Fröndenberger Hausbesitzer extrem verärgert: Straßensanierung sei Symbolpolitik

dzWickeder Straße

Sie wollen, dass erst die Ursachen behoben werden und dann die Folgen. Jürgen Drees und seine Nachbarn von der Schmiedestraße kämpfen Jahrzehnte mit defekten Rohren – die Ursache für Straßenschäden sein sollen.

Fröndenberg

, 11.10.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 1993 lebt Jürgen Drees an der Schmiedestraße 12. Während sich viele Fröndenberger über die Deckensanierung an der Wickeder Straße freuen dürften, betrachten Drees und Nachbarn die Baustelle in der Nähe ihres Hauses mit Sorge.

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Und zwar weil die Häuser der Schmiedestraße an einen Abwasserkanal angeschlossen sind, der von der Schmiedestraße weiter in die Wickeder Straße hinein verläuft.

Anwohner warten seit mehr als 35 Jahren

Auf die Sanierung des maroden Abwasserkanals, der sich durch die gesamte Palz ziehe und bei jedem stärkeren Regenschauer volllaufe, würden die Bürger schon seit mehr als 35 Jahren warten, ärgert sich Jürgen Drees. Er befürchtet, dass es weitere Jahre dauern kann, bis etwas passiert. Denn wenn die Fahrbahndecke in einigen Tagen fertig ist, werde die Straße mit Sicherheit nicht sofort wieder aufgerissen, sagt er. Die Bürger fühlten sich alleine gelassen.

Fröndenberger Hausbesitzer extrem verärgert: Straßensanierung sei Symbolpolitik

Erneuert wird aktuell die Decke der Wickeder Straße. Die Schmiedestraße, in der Jürgen Drees wohnt, mündet in die Wickeder Straße. © Hornung

„Symbolpolitik“ sind die Sanierungsmaßnahmen aus Sicht des Anwohners. Gerade weil die Straßenprobleme im Bereich der Wickeder Straße, die jetzt instandgesetzt wird, aus seiner Sicht auf den defekten Kanal zurückzuführen sind.

Durch den Rückstau laufen Keller voll

Das Problem: Der Kanal staue stark zurück, sodass das Abwasser aus dem Haushalt des Ehepaars Drees gar nicht direkt eingeleitet werden kann. „Man kann hören wie der Kanal volläuft, es blubbert und gluckert in Dusche und Toilette“ – und manchmal ist der Kanal selbst an Tagen gut gefüllt, an denen es gar nicht geregnet habe.

Für Drees bedeutete das konkret: Die Waschmaschine im Keller musste ihren Standort wechseln, Wasserleitungen wurden umgelegt – und das Wasser wird jetzt dauerhaft in einen Abschnitt zwischen Schieber und Straße eingeleitet, etwa auf Höhe der Straße. Der Schieber ist dauerhaft geschlossen.

Fröndenberger Hausbesitzer extrem verärgert: Straßensanierung sei Symbolpolitik

Das Abwasser seiner Waschmaschine wird nun zwischen Straße und dem Schieber im Keller abgeleitet. Wenn Jürgen Drees seinen Abfluss nicht permanent verschlossen hält, muss er mit Wasser im Keller kämpfen. © Hornung

Zuvor musste die Familie eine Zeit lang vollständig auf den Waschmaschinenabfluss verzichten. Das Wasser landete in einer Zinkwanne und die Familie brachte es mit Eimern vor die Tür.

Ähnlich wie die meisten Nachbarn haben auch die Drees inzwischen so ihre eigenen Vorkehrungen im Kampf gegen das rückstauende Wasser getroffen. „Es kommt ein Bisschen Lethargie rein“, sagt der Fröndenberger. „Jetzt können wir es abhaken“, befürchtet er. „Das verärgert uns extrem.“ Bald muss der Fröndenberger einen neuen Heizkessel anschaffen. Inzwischen ist eine modernere Technik Pflicht, bei der Kondensat entsteht. Wie das Kondensat abgeleitet werden kann, weiß Jürgen Drees nicht.

Schon in den 90er Jahren versammelten sich Bürger zum Thema

Das Problem mit dem Kanal ist kein unbekanntes. Und es ist auch nicht von heute auf morgen aufgetreten. Schon Ende der 90er Jahre kamen Anwohner und Vertreter der Stadtverwaltung zu einer Bürgerversammlung zusammen. Für den Kanal wurden nach Informationen von Jürgen Drees nicht – wie üblich – Betonrohre verwendet, sondern Rohre aus einem anderen Material, die im Lauf der Zeit absacken konnten – und so Schaden nahmen.

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Bauamtsleiter Martin Kramme spricht nicht von einem Abwasserkanal, sondern von einem verrohrten Bachlauf. 2016 habe eine Fachfirma im Bau- und Verkehrsausschuss der Stadt vorgestellt, wie der Bachlauf saniert werden könnte. 14 Einzelmaßnahmen zählten die Experten auf. „Die Situation ist äußerst komplex“, sagt Kramme.

Bauamt spricht von einer komplexen Situation

Für die Schäden und die damit verbundenen Probleme gebe es unterschiedliche Ursachen. Die Stadt habe beschlossen, zunächst die Straßendecke zu sanieren – und mögliche Arbeiten am Kanal hinten anzustellen. Der marode Kanal beziehungsweise Bachlauf sei noch nicht vom Tisch. Wie lang sich die Anwohner noch gedulden müssen, wollte der Bauamtsleiter allerdings nicht aussprechen.

Als im November 2018 bekannt wurde, dass die Stadt zusätzliche 110.000 Euro für die Sanierung der Wickeder Straße in den Haushalt einstellt, waren auch die Ursachen für Schlaglöcher und Risse Thema. Weitere 40.000 Euro sollen für Ursachenforschung ausgegeben werden.

Überwachung privater Abwasserleitungen

Das über Jahre andauernde Problem mit dem Abwasserkanal ist für Jürgen Drees auch noch aus einem anderen Grund ärgerlich: Alle Hauseigentümer müssen ihre privaten Abwasserleitungen eigenverantwortlich überwachen und Missstände reparieren lassen. Die Prüfung stünde in der Nachbarschaft bald an. Und Drees weiß, dass in einzelnen Fällen erhebliche Kosten auf Nachbarn zukommen. Und das, während am Hauptverursacher der Abwasserprobleme, dem Kanal, nichts getan werde.
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