Dieser Stammtisch für Frauen ist eine Nachwehe des Wohlgemuth-Rücktritts

dzKfd Fröndenberg

Nach dem innerkirchlichen Konflikt um den Rücktritt des Fröndenberger Pfarrers Norbert Wohlgemuth gründen Frauen nun einen Stammtisch. Es geht um mehr als Machtmissbrauch, Zölibat und Gleichberechtigung in der Kirche.

Fröndenberg

, 30.10.2019, 17:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Rücktritt von Norbert Wohlgemuth vom Amt des Pfarrers in St. Marien Fröndenberg hat zu wochenlangen Debatten innerhalb der katholischen Kirche und in der Öffentlichkeit geführt.

Machtmissbrauch durch Kirchenobere, Gleichberechtigung der Frauen im Katholizismus und Infragestellung des Zölibats sind die Aufhänger für den Stammtisch, den die Fröndenberger Kfd nun ins Leben ruft.

»Mama, was machst du denn?«
Melanie Zimmers Sohn

Unter dem Motto „Frauen, worauf wartet ihr?“, laden Initiatorin Melanie Zimmer und Ilona Degenhardt zu einem lockeren Austausch ein – allerdings über viel mehr als nur die schweren katholischen Themen.

Vielen jüngeren Frauen in Fröndenberg hatte es offenbar imponiert, dass sich die Kfd St. Marien um Hildegard Pielken und Karin Schmidt offen pro Norbert Wohlgemuth und gegen verkrustete Strukturen in der katholischen Kirche positioniert und an einem Sonntag vor der Messe sogar demonstriert hatte.

Zur Sache

Stammtisch von Frauen für Frauen

  • Zu ihrem ersten Stammtisch lädt die Kfd St. Marien Fröndenberg am Mittwoch, 6. November, 19 Uhr, „Zum Markgrafen“, ein.
  • Geplant ist eine lose Folge von Treffen. Folgetermine werden unter den Teilnehmerinnen vereinbart.
  • Wer möchte, kann zuvor mit Melanie Zimmer oder Ilona Degenhardt Kontakt aufnehmen.

Jedenfalls gibt es einigen Zulauf zu der Frauengemeinschaft, deren Altersschnitt deutlich über dem Rentenalter liegt. Man wollte die lauten Impulse durch die Kfd aus dem Sommer nicht verhallen lassen, sondern dran bleiben und nun auch etwas für die neuen jüngeren und berufstätigen Frauen tun.

Melanie Zimmer ist zwar schon länger Kfd-Mitglied, aber erst mit den Aktivitäten der Frauengemeinschaft sensibel geworden für das Thema Frauenrechte in der Kirche. Die Kfd sei „aus ihrer Trägheit herausgekommen“, freut sie sich.

Als Frauengemeinschaft habe man immer das Gefühl gehabt, dass die eigene Kirche eine Institution ist, „an der man sich die Zähne ausbeißt.“ Mittlerweile hat sich die Kfd bundesweit emanzipiert.

Rücktritt Wohlgemuths brachte Stein ins Rollen

In Fröndenberg habe sicherlich der Rücktritt des charismatischen Norbert Wohlgemuth den Stein erst ins Rollen gebracht. „Kirche, wo gehst du hin, wenn du solche Leute laufen lässt?“, zweifelte auch Melanie Zimmer an der Entwicklung im Erzbistum.

Nicht zuletzt habe ihr Sohn mit einen Anstoß für sie gegeben, selbst aktiver zu werden. „Wenn der Pfarrer austritt, warum soll ich dann bleiben?“, habe der junge Messdiener gefragt. Und seine Mutter ins Grübeln gebracht: „Mama, was machst du denn?“

Melanie Zimmer war als gläubige Katholikin gefordert. Auf einem Basistag des Erzbistums Paderborn in Brilon mit 250 anderen Frauen erlebte sie vor einigen Wochen in Workshops erstmals, wie sehr sie das Tun für die gemeinsame Sache inspirierte.

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»Jeder ärgert sich doch allein in seinem Kämmerlein – das bringt nichts.«
Melanie Zimmer

Bei dem Stammtisch von Frauen für Frauen möchte sie nun nicht nur wichtige Informationen für Frauen aus dem Bistum und von der Kfd weitergeben. Sie will vor allem der Generation Sandwich ein Forum bieten.

„Zwischen Beruf, Familie und pflegebedürftigen Eltern sitzen wir zwischen allen Stühlen“, findet Melanie Zimmer. Diese Frauen, oft Einzelkämpferinnen, die zu keinem Kfd-Frühstück am Morgen kommen können, weil sie Kinder versorgen oder zur Arbeit fahren, sollen sich angesprochen fühlen.

„Hochkatholisch“ solle es daher beim Stammtisch auch nicht zugehen. Mit Kirche muss man gar nichts am Hut haben, und man kann beim Stammtisch auch einfach ein Bier mittrinken.

Aber gemeinsam sei man eben auch stark. „Jeder ärgert sich doch allein in seinem Kämmerlein – das bringt nichts“, findet Melanie Zimmer, und: „Bewegung lebt vom Austausch.“

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