Fröndenberg kämpft gegen die Hitze

dzHeißer Sommer

Während die Freibäder rekordverdächtige Besucherzahlen melden, bangen andere aktuell um ihr Geschäft. So hoffen nicht nur Landwirte auf Regen, auch dem Weihnachtsbaum von morgen täte er in Fröndenberg gut.

Fröndenberg

, 08.08.2018, 09:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Wetterumschwung ist angekündigt. Und das Hoffen, dass er auch tatsächlich eintritt, beginnt auch in Fröndenberg. Wie berichtet leiden die Landwirte unter der Hitze. Auch die Feuerwehr hat alle Hände voll zu tun. Den Freiwilligen brachte die Hitze brennende Felder und Bäume und laut Feuerwehrchef Jörg Sommer so viele überörtliche Einsätze wie nie zuvor.

Einer, der sich ebenfalls Sorgen um seine Pflanzen – und somit um sein Geschäft machen musste, ist Wilhelm Dieckmann. Er hat eine Schonung an der Eulenstraße. Was bei ihm wächst, findet sich als Christbaum in den Wohnzimmern der Fröndenberger wieder.

Ironischerweise könnte der heiße Sommer die Vorfreude auf die unverzichtbare Tanne zum Fest in diesem Jahr ordentlich vermiesen. Zumindest hatte Dieckmann von Kollegen gehört und gelesen, dass es um deren Bestand gar nicht gut aussehe. Deswegen machte er sich auch als erstes auf den Weg in seine Schonung an der Eulenstraße, als er vor zwei Tagen aus dem Urlaub zurückkam. „Es sieht nicht so schlimm aus, wie ich befürchtet habe“, ist der Holzhändler erleichtert.

Bei Dieckmann wächst eine besondere Edeltanne, die aus dem nordamerikanischen Küstenstaat Oregon stammt und naturgemäß mit dem extremen Klima der vergangenen Tage gut klarkam. Daneben züchtet er Nordmanntannen, die mit ihren Wurzeln tief in der Erde noch die letzte Flüssigkeit abgreifen, die dort vorhanden ist. Problematischer werde es für die noch jüngeren Pflanzen. Ihre Wurzeln reichen nämlich noch nicht so tief in den Boden hinein – und die oberen Schichten seien knochentrocken, berichtet Wilhelm Dieckmann.

Alles richtig gemacht

„Wir haben alles richtig gemacht“, freut sich der Holzhändler, der in diesem Sommer keine ganz jungen Bäume hat. „Wir hatten noch überlegt zu pflanzen und haben es nicht getan“, fügt er hinzu. Voraussehen könne man eine Trockenheit wie sie in diesem Sommer herrsche nicht. Wie sich das Wetter eignet, um die Schonung zu bewirtschaften, stünde jedes Jahr erneut in den Sternen, wenn die entsprechenden Entscheidungen getroffen werden müssen. Jetzt hofft Wilhelm Dieckmann aber trotzdem auf den angekündigten Regen, denn der Boden seiner Schonung, der zum Teil von einer Tonschicht durchzogen ist, ist inzwischen so trocken, dass sich dicke Spalten bilden.

Einer, der nicht auf den Regen warten wollte, war Paul Schlücking von der Nabu-Ortsgruppe Fröndenberg. Zusammen mit weiteren Akteuren bastelte er Schilder und stellte Gießkannen im Stadtgebiet auf. Zunächst an der Ostmarkstraße, wo im Nachgang an die Fällung der Linden zwei neue Bäume gepflanzt wurden, die die Stadt aus Sicht des Nabu in den vergangenen Wochen nicht ausreichend gegossen hatte.

Ob es nun Anwohner oder Mitarbeiter der Stadt waren, die sich an der Aktion störten, oder ob jemand eine neue Gießkanne für den eigenen Garten brauchte: Nach kurzer Zeit war das Nabu-Kännchen zum Ärger der Naturschützer verschwunden. Für Dienstag planten sie dennoch, weitere Kannen auf dem Marktplatz und vor dem Rathaus zu drapieren, um auf den Durst der Pflanzen aufmerksam zu machen. Dass Bürger bei der Hitze auch mal selbst zur Kanne greifen, egal ob es den Wasserhaushalt von privatem oder städtischen Grün zu regulieren gilt, ist im Übrigen keine abwegige Idee. So hatten Kommunen wie etwa die Nachbarstadt Menden in den vergangenen Wochen ganz bewusst dazu aufgerufen.

Das gleiche Schicksal wie die jungen Bäume an der Ostmarkstraße und die Tannen von der Eulenstraße teilen auch die Jungbäume auf der Hohenheide. Damit sie den heißen Sommer überleben, versorgt die örtliche Feuerwehr die Pflanzen mit viel Wasser.

Bitte der Stadt

„Die Stadt hat uns vor zwei Wochen darum gebeten, die jungen Bäume zu bewässern. Im Gegensatz zu älteren Bäumen reichen ihre Wurzeln noch nicht tief genug in die Erde, um von dort aus die notwendige Feuchtigkeit zu beziehen. Um die Bäume zu schützen, müssen wir mit Wasser nachhelfen“, erklärte der freiwillige Feuerwehrmann Jens Figge bei der Bewässerung am Montag.

Er und sein Team kümmern sich nun jeden zweiten Tag um die gefährdeten Bäume. Mit einem Feuerwehrauto, einem Tank voll Wasser und zu ungefähr sechs Mann nehmen sie sich die Pflanzen am Espelweg, in der Fuchskaute und im Rehwinkel vor. Ungefähr zwei Stunden fahren sie durch die drei Straßen.

Die Freiwillige Feuerwehr Hohenheide gießt die rund 40 Bäume dabei mit bis zu 6000 Liter pro Bewässerung. Kein Wunder, dass da der Tank des Feuerwehrautos ein zweites Mal befüllt werden muss. „Natürlich wünschen wir uns für die nächsten Tage etwas Regen. Nur zu stark darf er auch nicht sein“, fügte Figge hinzu. Abgesehen von Folgen wie vollgelaufenen Kellern, kann der trockene Boden so viel Flüssigkeit auf einmal gar nicht aufnehmen. Das Wasser gelangt dann ebenfalls nicht zu den Wurzeln der jungen Bäume.

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