Naturschutzgebiet hineinzugehen und so definitiv keine anderen Menschen zu treffen. Unterm Strich war es am Mittwochnachmittag aber ruhig.

Schon wesentlich belebter ging es auf dem Ruhrtalradweg zu. Im Industriegebiet in Westick, wo man direkt am Radweg parken, seine Räder ausladen kann, sattelte eine Großfamilie aus Hohenheide auf Drahtesel um. Derartige Bewegung an der frischen Luft schienen viele noch zu genießen – vor allem im Familienverbund, der zuhause ohnehin zusammengesessen hätte.

Frühling in Westick: Auch die Tiere auf dem Land freuen sich über die Sonne.

Frühling in Westick: Auch die Tiere auf dem Land freuen sich über die Sonne. © Hornung

Auch Hoch zu Ross sah man einige Menschen die laue Frühlingsluft genießen.

Blühende Bäume vorm Schmiedemuseum, blauer Himmel, satt grüne Wiese: Diese Kombination lockte am Mittwoch nur noch wenige noch in den Himmelmannpark, diszipliniert mit Sicherheitsabstand, sonnten sie sich auf den Bänken oder ließen ihre Kleinkinder ein wenig über die Wiese laufen.

Frühling vor dem Westfälischen Kettenschmiedemuseum: Die Bäume blühen.

Frühling vor dem Westfälischen Kettenschmiedemuseum: Die Bäume blühen. © Hornung

Jetzt ein Eis: Doch der Betreiber der Eisdiele zeigt denen, die sich hoffnungsvoll nähern, schon mit ausladenden Armbewegungen von der anderen Seite der Glasscheibe „wir haben dicht“. Gastronomie darf in Fröndenberg nur noch bis 15 Uhr geöffnet sein. Und öffnen dürfen ohnehin nur Lokale, die tatsächlich etwas nahrhaftes anbieten.

Frühling an der Flutmulde: Auch hier erwacht die Natur.

Frühling an der Flutmulde: Auch hier erwacht die Natur. © Hornung

Also zurück zu Ruhr: Ob der neue Fußweg entlang der Flutmulde schon fertig ist? Ja, ist er. Vorbei an den Spielplätzen zeigt sich: Absperrband wirkt. Skateranlage und Seilpyramide sind verwaist – und das ist auch gut so. Große Teile der Fröndenberger Jugend verhalten sich sehr diszipliniert. Nur zwei Kleingruppen sitzen an der Ruhr und im Hindenburghain an der Sonne.

Frühling nahe der Ruhrbrücke: Die Ruhr glitzert in der ersten kräftigen Sonnenstrahlen des Jahres.

Frühling nahe der Ruhrbrücke: Die Ruhr glitzert in der ersten kräftigen Sonnenstrahlen des Jahres. © Hornung

Frühling an der Ruhr: Der neue Weg entlang der Flutmulde ist so gut wie fertig.

Frühling an der Ruhr: Der neue Weg entlang der Flutmulde ist so gut wie fertig. © Hornung

Nur noch vereinzelt begegnen ich Spaziergänger, die zum Beispiel mit ihrem Hund eine Runde drehen müssen. Ordnungsamt und ein Bezirksbeamter sind unterwegs – kontrollieren zum Wohl der Menschen, dass sich keiner unnötig in Ansteckungsgefahr begibt. Derweil zwitschern die Vögel um die Wette und die Frühblüher zeigen ihre ganze Pracht. Der Frühling zeigt sich von seiner besten Seite. Auch ohne viel Publikum.

Frühling zu Fuß: In Fröndenberg kann man in diesen Tagen einige Meter gehen ohne einem Mensch zu begegnen.

Frühling zu Fuß: In Fröndenberg kann man in diesen Tagen einige Meter gehen ohne einem Mensch zu begegnen. © Hornung

Frühling im Hindenburghain: Auch hier beginnen die Sträucher zu blühen.

Frühling im Hindenburghain: Auch hier beginnen die Sträucher zu blühen. © Hornung

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Coronavirus
In der Krise wachsen: Fernunterricht der Musikschule ermöglicht Freiheit und Eigenständigkeit