Fröndenberg verhandelt über Rennradmuseum

In der alten Kettenfabrik Wilhelm Prünte

Fröndenberg ist eine Stadt des Radsports – nicht zuletzt die Zabel-Route legt davon Zeugnis ab. Die „Eule“ ist ein gefürchteter Anstieg bei den Radrennsportlern. Jetzt könnte ein Rennradmuseum kommen: im „Prünte Forum“.

Fröndenberg

, 03.07.2018, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fröndenberg verhandelt über Rennradmuseum

Das Foto zeigt eine private Ausstellung eines befreundeten Sammlers Andreas Grünewalds aus der Schweiz.privat © Land

Andreas Grünewald macht seiner Heimatstadt ein nicht alltägliches Angebot: Seine umfangreiche Sammlung von historischen und modernen Rennrädern samt Zubehör möchte der gebürtige Fröndenberger in eine künftige Ausstellung einbringen (wir berichteten bereits). Politik und Verwaltung stellte Grünewald jetzt nicht nur die zum Großteil seltenen und teuer gehandelten Sammlerstücke vor, sondern lieferte auch eine Idee für eine künftige Präsentation der immerhin 90 Rennmaschinen.

„Ich habe erste Sondierungsgespräche mit der Ruhrland Kettenfabrik Wilhelm Prünte geführt“, ließ Grünewald die Mitglieder des Ausschusses für Kultur und Tourismus wissen. Das Fabrikgelände an der Ecke Bergstraße/von-Tirpitz-Straße berge wegen seiner zentralen Lage und der verfügbaren Räumlichkeiten großes Potenzial als Ausstellungsfläche.

Längerfristige Leihgabe von 90 Rennmaschinen

Unabhängig von einem künftigen Domizil für die Rennräder gebe es viele Gründe, warum er Fröndenberg als Standort ausersehen habe: die lange Firmentradition der Radzulieferer wie Union, Feuerhake oder eben Prünte, die frühe Radsportgeschichte der Ruhrstadt oder auch der bekannte aus Frömern stammende Rahmenbauer Hugo Rickert. „Für mich gehört das hierhin“, so Grünewald, der vom „Prünte Forum“ sprach und eine längerfristige Leihgabe der Räder vorschlägt.

Gotthard Hoffmann, Schwiegersohn der in diesem Jahr verstorbenen letzten Inhaberin der Kettenfabrik, Hildegard Prünte, warb im Ausschuss dafür, das Projekt eines Rennradmuseums zu prüfen. „Es wäre vielleicht ein Alleinstellungsmerkmal in ganz Deutschland und eine enorme Chance für die Stadt“, sagte Hoffmann.

Diese Chance sieht die Stadt auch im Ausbau des Westfälischen Kettenschmiedemuseums, dessen Machbarkeit unmittelbar vor dem visionären Rennradmuseum vorgestellt worden war. Für beide Projekte müsste die Stadt Geld in die Hand nehmen, jedenfalls aber in sämtliche verfügbaren Fördertöpfe schauen. Entsprechend verhalten fielen die Reaktionen im Ausschuss aus. „Das ist ein großes Rad, das man dreht“, gab Ursula Lindstedt (SPD) zu bedenken.

Größeres Publikum mit breiterer Thematik locken

Inhaltlich warf Stadtarchivar Jochen von Nathusius ein, dass die gewünschte engere Verzahnung von Heimat- und Kettenschmiedemuseum auch für ein eventuelles Fahrradmuseum gelten solle, um Publikum zu locken. Um kein „special-interest“-Angebot für Experten zu machen, solle man möglichst auch Alltagsräder oder Hochräder in eine Ausstellung einbeziehen. In diese Kerbe schlug auch Matthias Burzinski, der die Machbarkeitsstudie für das Kettenschmiedemuseum erarbeitet hat und vorschlug, ebenso die „Lebens- und Sozialgeschichte zu erzählen“. Jedenfalls berge das Radmuseum das Potenzial, „ganz anders auf der touristischen Landkarte aufzutauchen“.

Für die CDU-Fraktion, die die Idee für ein Rennradmuseum eingebracht hatte, gingen diese Überlegungen am Kernthema vorbei: Man solle sich auf das Thema Rennräder und Union konzentrieren. „Man würde auch keinen VW-Käfer neben einen Rennwagen stellen“, sagte Bettina Hartwig-Labs.

Bürgermeister Rebbe will den „Schatz“ gern zeigen – aber ...

Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe betonte, dass für ein solches Projekt ehrenamtliches Engagement und mehr Know-how, etwa über den RSC Unna, benötigt werde. „Das ist ein Schatz, den wir gern in Fröndenberg zeigen würden“, räumte Rebbe ein, hob aber vor allem auf die finanzielle Seite ab.

Vorläufiges Fazit: Ursula Lindstedt schlug vor, dass die Stadt ein „Museumsentwicklungskonzept“ vorbereiten soll. Jedenfalls soll das Thema Rennradmuseum auch im nächsten Workshop zum Kettenschmiedemuseum behandelt werden.

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