Was ein Fröndenberger Tätowierer einem Engländer einmal auf den Podex stach

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Den zweiten Tätowierer gibt es seit dieser Woche in der Fröndenberger Innenstadt. Auf dem Marktplatz ist damit nicht nur ein Leerstand verschwunden. Frank Meinhard weiß auch von kuriosen Laufkunden zu erzählen.

Fröndenberg

, 17.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwischen den beiden Tattoo-Studios liegen vielleicht 200 Meter Luftlinie: Neben der „Absoluten Bestechung“ auf der Alleestraße gibt es nun „Meini Tattoo“ auf dem Fröndenberger Marktplatz.

Frank Meinhard, den alle nur als „Meini“ kennen, bringt viele Stammkunden mit nach Fröndenberg, setzt aber am beschaulichen Markt durchaus auch auf Laufkunden.

Was ein Fröndenberger Tätowierer einem Engländer einmal auf den Podex stach

Frank "Meini" Meinhard hat am Marktplatz in Fröndenberg ein Tätowier-Studio eröffnet. Dorthin sollen nicht nur Stammkunden wie Frank Matthias kommen, sondern auch Laufkunden. © Marcus Land

In dem Metier kennt Meini sich aus. 19 Jahre lang war er angestellt, jetzt hat er sich endlich selbstständig gemacht. Das Ladenlokal, früher Domizil von Susannes Laden, sei optimal, findet der Oberadener, der vor acht Jahren „der Liebe wegen“ auf den Hirschberg gezogen ist.

»Jetzt ist es noch cool – und in zwei Jahren werde ich verflucht.«
Frank „Meini“ Meinhard setzt auf Tattoo-Beratung

Der 50-Jährige verfolgt die Tagespresse und freut sich: Die Marktquerung solle ja abgepollert und der Platz mit einem Wasserspiel völlig renoviert werden. Seine Frau, die Architektin ist, habe die Pläne gelobt. Also, der Standort stimmt schon einmal. „Fröndenberg finde ich sehr schön“, sagt er ungefragt.

Und was die Auftragslage angeht, werde er sich mit seinem Berufskollegen Felice Di Maio ganz bestimmt nicht ins Gehege kommen. Während dieser sich nämlich auf Foto-Realistik spezialisiert hat, sticht Meini die übrige große Tattoo-Welt mit der Nadel unter die Haut.

Was ein Fröndenberger Tätowierer einem Engländer einmal auf den Podex stach

Diese Nadeln müssen unter die Haut: Über feine Düsen wird dann die Tinte auf die farbigen Partien des Motivs gespritzt. © Marcel Drawe

Apropos, das macht Meini seinen Kunden unmissverständlich klar, dass ein Tattoo kein Abziehbildchen ist. „Ja, es tut weh“, sagt Meini, und so steht es auch auf einem Schild im Laden. „Natürlich ist das immer vom persönlichen Schmerzempfinden und von der Stelle, die tätowiert wird, abhängig“, sagt der gebürtige Bergkamener.

Betäuben dürfen Tätowierer nicht – und Salbe wirkt kaum

Anästhetisch betäuben, wie Heilpraktiker oder Hebammen, dürfen Tätowierer nicht. Manchmal setzt Meini auf Wunsch frei verkäufliche Betäubungssalben ein. Die schalteten den Schmerz aber kaum aus.

„Da müssen die durch“, sagt Meini lakonisch. Doch wer sich für ein Tattoo entscheidet, sollte sich das ohnehin überlegen. Denn so verantwortungsbewusst übt Meini seinen Beruf schon aus: „Gerade Jugendliche sollten sich mit einer solchen Entscheidung mehr Zeit lassen“, findet er.

Was ein Fröndenberger Tätowierer einem Engländer einmal auf den Podex stach

Frank „Meini“ Meinhard macht allen Kunden unmissverständlich klar, dass ein Tattoo kein Abziehbildchen ist. © Marcel Drawe

Bei jungen Menschen unter 18 – ab 16 Jahren darf man sich mit Einverständnis der Eltern tätowieren lassen – sticht Meini die Motive aus Tinte nur auf Hautstellen, die mit Kleidung abdeckbar sind.

„Vielleicht ist doch der berufliche Werdegang noch nicht klar, plötzlich findet man seinen Traumjob und dann hat man dieses Tattoo ...“, erzählt Meini in seinem Laden. Da berät er dann lieber noch mal, wenn was ins Gesicht gepikst werden soll. Denn: „Jetzt ist es noch cool – und in zwei Jahren werde ich verflucht.“

Was bei Meini gar nicht geht: politisch extreme, diskriminierende Tattoos. Er macht sich als Tätowierer dann nicht nur selbst strafbar. „Es entspricht auch nicht meiner Einstellung“, betont Meini.

Was ein Fröndenberger Tätowierer einem Engländer einmal auf den Podex stach

Unterschiedliche Farben benötigt Tätowierer Meini für besonders aufwendige Tattoos. © Marcel Drawe

Polynesische Tribals, Old School, also die klassischen Motive von Anker bis Herz, Dot Work oder Mandalas – mit diesen Wünschen dürfen die Leute kommen. Und das seien vom Arbeitslosen bis zum Rechtsanwalt, vom Jugendlichen bis zum Endsiebziger die unterschiedlichsten Menschen und Charaktere.

Ein Tattoo als Erinnerung an das deutsche Abfallrecyclingsystem

Das empfindet Frank Meinhard gerade auch als das Spannende an seinem Beruf. Da kommt der Schrauber, der sich einen Hot Rod, ein aufgemotztes Auto, stechen lässt oder ein Apotheker, der den Äskulapstab als Tattoo auf dem Oberarm tragen will.

Den wohl ungewöhnlichsten Auftrag erhielt Meini einmal von einem jungen Mann, der zuvor eine Wette verloren hatte und dessen Kumpels offenbar das deutsche Abfallrecyclingsystem zu Ehren kommen lassen wollten. Meini: „Dem verrückten Engländer musste ich den Grünen Punkt auf die Arschbacke tätowieren.“

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