Die Mittzwanziger in Altendorf werden flügge – wollen ihr Nest verlassen, aber tatsächlich auf dem Land bleiben. Klasse für den Fröndenberger Ortsteil, doch Wohnungen gibt‘s nicht und zum Bauen fehlt das Recht.

Fröndenberg

, 25.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

230 Seelen und jede Menge Platz. Doch das Recht zu bauen haben diejenigen, die in Altendorf wohnen möchten, zur Zeit noch nicht. Uwe Kissing ist 56, hat eine 26 Jahre alte Tochter, Nadine. Die junge Frau möchte unbedingt in Altendorf bleiben. Und für ihren Vater, der sein Leben im westlichsten Fröndenberger Stadtteil verbracht hat, ist das nur allzu verständlich. Altendorf ist ruhig und ländlich, aber: Ob Unna, Schwerte oder Fröndenberg – überall sei man in zehn Minuten.

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Am Donnerstag hat sich Uwe Kissing mit Andreas Hennemann getroffen. Tochter Nadine konnte nicht mit dabei sein. Sie hat sich bei einem Autounfall vor wenigen Tagen verletzt. Die Familie Kissing hat dem Leiter der Stadtteilkonferenz West viel zu verdanken. Denn was der Familienvater seit drei Jahren auf eigene Faust versucht, kommt auf Drängen der Bürger im Westen nun endlich ins Rollen. Für Altendorf soll Baurecht geschaffen werden.

Die Menschen werden auch in Altendorf immer älter

Vor kurzem sei Uwe Kissing von einem Bekannten angesprochen worden: „Dein Vater läuft gerade nach Dellwig – darf der das?“ „Lass ihn laufen, der geht zu Rewe“, lautete die knappe Antwort. Denn trotz seiner über 80 Jahre ist der Mann noch fit. So geht es vielen Altendorfern aus Kissings Generation.

Altendorfer kämpfen um ihre Kinder: Der Nachwuchs will das Dorf nicht verlassen

Nadine Kissing ist 26 und möchte unbedingt weiter in Altendorf wohnen. Platz zum Bauen ist da. Doch so einfach ist die Angelegenheit nicht. © Hornung

Die Eltern und Großeltern werden immer älter. Und das ist eigentlich schön. Bedingt im Umkehrschluss aber, dass der Wohnraum für den Nachwuchs knapp wird. Ist die dritte Generation flügge, kann sie nicht einfach die Wohnung der verstorbenen Oma renovieren. Denn Oma wird noch einige Jahre gesund und munter leben.

Uwe Kissing denkt zurück: Wann hat sich in Altendorf zuletzt was getan? An den Bau von stolzen sechs Häusern erinnert sich der 56-Jährige – und das über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Dabei gebe es Platz ohne Ende. Ähnlich wie Kissings, die früher einen kleinen Nebenerwerbsbauernhof hatten, besitzen viele Altendorfer große Grundstücke. „Wenn wir von allem so viel hätten wie Platz...“, sagt Kissing. Wo das Haus seiner Tochter einmal stehen könnte, weiß er schon. Bauen wäre direkt an der Straße möglich, sodass nicht viel Fläche versiegelt werden müsste.

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So wie Nadine Kissing stehe eine ganze Generation junger Nachbarn in den Startlöchern, will zuhause raus, aber im Dorf bleiben. Das habe sich auf der ersten Stadtteilkonferenz West gezeigt, die zum Thema einberufen wurde. Vor allem junge Leute, die so nicht zuletzt ihr Dorf vor dem Aussterben bewahren, kamen.

Das Baurecht ist für Altendorfer die größte Hürde

Die große Hürde, die nun alle gemeinsam nehmen wollen, ist das Baurecht. Für den Ortsteil Altendorf muss als erstes eine Klarstellungssatzung aufgestellt werden. Sie definiert den sogenannten Innen- und Außenbereich eines Ortes, damit in weiteren Schritten Baurecht geschaffen werden kann.

Altendorf sei der einzige Fröndenberger Stadtteil, der bisher noch gar keine Satzung habe, erklärt Hennemann. Selbst in Stentrop gebe es eine Satzung. Und das Palzdorf sei mit 175 Einwohnern noch kleiner als Altendorf, ergänzt Kissing.

Altendorfer kämpfen um ihre Kinder: Der Nachwuchs will das Dorf nicht verlassen

Junge Altendorfer wollen bleiben. Bisher machte ihnen das Baurecht einen Strich durch die Richtung. © Land

Beide machen auch deutlich, dass die Dorfstruktur in Altendorf auf keinen Fall gefährdet werden soll. „Es geht um Eigenbedarf, wir reden da über sechs bis acht Häuser“, sagt Kissing, der die Menschen kennt, die bauen möchten. Auch junge Leute, die notgedrungen fort mussten – zum Gründen einer Familie aber wieder aufs Land wollen.

Wenn die Jungen nicht bleiben, müssen auch die Alten gehen

Wenn die Jungen nicht bleiben oder zurückkehren können, werden auch die Alten irgendwann zum Problem, können ihre Häuser nicht mehr halten, müssen umziehen, in Ortsteile, in denen es barrierefreie kleinen Mietwohnungen gibt, oder schlimmstenfalls ins Heim.

All das ließ die Altendorfer bisher missmutig in die Zukunft blicken – während andere Ortsteile durch Neubausiedlungen gewachsen sind. Davon profitiere auch das Leben im Dorf an sich, vor allem die Vereinslandschaft, kann Andreas Hennemann für Dellwig berichten.

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Die Stadtverwaltung hat jetzt erkannt, dass in Altendorf etwas passieren sollte. Sie stehe den Nachverdichtungsplänen inzwischen wohlgesonnen gegenüber. Von der Politik ist sie als Redaktion auf einen Antrag der Stadtteilkonferenz nun beauftragt worden, eine Ortslagensatzung vorzubereiten – den ersten Schritt eines mehrstufigen Verfahrens zum Baurecht. Zwei Jahre wird es wohl dauern, bis Nadine Kissing ihr privates Bauprojekt in Angriff nehmen kann. Eine lange Zeit, aber aushaltbar, sagt ihr Vater.

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