Fröndenbergs kfd-Frauen sitzen erstmals nach dem Rücktritt von Pfarrer Norbert Wohlgemuth wieder bei ihrem Frühstück beisammen. Bei dem meditativen Treffen schmieden sie schon Pläne für einen Auftritt in Paderborn.

Fröndenberg

, 14.08.2019 / Lesedauer: 4 min

Zwei Tage nach ihrer Demonstration für eine menschliche Kirche und zum ersten Mal nach dem Rücktritt ihres Pfarrers Norbert Wohlgemuth sitzen die kfd-Frauen wieder bei ihrem monatlichen Frühstück im Pfarrzentrum beisammen.

kfd St. Marien – moderat im Ton, deutlich in den Forderungen

Der morgendliche Termin ist stets andachtsvoll und immer gemessen in Worten und Zielen. Auch diesmal bleiben die Frauen um Regina Dirksmeyer, Karin Schmidt, Gerda Degenhardt, Euphemia Brochtrop und Ursula Sloboda moderat im Tonfall – aber werden umso deutlicher bei ihren Forderungen.

In dem Gemeindesaal sind zwei Tischreihen gefüllt, rund 50 Frauen dürften gekommen sein. Wie immer wird schon ab 8 Uhr eine kurze Andacht gehalten, danach gibt‘s Frühstück. Kaffee, Brötchen, Wurst, Käse, Eier – alles da.

»Wir möchten einen neuen Pfarrer in Fröndenberg haben.«
Helga Hedderich

Vielleicht hätte im Normalfall das kommende ökumenische Gemeindefest auf der Tagesordnung vornan gestanden, doch diesmal ist alles anders. Es gibt fast nur ein Thema: den Rücktritt des beliebten Norbert Wohlgemuth, ihres priesterlichen Freundes, als den ihn viele empfunden haben.

Nein, laut zu trommeln, das sei die Sache der kfd nicht. Daher der stille Protest mit Plakaten vor Beginn der Messe am Sonntag. Lichter ließ Pastor Heinrich Stangorra die Frauen auf den Altar stellen. Das habe eine viel größere Wirkung gehabt, findet Gerda Degenhardt.

Fröndenbergs kfd-Frauen nach Demonstration sicher: Diese Welle hält man nicht mehr auf

Trifft bei Karin Schmidt, Regina Dirksmeyer, Gerda Degenhardt und Helga Hedderich (v.l.) auf Zustimmung: Äußerungen des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode, früher Pfarrer von St. Marien, zum Thema Priester und Familie. © Marcus Land

Regina Dirksmeyer gibt unumwunden zu: Sie hat selbst in den vergangenen Wochen und Monaten einen „Wandlungsprozess“ durchgemacht. Bei Wohlgemuths Appell gegen sexuelle Gewalt und eine überhebliche und ausgrenzende Kirche im März noch hatte sie „Magenschmerzen“.

„Aber wir müssen uns doch alle ändern“, sagt Dirksmeyer und spricht vom „Wachrütteln“, das sich die Frauen jetzt und in Zukunft ganz fest auf die Fahnen geschrieben haben.

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Als sie die zölibatäre Lebensweise der Pfarrer anspricht, wo sie mittlerweile auch Vieles liberaler sehe, kommen Rufe von einigen anderen Frauen. „Zölibatär leben kann doch jeder, wer es will“ oder „Den Zölibat könnte der Papst sofort aufheben, das steht nirgendwo geschrieben“.

»Die Unzufriedenheit ist in Paderborn angekommen, wir müssen auch beide Seiten sehen.«
Ursula Soporra

Doch in Wirklichkeit geht es der Frauengemeinschaft von St. Marien gar nicht zuallererst um die ganz großen Fragen in der katholischen Kirche. Nicht zu viel auf einmal fordern, findet Beate Wenzel. „Wir möchten einen neuen Pfarrer in Fröndenberg haben“, drückt Helga Hedderich den dringendsten Wunsch aus, den alle teilen. „Modern“ solle er sein, sagt Elisabeth Wesch, „und nicht so verstaubt“. –

Fröndenbergs kfd-Frauen nach Demonstration sicher: Diese Welle hält man nicht mehr auf

Beim Protest der kfd vor St. Marien lagen auch Unterschriftenlisten aus, auf die sich mittlerweile schon mehr als 200 Menschen eingetragen haben. © Marcel Drawe

Zur Sache

kfd-Bundesverband plant bundesweite Aktion

  • Der Bundesverband der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland plant Ende September eine Aktionswoche mit dem Titel „Frauen, worauf wartet Ihr?“.
  • Die plakative Forderung der kfd lautet: Frauen in alle Weiheämter!
  • Die kfd setzt sich damit für den Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der katholischen Kirche ein.
  • Eine zentrale Begründung lautet. „Eine Kirche, die zu den wichtigen Fragen und Themen gehört werden und glaubwürdig sein will, muss Geschlechtergerechtigkeit vorleben.“
  • Informationen, auch über eine Online-Petiton, gibt es unter kfd-die-macht.de

„Den können wir hier modern machen“, kommt postwendend zurück – die Fröndenberger kfd nimmt‘s so selbstbewusst wie humorvoll.

Und sind dabei gewissenhaft und ernst in der Sache. „Die Unzufriedenheit ist in Paderborn angekommen, wir müssen auch beide Seiten sehen“, sagt Ursula Soppora. Zu hinterfrage gelte es Vieles, auch warum so wenig Kinder noch in die Kirche gingen.

Man solle in Paderborn nicht hoffen, dass Frauen in die Bresche springen

Doch auch Kritik am Erzbistum gibt es weiterhin in der Causa Wohlgemuth. In Interviews habe man in Paderborn doch zu verstehen gegeben, dass man sich dort wunderte, welche Wellen die Sache in Fröndenberg geschlagen hat. Diese Betrachtungsweise löst überwiegend Kopfschütteln aus.

Denn die Ursachen für Wohlgemuths Rückzug sehen auch die Frauen der kfd ganz klar in den Machtstrukturen der katholischen Kirche begründet. Das habe ihr früherer Seelsorger ja ganz klar zum Ausdruck gebracht.

»Die Frauen stehen auf der Schwelle, aber sie lassen sie nicht.«
Evamarie Baus-Hoffmann

Man solle nun bloß nicht darauf hoffen, dass Frauen sich ehrenamtlich noch mehr als zuvor engagierten und für fehlende Priester in die Bresche springen. „Und die Schulungen dafür sollen wir dann noch selbst bezahlen?“, ereifert sich Regina Dirksmeyer. Nein, so nicht.

Warum nicht hauptamtlich Pastoralreferentinnen einstellen? Ursula Sloboda hat es kürzlich bei einer Hochzeit im Erzbistum Köln erlebt. „Das war zwar ungewohnt, aber sie hat das sehr gut gemacht“, erzählt die Schriftführerin der kfd St. Marien.

Viele Frauen studierten Theologie, seien bereits Diakoninnen, „Die Frauen stehen auf der Schwelle, aber sie lassen sie nicht“, bedauert Evamarie Baus-Hoffmann.

Fröndenbergs kfd-Frauen nach Demonstration sicher: Diese Welle hält man nicht mehr auf

Ursula Sloboda, Euphemia Brochtrop, Karin Schmidt und Hildegard Pielken (v.l.) vom Leitungsteam der kfd St. Marien Fröndenberg hatten zu der Demonstration am vergangenen Sonntag aufgerufen. © Marcel Drawe

Wenigstens kleine Schritte nach vorn, das wünschen sie sich jetzt. „Vom Priesteramt träumen wir ja“, ruft jemand.

Wer weiß schon, wie lange es Träume bleiben. Der Protest am Sonntag zog bereits Kreise. Aus Nachbarorten, aus Hemer, Iserlohn, selbst Bielefeld waren Unterstützer gekommen. „Man hätte nicht gedacht, dass die Frauen in Fröndenberg so stark sind“, hat Beate Wenzel herausgehört.

»Das ist eine Welle, die man nicht mehr aufhält.«
Gerda Degenhardt

In Hemer wird es am Sonntag, 1. September, schon eine weitere Demonstration der dortigen kfd vor einer Kirche geben. Und am 15. September wollen Frauen aus dem gesamten Erzbistum nach Paderborn fahren. Als Euphemia Brochtrop fragt, wer aus St. Marien mitfahren will, schnellen schon viele Finger nach oben. „Ich werde es auf jeden Fall tun“, sagt Brochtrop.

Es sei von Fröndenberg aus eine Welle entstanden. Gerda Degenhardt: „Das hält man nicht mehr auf.“

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