European Energy Award: Fröndenberg ist jetzt europäische Klimaschutzkommune

dzAuszeichnung

Gerade erst ist in Fröndenberg der Klimanotstand ausgerufen – da wird die Verwaltung mit einem Klimaschutzpreis ausgezeichnet. Und zwar für energieeffizientes Handeln innerhalb der vergangenen vier Jahre.

Fröndenberg

, 21.11.2019, 17:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gefühlt ist die Klimadebatte in Fröndenberg erst in diesem Jahr so richtig angekommen. Was tut die Stadt fürs Klima? Sollte Fröndenberg dem Beispiel anderer Kommunen folgen und einen Notstand ausrufen? Das waren die Fragen, die Politik und Verwaltung vor den Sommerferien beschäftigt hatten. Nach der Sommerpause konnte sich die Politik dazu durchringen, den Klimanotstand auszurufen. Doch faktisch tut Fröndenberg bereits seit vielen Jahren etwas fürs Klima. Dafür ist die Stadt nun ausgezeichnet worden.

Jetzt lesen

Förderung für den EEA eingestellt

  • Einige Bundesländer fördern Kommunen, in denen der EEA durchgeführt wird, und übernehmen die Kosten anteilig. Auch NRW gehörte bisher dazu.
  • Doch seit die Kommunalrichtlinie des Bundesumweltministeriums Anfang des Jahres geändert wurde, haben mehrere Landesregierungen die Förderung auf Landesebene ausgesetzt oder eingestellt.
  • Kommunen, die neu einsteigen möchten, können nun beim Bundesumweltministerium Zuschüsse beantragen. Eine Folgeförderung für Kommunen, die bisher Landesförderung erhalten haben, gibt es nicht.
  • Die nächstgelegenen zertifizierten Städte sind Unna, Arnsberg und Hagen. Schwerte und Bönen nehmen noch am Verfahren, das mehrere Jahre dauert, teil.
Genauer gesagt ist Fröndenberg jetzt „Europäische Klimaschutzkommune“. Das ist eine Auszeichnung im Rahmen des European Energy Award (EEA). Der Award ist ein Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren für kommunale Energieeffizienz und Klimaschutz. Lokale Potenziale sollen dabei erkannt – und die Akteure vor Ort eingebunden werden.

1500 Kommunen in 16 Ländern nehmen am EEA teil

Sowohl die Anstrengungen als auch die Erfolge einer Kommune sind mit dem Zertifizierungssystem neutral mess- und vergleichbar. Mehr als 1500 Kommunen in 16 Ländern nehmen am EEA inzwischen teil. Nach vier Jahren aktiver Teilnahme konnte Fröndenberg jetzt Erfolge vorweisen und wurde entsprechend ausgezeichnet. Darüber freuen sich Bauamtsleiter Martin Kramme, Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe und der Erste Beigeordnete Heinz-Günter Freck.

Schon als er bei der Stadt anfing, hatte Bauamtsleiter Martin Kramme das Ziel, Fröndenberg zur erfolgreichen Teilnahme am Award zu führen, sagt er heute. Zu diesem Zeitpunkt hatte Fröndenberg bereits erste Weichen in Richtung einer positiven Klimabilanz gestellt. Etwa mit dem Blockheizkraftwerk an der Gemeinschaftsgrundschule.

European Energy Award: Fröndenberg ist jetzt europäische Klimaschutzkommune

Auch eine Blühwiese bindet CO2 – und ist Heimat für viele bedrohte Insekten – wie hier in Hohenheide. © Marcel Drawe

Auf dem Weg zur Europäischen Klimaschutzkommune wurde die Ruhrstadt in sechs Handlungsfeldern bewertet. Dazu zählten etwa Energieeffizienz städtischer Gebäude, Ver- und Entsorgung, Mobilität, aber auch der Bereich der Kommunikation und Kooperation von Klimaschutzmaßnahmen.

Externer Prüfer nahm Fröndenberg Ende September unter die Lupe

Ende September prüfte ein Externer der Beratung- und Servicegesellschaft Unna mbH die Bemühungen von Stadt und Stadtwerken. Vor allem im Bereich der kommunalen Gebäude und Anlagen konnte die Ruhrstadt punkten. Durch eine optimale Gebäudebewirtschaftung, die energetische Modernisierung von Gebäuden und die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED konnte der CO2-Ausstoß innerhalb der vergangenen zehn Jahre um 66 Prozent verringert werden.

Jetzt lesen

Im Handlungsfeld Mobilität kam der Stadt die Planung des neues Radwegs zugute, der bereits umgesetzt wird – dessen Streckenführung allerdings in der Kritik von FWG und ADFC steht. „Überraschenderweise“, so Martin Kramme, habe die Stadtverwaltung auch im Handlungsfeld Kommunikation gut abgeschnitten.

Dazu beigetragen habe mit Sicherheit auch die Beteiligung der Fröndenberger an unterschiedlichen Projekten – wie etwa dem Gesamtschulumbau oder dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK). Schülerinnen und Schüler, Bürgerinnen und Bürger konnten Ideen und Kritik in Workshops und Informationsveranstaltungen einbringen.

European Energy Award: Fröndenberg ist jetzt europäische Klimaschutzkommune

Bei großen Baumaßnahmen wie etwa dem Gesamtschulumbau, versucht die Stadt klimafreundlich zu bauen. Seit der Klimanotstand in Fröndenberg ausgerufen ist, sollten Baumaßnahmen aus Sicht der Politik noch strenger in den Blick genommen werden. © UDO HENNES

Über die genannte Bereiche hinaus, trägt Fröndenberg auf verschiedenen Ebenen zum Umwelt- und Klimaschutz bei. Darüber können sich Bürger auch auf der Homepage der Stadt unter www.froendenberg.de informieren. Damit Informationen zum Klimaschutz zukünftig schneller gefunden werden, hebt die Stadt ihre „Klimaoffensive“ neuerdings bereits auf der Startseite hervor.

Blühstreifen, E-Autos und E-Bikes sind kleine Bausteine des Ganzen

Unter anderem hat die Stadt Blühstreifen angelegt, zwei E-Autos als Dienstwagen bestellt, Fahrräder und E-Bikes für einen Verleih an der Touristeninformation angeschafft. Die Straßenbeleuchtung der Stadt wird auf LED-Technik umgestellt. Auch die Flutlichter der Sportanlagen sollen, sobald es gute Angebote gibt, entsprechend verbessert werden. Die Energieberichte der vergangenen Jahre zeigen, dass etwa der Heizenergieverbrauch der Gebäude seit 2010 um fast 50 Prozent stark gesunken ist.

Jetzt lesen

Die Verwaltungsmitarbeiter Stefan Betzinger, Martina Garder-Manz, Stefan Neuhaus, Mateusz Lesniak, Anna Wehrmann sowie Michael Freitag von den Stadtwerken bearbeiten im Rahmen der Teilnahme am EEA einzelne Handlungsfelder. Martin Kramme sowie Reiner Tippkötter von der Energielenker Beratungs GmbH sowie nach Bedarf weitere Rathausmitarbeiter sind beratend für das „Energieteam“ tätig.

Fröndenberg hat im Bewertungsverfahren 53,9 Prozent der Punkte erreicht. Ab 50 Prozent werden Kommunen ausgezeichnet. Das zeigt auch, dass es noch deutlich Luft nach oben gibt. So möchte die Stadt nicht nur die angestoßenen Maßnahmen fortführen. In den Haushalt für 2020 wird nachträglich Geld für einen Klimaschutzkoordinator aufgenommen, der die Klimaoffensive weiterbringt und ein Klimaschutzkonzept entwickeln soll. Außerdem möchte die Stadt einen kleinen Klimawald pflanzen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Vandalismus oder Diebstahl
Vermisst: Der Schilderbaum der Fröndenbergerin Bettina Sattelberger ist weg
Hellweger Anzeiger Breitbandausbau
Das schnelle Netz ist da: 3600 Haushalte in Fröndenberg profitieren von Telekom-Ausbau
Hellweger Anzeiger Innenstadtentwicklung Fröndenberg
Fassadenprogramm: Diese Häuser sind nun aufgehübscht - mit Unterstützung der Stadt