Freibad Dellwig: Wie die Damenumkleide mit dem Pferdekarren kam

dzFreibäder in Fröndenberg

Frosch in der Badehose? Vor rund 90 Jahren hätte das passieren können. In der ersten Dellwiger Frei-Badeanstalt, dem Vorgänger des Freibads Dellwig, wurde quasi in der Natur gebadet.

Fröndenberg

, 22.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon vor rund 90 Jahren konnten sich Dellwiger in einem Freibad abkühlen. Damals allerdings unter Bedingungen, die sich der Badegast von heute kaum noch vorstellen mag. Auf alle, die sich für die Entwicklung der ersten örtlichen Badeanstalt interessieren, warten im heutigen Freibad nun historische Aufnahmen.

Nachdem in Dellwig zunächst in der Ruhr gebadet wurde, gab es seit dem Jahr 1932 die erste öffentliche Frei-Badeanstalt, berichtet der Heimatkundige Hans Peter Reeske, der die Bilder für die Fotogalerie zusammengetragen hat, die im Freibad nun dauerhaft zu sehen sein wird. Der erste Teil, den Reeske dieses Jahr zeigt, skizziert die Entwicklung des ersten Dellwiger Bads von 1932 bis 1963. Im kommenden Jahr soll dann die Entstehung des heutigen Bads ab 1973 in Bildern aufgehängt werden.

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Während in diesem Sommer nicht nur die Wasserqualität, sondern aufgrund der Corona-Pandemie auch weitere Hygieneregeln strengstens befolgt werden müssen, wurde 1932 quasi im Bach, gefiltert durch ein Kohlebecken, gebadet, erklärt Reeske. Und Hygiene spielte dabei wohl kaum eine Rolle.

Die Initiative für die „Frei-Badeanstalt“, die vor allem dem Schwimmunterricht der Jugend dienen sollte, ergriff der Fröndenberger Lehrer Reichenbach der für den Bau 1931 Arbeitslose zusammentrommelte. Bei der Finanzierung halfen Kreis und umliegende Gemeinden.

Gruppenfoto am Sprungturm: Nach heutigen Maßstäben wäre das Wasser für ein Dreimeterbrett gar nicht tief genug gewesen.

Gruppenfoto am Sprungturm: Nach heutigen Maßstäben wäre das Wasser für ein Dreimeterbrett gar nicht tief genug gewesen. © Privat

In der Anfangszeit hatte die Badeanstalt nicht einmal einen betonierten, sondern nur einen gestampften Boden. Erst nachdem sich herausstellte, dass Tausende Badegäste in Dellwig in die Fluten springen wollten, wurde am Becken nachgearbeitet. Die erste Damenumkleide, eine Holzbaracke, die zuvor am Totenweg stand, wurde von Bauern mit einem Pferdefuhrwerk zum Freibad transportiert.

Keine Dusche, dafür Sprungtürme

Eine Dusche gab es nicht. Dafür gleich drei Sprungtürme mit bis zu drei Metern Höhe, von denen zur feierlichen Eröffnung des Bads ein „echter Olympiasieger“ ins Dellwiger Becken hüpfte, wie Hans Peter Reeske weiß.

In der ersten Frei-Badeanstalt in Dellwig schwammen die Bürgerinnen und Bürger bis in die 60er-Jahre hinein im Wasser des Dellwiger Bachs.

In der ersten Frei-Badeanstalt in Dellwig schwammen die Bürgerinnen und Bürger bis in die 60er-Jahre hinein im Wasser des Dellwiger Bachs. © Privat

Von Geschichten der alten Dellwiger kennt er so manch eine Anekdote über das Bad. Wie etwa die, dass der erste Bademeister angeblich nicht schwimmen konnte. Die Jugendlichen sollen sich einen Spaß daraus gemacht haben, Notsituationen vorzutäuschen.

5 Pfennig zahlten Kinder, 15 Pfennig erwachsene Dellwiger für den Badespaß. Wer nicht aus Dellwig kam, musste für eine Eintrittskarte, hergestellt aus alten Schulheften, 20 Pfennig berappen.

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