Torben Böcker, neu gewählter Vorsitzender der Fröndenberger SPD, wünscht sich mehr Frauen in der Lokalpolitik. Und: Der 30-Jährige schließt eine Bewerbung um das Amt des Bürgermeisters 2020 nicht aus.

Fröndenberg

, 13.09.2019, 16:43 Uhr / Lesedauer: 4 min

Herzlichen Glückwunsch zur Wahl, Herr Böcker. Sich in der SPD zu engagieren, ist ja in diesen Tagen kein Zuckerschlecken. Oder sehen Sie das anders?

Torben Böcker: Ich engagiere mich weiterhin gern in der SPD, auch und gerade jetzt. Denn die Werte der SPD sind ja dieselben geblieben. Begeisterungsstürme lösen die derzeitigen Umfragewerte natürlich nicht aus. Aber das hat mich nicht abgeschreckt, Vorsitzender eines SPD-Stadtverbandes zu werden.

»Aber das hat mich nicht abgeschreckt, Vorsitzender eines SPD-Stadtverbandes zu werden.«
Torben Böcker über die aktuellen Umfragewerte der SPD

Kam die Partei auf Sie zu oder haben Sie Ihren Hut in den Ring geworfen?

Böcker: Die SPD ist auf mich zugekommen. Ich war ja kein Unbekannter, bin ehemaliger Juso-Vorsitzender in Fröndenberg, war in die Fraktionsarbeit mit eingebunden, war Sachkundiger Bürger im Fröndenberger Rat. Ich habe zwar in Holzwickede gewohnt, aber der Kontakt nach Fröndenberg ist ja nie ganz abgerissen.
Die Kandidatur ist auch noch gar nicht so lange klar, etwa seit acht Wochen.

Wie Fröndenbergs neuer SPD-Chef auf Instagram und bei Frauen punkten will

Der Stadtparteitag der Fröndenberger SPD wählte Torben Böcker (vorn M.) am 7. September 2019 als Nachfolger von Dr. Martin Streich zu ihrem neuen Vorsitzenden. © Marcel Drawe

Die SPD hat sich im Gegensatz zu den anderen drei Fraktionen und der FDP beim Thema Klimanotstand eher zurückgehalten, auch keinen eigenen Antrag gestellt. Müsste die SPD – auch angesichts aktueller Umfragewerte – bei einem Thema, das die Leute bewegt, nicht deutlicher Farbe bekennen?

Böcker: Auf Kreisebene war es ja die SPD, die als erste den Antrag gestellt hat, den Klimanotstand auszurufen. Grundsätzlich ist das Klima ein sehr wichtiges Thema. Für mich kommt es allerdings nicht darauf an, wer den Antrag stellt. Wenn die CDU oder die Grünen einen guten Antrag stellen, dann müssen wir als SPD nicht noch einen eigenen Antrag stellen, sondern man kann auch gut und gerne einmal einen Antrag der anderen Parteien unterstützen.

»Denn die Lokalpolitik in Fröndenberg ist momentan sehr männerlastig.«
Torben Böcker zur Förderung von weiblichen Mandatsträgern

In der Kommune ist in der Regel die Fraktion politisch aktiv. Können Sie als Parteivorsitzender dennoch Impulse für Fröndenberg setzen? Wenn ja, welche?

Böcker: Es gibt schon Ideen, die ich habe. Aber ich sehe das nicht in Konkurrenz zur Fraktion. Zuerst finde ich das Thema Familie und Jugend sehr wichtig. In die Gesamtschule wird ja derzeit schon kräftig investiert. Die Grundschulen sind mir auch ganz wichtig, ebenso wie der Offene Ganztag. Beide sollten modern ausgestattet werden. Mir schwebt vor, dass Fröndenberg eine der modernsten Schullandschaften haben soll in Nordrhein-Westfalen, wenn das Projekt abgeschlossen ist. Ich finde, die Politik muss beim Thema Spielplätze die Verwaltung beauftragen, dass dort mehr getan wird. Die Straßen müssen saniert werden – das sehe ich ebenfalls als wichtig an, ebenso wie den Breitbandausbau.

Wie Fröndenbergs neuer SPD-Chef auf Instagram und bei Frauen punkten will

Torben Böcker (hinten) als Schatzmeister des SPD-Unterbezirks Unna im Januar 2019 bei der Vorstellung von Selms Bürgermeister Mario Löhr als designierter Landratskandidat für die Kommunalwahl 2020. © UDO HENNES

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Welche politischen Möglichkeiten hat denn ein Stadtverband der Partei im Vergleich zur Fraktion überhaupt?

Böcker: Wir können genauso Anträge stellen wie die Fraktion auch. Das ist bei der CDU ja nicht anders. Man ist schließlich als Stadtverband nah an den Bürgern. Ob es Gespräche in der Stadt sind, ob in der Familie, mit Freunden, Bekannten oder Nachbarn. Oder in den Vereinen – man kommt mit vielen Leuten in Kontakt und bekommt dort Impulse. Ich bin ganz konkret auf Spielplätze und das Erscheinungsbild der Stadt angesprochen worden. Das halten die Leute für verbesserungswürdig. Und so etwas kann man beispielsweise dann auch in Anträge gießen.

Zur Person

Redenschreiber für Dortmunder Vize-Oberbürgermeisterin

  • Torben Böcker (30) ist Jahrgang 1989, geboren in Unna und in Fröndenberg auf der Hohenheide aufgewachsen.
  • Vor sieben Monaten ist er Vater geworden und hat mit seiner Partnerin Corinna den gemeinsamen Sohn Hugo.
  • Nach dem Abitur am Pestalozzi-Gymnasium Unna machte Torben Böcker bei der Stadt Dortmund eine Ausbildung mit Dualem Studiengang zum Diplom-Verwaltungswirt.
  • Danach absolvierte Böcker, der mittlerweile Beamter bei der Stadt Dortmund ist, ein Fernstudium zum Master of Public Administration (öffentliches Management) an der Universität Kassel.
  • Seit 2017 ist der Fröndenberger persönlicher Referent der stellvertretenden Oberbürgermeisterin von Dortmund, Birgit Jörder (SPD). Zu seinen Aufgaben gehören Reden schreiben, Terminvorbereitungen oder Informationsbeschaffung.
  • Von September 2014 bis September 2016 war Torben Böcker Vorsitzender der Fröndenberger Jusos; von Oktober 2015 bis Oktober 2017 auch Juso-Chef auf Kreisebene.
  • Zurzeit ist er auch noch Vorsitzender des Rings politischer Jugend im Kreis Unna, zu dem sämtliche Jugendorganisationen der Parteien gehören.
  • Seit November 2017 hat Böcker das Amt des Schatzmeisters der Kreis-SPD inne.
  • In seiner Freizeit beschäftigt sich Torben Böcker sehr gern mit Ahnenforschung und Geschichte, ist auch Mitglied im Heimatverein Fröndenberg, im Bismarckturmverein sowie im Historischen Verein Holzwickede.

Reichen Stände auf dem Wochenmarkt und öffentliche Ortsvereinssitzungen heute noch aus, um ein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen zu bekommen?

Böcker: Wie schon gesagt, man hat ja auch andere persönliche Kontakte. Die Sozialen Medien sind aber sicherlich eine Plattform, auf der wir auch stärker tätig werden müssen. Das möchte ich auch in den nächsten zwei Jahren angehen. Ich glaube, man muss dahin gehen, wo die Leute schon sind. Es gibt ja beispielsweise die Facebook-Gruppe ,Du lebst schon lange in Fröndenberg, wenn …‘ – daran sieht man ja, wie viele Menschen allein aus Fröndenberg bei Facebook aktiv sind. Man muss versuchen, dort mit den Menschen in Kontakt zu treten – nicht über diese Gruppe, sondern allgemein bei Facebook und anderen Sozialen Medien. Instagram ist gerade bei jungen Leuten schon angesagter als Facebook.

Man liest in den Sozialen Medien, aber auch in Leserbriefen nicht selten, dass es drängendere Probleme gebe als den Marktplatz zu sanieren, etwa zunächst einmal Straßen zu sanieren. Ist an dieser Sichtweise etwas dran?

Böcker: Die Ratsmitglieder, die ja alle in Fröndenberg wohnen, wissen schon, wo die Probleme liegen. Die fahren auch selbst täglich auf den Straßen und wissen um deren Zustand. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Nur die Straßen zu sanieren und sonst nichts in Fröndenberg zu investieren, ist ein bisschen zu wenig.

Wie Fröndenbergs neuer SPD-Chef auf Instagram und bei Frauen punkten will

Etwas länger als ein Jahr wohnte Torben Böcker in Holzwickede. Dort setllte er sein Projekt vor, alte Hausinschriften zu dokumentieren. © Greis

ZUR SACHE

SPD-STADTVERBAND ZÄHLT NOCH 210 MITGLIEDER

  • Der Stadtverband der SPD setzt sich aus den drei Ortsvereinen Mitte, West und Frömern-Ostbüren-Palz zusammen.
  • Zum Stichtag des jüngsten Stadtparteitages am 7. September 2019 zählte die Fröndenberger SPD noch 210 Mitglieder.
  • Damit hat sich die Mitgliederzahl in den vergangenen 20 Jahren laut Geschäftsführer Gerd Schürmann fast halbiert.
  • Die Zahl der Juso-Mitglieder stagniert und liegt aktuell bei 26.

Mit 30 Jahren sind Sie relativ jung für einen Parteivorsitz. Will die SPD vor der Kommunalwahl 2020 auch bei den Ratskandidaten den Generationenwechsel fortführen – und hat sie dafür genügend geeignete Bewerber?

Böcker: Das Alter ist nicht entscheidend. Ob ich jetzt 30 bin oder schon 40 wäre, ist nicht ausschlaggebend dafür, ob man eine gute Arbeit macht. Es ist natürlich so, dass vermehrt ältere Ratsmitglieder ausscheiden und Jüngere nachrücken. Wir haben auch schon einige in die Fraktion eingebunden als Sachkundige Bürger wie Pascal Reinkensmeier oder Shadrach Peeris , von denen ich mir auch vorstellen könnte, dass sie im nächsten Jahr für den Rat kandidieren. Es ist immer ein guter Mix notwendig, eben auch von älteren Ratsmitgliedern, die ihre Erfahrung an die Jüngeren weitergeben können. Neben den jungen Mitgliedern möchte ich auch versuchen, mehr Frauen zu gewinnen. Denn die Lokalpolitik in Fröndenberg ist momentan sehr männerlastig.

»Kategorisch ausschließen würde ich eine Kandidatur nicht.«
Torben Böcker zu einem Antritt bei der Bürgermeisterwahl

Die SPD hat noch keinen Bürgermeisterkandidaten für die Wahl 2020 aufgestellt. Stehen Sie für eine Bewerbung zur Verfügung?

Böcker: Wir starten jetzt erst einmal einen internen Findungsprozess in der SPD und werden dabei nach einem geeigneten Kandidaten oder einer geeigneten Kandidatin suchen, der oder die unsere Anforderungen erfüllt. Das muss niemand sein, der schon eine Funktion in Stadtverband oder Fraktion hat. Es gibt ja auch Personen, die Mitglied in der SPD sind und in der Wirtschaft oder woanders Positionen innehaben, die sie für das Amt geeignet erscheinen lassen. Ich habe mir selbst dazu noch keine abschließenden Gedanken gemacht. Kategorisch ausschließen würde ich eine Kandidatur nicht.

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