Unterstützung in der Backstube: Jens Klein beschäftigt Lehrling aus Afghanistan

dzAusbildung zum Bäcker

Wie viele Kollegen in der Branche hat es auch der Fröndenberger Bäcker Jens Klein schwer, Auszubildende zu finden. Über den Patenschaftskreis wurde ihm Habibullah Noorzat vermittelt. Und es gibt noch eine weitere offene Stelle.

Fröndenberg

, 02.06.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Theke in der Bäckerei und Konditorei Jens Klein ist morgens um 7 Uhr schon gut gefüllt. Es duftet nach frischen Brötchen und allerlei anderen leckeren Backwaren. In kurzen Abständen schellt die Glocke: Neue Kundschaft im Laden.

Die ersten Fröndenberger holen sich hier bereits ab 5.30 Uhr am Morgen ihre Brötchen. So früh zu öffnen, ist für die Bäckerei in Warmen kein Problem. Denn die Backstube befindet sich – anders als bei vielen größeren Ketten, noch direkt im Haus. Und das Team ist dort ohnehin seit Mitternacht an der Arbeit. Im vergangenen Jahr ist Habibullah Noorzat neu dazugestoßen.

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Der 21-Jährige kommt aus Afghanistan, hat sich 2015 auf der Weg nach Deutschland gemacht und lebt seit drei Jahren in Fröndenberg. Jetzt lernt er ein Handwerk, das viele Jugendliche und junge Erwachsene heutzutage abschreckt. „Wahrscheinlich wegen der Arbeitszeiten“, sagt Bäckermeister Jens Klein, der nach dem Ruhestand von Marlies Neuhaus, deren Bäckerei weiterführt, in der er zuvor fast 20 Jahre gearbeitet hatte.

Bäcker Jens Klein betreibt eine traditionelle kleine Bäckerei. Optimal, um das Handwerk zu lernen. Trotzdem hat er Probleme, Auszubildende für die Backstube und den Verkauf zu finden.

Bäcker Jens Klein betreibt eine traditionelle kleine Bäckerei. Optimal, um das Handwerk zu lernen. Trotzdem hat er Probleme, Auszubildende für die Backstube und den Verkauf zu finden. © Hornung

Jetzt, kurz vor Feierabend, zeigt Habibullah Noorzay keine Anzeichen von Müdigkeit. Er scherzt in der Backstube mit seinem ausgelernten Kollegen, der vor ihm die Ausbildung bei Jens Klein absolviert hatte. Brot und blecheweise Kuchen sind schon fertig. Etliche Brötchen müssen allerdings noch geformt und auf den Weg durch die „Brötchenstraße“ geschickt werden. Hat der Teig schon lange genug geruht? Habibullah Noorzat zeigt die fertigen Portionen unter einem Tuch. „Der braucht noch zehn Minuten“, erklärt sein Kollege.

Bäcker zu werden, war ein Wunsch

„Backen ist immer Spaß“, sagt der neue Auszubildende und strahlt. Zum Brötchen- und Kuchenteig sei er keineswegs nur durch Zufall gekommen. „Ich habe schon früh gesagt, dass ich Bäcker werden möchte“. Genauer kann Habibullah Noorzat die schönen Seiten seines Jobs noch nicht beschreiben. Dazu fehlen die passenden Vokabeln. Für die Schule reicht es aber. „Er kommt dort gut zurecht“, sagt Jens Klein, der sich dafür interessiert und nachgefragt hat, wie sich sein Lehrling dort macht.

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Habibullah Noorzat wurde über den Patenschaftskreis für Flüchtlinge an Jens Klein vermittelt. Er war einer von zwei Geflüchteten, die Interesse anmeldeten, Bäcker zu werden. Einer sprang ab. Der 21-Jährige ist geblieben, absolvierte ein Qualifizierungsjahr – und ist seit 2019 offiziell Lehrling.

Aus dem Eigenantrieb junger Menschen aus Fröndenberg und Umgebung heraus, sei nicht eine einzige Bewerbung bei ihm eingegangen, sagt Jens Klein. Nun sucht er wieder: Einen angehenden oder eine Fachverkäuferin oder einen Fachverkäufer. Gemeldet ist die Ausbildungsstelle beim Arbeitsamt, Jens Klein nutzt aber auch neue Wege wie Facebook und Instagram. Bisher ohne Erfolg: Nicht eine einzige Bewerbung sei eingegangen.

Bäckermeister Jens Klein hat 2019 die Bäckerei von Marlies Neuhaus in Warmen übernommen.

Bäckermeister Jens Klein hat 2019 die Bäckerei von Marlies Neuhaus in Warmen übernommen. © Hornung

„Was viele nicht sehen: Man ist morgens um 8 Uhr fertig“, sagt Jens Klein über den Job als Bäcker. Er hätte immer „durchgemacht“, dann von morgens bis Mittags geschlafen und anschließend den Tag für sich nutzen können, sagt der Chef der Bäckerei, der inzwischen fast nur noch auf Märkten unterwegs ist. Andere würden abends früh ins Bett gehen und ein paar Stunden vorschlafen. Das sei alles machbar.

Beim Bäcker soll es bald auch Eis geben

Seit Jens Klein die Bäckerei von Marlies Neuhaus übernommen hat, laufen die Geschäfte gut. Er hat einige bekannte und beliebte Rezepte behalten, neues eingeführt. Besonders gut gehen Brot und Brötchen aus Dinkelmehl. Die seien nicht nur gesund, sondern „schmecken auch besser“, so Klein. Jetzt im Sommer möchte er Milcheis ins Sortiment aufnehmen. Kein selbst gemachtes, aber auch nichts von der Stange.

Ob es in naher Zukunft genug zu tun gibt, um den neuen Lehrling zu übernehmen, weiß Jens klein jetzt noch nicht. Wenn Arbeit da ist, wäre das aber auf jeden Fall eine Option.

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