Bernd Weskamp findet, dass in Fröndenberg nicht alle im Zug Richtung Zukunft sitzen

dzLeben und Wohnen

Fröndenberg geht nach seinem Geschmack den falschen Weg, wenn es sich für alle Generationen attraktiv aufstellen will. Bernd Weskamp findet, dass dafür auch Gebäude in der Innenstadt abgerissen werden müssten.

Fröndenberg

, 23.10.2019, 15:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

In das politische Tagesgeschehen mischt er sich immer wieder ein, besonders das Thema Wohnen und Leben im Alter liegt Bernd Weskamp am Herzen. Nun fordert der Fröndenberger sogar, auch über den Abriss von Wohngebäuden nachzudenken.

Bernd Weskamp ist in Fröndenberg vor Jahren als Geschäftsführer des Bildungswerks der ehemaligen Dufhues-Stiftung im Gebäude des späteren Alten Hotels am Park bekannt geworden.

Ehemaliger Referent von Kurt Biedenkopf

Bei der Landes-CDU war er hauptamtlicher Mitarbeiter im Fachbereich Arbeit und Soziales und zeitweilig persönlicher Referent von Kurt Biedenkopf. Weskamp weiß also durchaus, wovon er spricht, wenn er sagt: „Das im Leben erworbene Wissen und die gesammelten Erfahrungen werden zu wenig bei der Lebensgestaltung im Alter genutzt.“

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Der 77-Jährige fordert aber nicht nur mehr Eigeninitiative, sondern sieht vor allem auch die kommunalpolitischen Akteure in Fröndenberg in der Pflicht. Die Aktivitäten der Stadt für ein attraktives Leben und Wohnen in der Stadt sind ihm zu kurz gesprungen.

»Ich will erreichen, dass die im Alter zu 80 Prozent nicht pflegebedürftigen Menschen aktiv werden.«
Bernd Weskamp

In den Augen von Bernd Weskamp ist das derzeit entstehende Neubaugebiet „Am Obsthof“ in Ostbüren ein Beispiel dafür, „dass nicht ganzheitlich gedacht wird“.

Der Bebauungsplan sieht ausdrücklich altengerechte Wohnungen vor. Begründet wird die Vorgabe damit, im Dorf verwurzelten Bürgern ein Leben im Alter auch in einer kleinen Wohnung anstatt in einem großen Eigenheim in Ostbüren zu ermöglichen.

„Sollen die da wohnen ohne Infrastruktur?“, fragt Bernd Weskamp etwas provokativ. Tatsächlich gibt es in Ostbüren praktisch keinen Einzelhandel. Die nächsten Bäckereien oder Supermärkte, auch Ärzte sind kilometerweit entfernt.

Dabei stimmt Weskamp der Idee, dass man Menschen ermöglichen muss, sich im Alter kleiner zu setzen, grundsätzlich zu.

Zur Sache

Wohnen in der Innenstadt

  • Der Karl-Wildschütz-Platz ist eine Vorratsfläche der Stadt. Die Parkplatzfläche liegt im Gebiet des Stadtentwicklungsprogramms.
  • In seiner Sitzung am 10. Juli 2019 hat der Rat beschlossen, die Machbarkeit eines Bürgerhauses (Rathaus mit soziokulturellem Zentrum) nicht mehr zu verfolgen.
  • Stattdessen soll ein Ideenwettbewerb für die künftige Nutzung ausgeschrieben werden; die FWG-Fraktion hatte den Aspekt des „bezahlbaren Wohnraums“ eingebracht.
  • Daneben gibt es einen Antrag der CDU-Fraktion, eine Aufnahme Fröndenbergs in das Landesprogramm zum Ankauf und Abriss von sogenannten Schrottimmobilien, zum Beispiel an der Alleestraße, aufgenommen zu werden. Als Eigentümerin weiterer Flächen könnte die Stadt damit ihre Planungshoheit in der zentralen Innenstadt erweitern.

„Menschen wie ich benötigen im Alter kein Haus mehr – die sind nicht fürs Alter gebaut, sondern für eine Familie“, sagt Weskamp.

Wenn Politik und Verwaltung offensichtlich ja das Ziel verfolgten, Fröndenberg für heutige und künftige Generationen attraktiv zu machen, wählten sie, so Bernd Weskamp, aber nicht immer den richtigen Ansatz.

„Verschönert nicht die Fassaden, sondern belebt die Innenstadt“, ist eine weitere plakative Aussage des Diplom-Volkswirts mit Blick auf Gestaltungsprogramme. Gerade ältere Mitbürger seien auf die kurzen Wege beim Einkaufen oder beim Gang zum Arzt angewiesen. Daher solle es keine Denkverbote geben – auch den Abriss nicht barrierefreier und altengerechter Gebäude in der City hält Weskamp daher für diskutabel.

In Iserlohn habe er selbst ein Neubauprojekt für Senioren in der Innenstadt betreut. Auch in Fröndenberg – Stichwort: Karl-Wildschütz-Parkplatz – seien solche Initiativen denkbar – solche Anläufe gab es in der Vergangenheit auch bereits, sie sind allerdings gescheitert.

»Man will den Fremden erreichen, das können Sie aber vergessen – Fröndenberg werden Sie nie so attraktiv bekommen, dass Laufkundschaft kommt.«
Bernd Weskamp

Dabei sei Fröndenberg als Einkaufsstadt, so Weskamp, förmlich darauf angewiesen, dass die sehr gute Kaufkraft der eigenen Bürger in der Stadt gebunden werde. „Man will den Fremden erreichen, das können Sie aber vergessen – Fröndenberg werden Sie nie so attraktiv bekommen, dass Laufkundschaft kommt“, ist sich Bernd Weskamp sicher.

Er will aber auch Mut zur Eigeninitiative machen. In einem Buch hat er das „Wohnen in einer aktiven Hausgemeinschaft“ bereits beschrieben.

Vorbildhaft sieht er das ehrenamtliche Engagement im neuen Dorfzentrum Ardey mit dem Café Buntes Sofa und der Nachbarschaftsbörse.

Eine solche aktive Nachbarschaft ist Bernd Weskamps Idealvorstellung. Denn Aktivität halte bei vielen fitten Senioren ungemindert an.

Viel zu oft werde dagegen über den Pflegebedarf geredet. Bernd Weskamp: „Davon werden auch in Zukunft höchstens ein Fünftel der Älteren betroffen sein, um die restlichen 80 Prozent schert sich aber keiner.“

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