Freck statt Focke: Diesmal erspart sich die Ruhrstadt ein weiteres Beigeordneten-Drama

Beigeordnetenwahl

2500 Euro netto kassiert der ehemalige Beigeordnete Jürgen Focke jeden Monat von der Stadt. Einen solchen Versorgungsfall wird sich Fröndenberg nicht leisten, wenn Günter Frecks Amtszeit endet.

Fröndenberg

, 06.04.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 4 min
Freck statt Focke: Diesmal erspart sich die Ruhrstadt ein weiteres Beigeordneten-Drama

Günter Freck bewirbt sich im Mai um eine weitere Amtszeit als Beigeordneter der Stadt Fröndenberg. © Anke Jacobi

Ende September läuft die Amtszeit des jetzigen Beigeordneten Heinz-Günter Freck ab. Schon im Mai wird sich der 57 Jahre alte Verwaltungsdiplomwirt um eine zweite, achtjährige Amtszeit als Beigeordneter der Stadt Fröndenberg bewerben. Das weckt Erinnerungen an die letzte Beigeordneten-Wahl, die heftig in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Als die Politik im Mai 2011 Jürgen Focke als Beigeordneten abwählte, fragten die zahlreichen Bürger, die zur Ratsversammlung gekommen waren, schon nach, ob denn die Abgeordneten bereit seien, bis zu Fockes Rente auf ihre Bezüge zu verzichten. Denn solange dieser keine Stelle im öffentlichen Dienst antritt, bekommt er 2500 Euro netto überwiesen. Eine Gesamtsumme von rund 600.000 Euro stand im Raum.

Freck statt Focke: Diesmal erspart sich die Ruhrstadt ein weiteres Beigeordneten-Drama

Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe gratulierte am 25. Mai 2011 Günter Freck zur Wahl als neuer Beigeordneter. Links im Bild nimmt der gerade abgewählte Jürgen Focke dies erschüttert zur Kenntnis, während der damalige Bauamtsleiter Wolfgang Geiseler verkrampft geradeaus schaut. © Roman Grzelak

Die CDU, die Focke gern behalten hätte und ihn später auch als eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen geschickt hatte, spricht heute noch davon, dass „eine Abwahl nach nur einer Amtsperiode immer die teuerste Lösung ist“, so CDU-Fraktionschef Gerd Grezcka.

Politik hat sich bereits für Freck entschieden

Aber anders als bei seinem Vorgänger Jürgen Focke scheint die Politik Günter Freck keine Steine in den Weg legen zu wollen. Zumindest hat er die beiden großen Fraktionen von CDU und SPD auf seiner Seite und auch die kleineren Fraktionen haben keine Ausschreibung der Stelle gefordert.

Günter Freck selbst hatte sich übrigens 2011 auch abgesichert für den Fall, dass sich im Rat Mehrheiten ändern. „Ich habe auch mit Blick auf die Abwahl meines Vorgängers vor dem Amtsantritt mit der Versorgungskasse gesprochen“, gesteht Freck. Mit dem Ergebnis, das Risiko eingehen zu können.

Auch Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe sicherte sich ab

Es scheint durchaus üblich, dass sich die Mitarbeiter der Verwaltungsspitze absichern für den Fall der Fälle. Auch Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe ließ sich vor der Kommunalwahl 2015 vom Rat einen Freifahrtschein ausstellen. 2012 stimmte der Rat mit ganz knapper Mehrheit dem Antrag Rebbes zu, seine Zeit als Jugendamtsleiter anzuerkennen, um die Mindestdienstzeit als Beamter für das Ruhegehalt zu erreichen. Die 360.000 Euro, die das hätte kosten können, wurden Fröndenberg jedoch erspart, da Rebbe die Kommunalwahl gewann und mit der zweiten Amtsperiode die Dienstzeit ohnehin erfüllt.

Bürgerengagement ist außergewöhnlich hoch in der Ruhrstadt

Günter Freck kann also Pläne schmieden für die nächsten acht Jahre. Seine Hauptziele: „Den Haushalt im Lot behalten, Fröndenberg komplett mit Breitband versorgen und die Innenstadtgestaltung zu beenden“. Und wenn der 57 Jahre alte Beigeordnete von der tollen Mentalität in Fröndenberg, dem großen bürgerschaftlichen Engagement, das sich nicht zuletzt an den vielen Leader-Projekten aus der Ruhrstadt zeige, und dem ausgeprägten Bürgerinteresse an Sachthemen spricht, merkt man, er möchte unbedingt weitermachen.

Beim Samstagsfrühstück einst zufällig auf Stellenausschreibung gestoßen

Gut erinnert sich Freck noch daran, wie er vor siebeneinhalb Jahren eher zufällig an einem Samstagmorgen beim Frühstück auf die Stellenausschreibung für den Beigeordneten-Posten in Fröndenberg stieß. „Ich hatte ja schon den Plan, einmal Beigeordneter zu werden“, sagt er. Bis dato war die Familie vorgegangen. Doch 2012 wagt der damalige Werler Kämmerer es, seinen Hut in den Ring zu werfen. Mit Erfolg. Auch im Rückblick. Denn nicht nur die Unterstützung der Politik ist ihm sicher, sondern er selbst kann auch ehrlich sagen: „Ich bin vorher 30 Jahre lang gern zur Arbeit gegangen, daran hat sich auch mit der neuen Stelle nichts geändert.“

Neue Kreuzungsvereinbarung mit der Bahn nach verhindertem Tunnelbau

Dabei waren es siebeneinhalb „gute, intensive, schnelle und spannende Jahre“, sagt Freck. Und die Chancen, dass dies auch in den nächsten Jahren so bleiben wird, sind groß. Denn viele der Themen, die Freck als Höhepunkte in seiner Amtszeit bezeichnet, wirken noch nach. So zum Beispiel der Kampf um die Verhinderung des Bahntunnels in der Innenstadt. Nachdem der Tunnel nun vom Tisch ist, handelt die Stadt gerade mit der Bahn eine neue Kreuzungsvereinbarung aus. Dabei geht es auch um Anteile an den Planungskosten in sechsstelliger Höhe.

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Nachdem der Tunnelbau in der Innenstadt vom Tisch ist, verhandelt die Stadt gerade mit der Bahn wegen der Rückzahlung bereits investierter Planungskosten in sechsstelliger Höhe. © Archiv

Aufatmen nach dem Ende der Haushaltssicherung, aber: leichter ist es nicht

Immerhin: Fröndenberg kann sich wieder ein wenig leisten. Als die Ruhrstadt 2017 aus der Haushaltssicherung entlassen wurde, hat Günter Freck erst einmal aufgeatmet. Schließlich lagen „hochspannende“ Sicherungsjahre hinter dem Beigeordneten, der als Kämmerer unpopuläre Dinge wie die Anhebung der Grundsteuer vertreten musste. „Nach der Haushaltssicherung ist es nicht etwa leichter geworden. Mangelverwaltung ist einfacher“, schmunzelt Freck mit Blick auf neu erwachte Begehrlichkeiten.

Dicke Investitionen sollen die Stadt voran bringen

Ein Projekt, das sicherlich eine erhebliche Millioneninvestion nötig machen würde, ist zum Beispiel die Verlegung des Rathauses auf den Karl-Wildschütz-Platz. Dies würde nach Ansicht des Beigeordneten jedoch nur Sinn ergeben, wenn das alte Rathaus abgerissen würde, um dort Platz zu machen für einen neuen Feuerwehr-Standort Mitte. „Das Argument der Feuerwehr, dass viele Kameraden dann weitere Wege zum Feuerwehrhaus hätten, greift für mich nicht“, sagt Freck. Denn die Stadt könne die langfristig ausgelegte Standortfrage schließlich nicht von dem heutigen Wohnort von Feuerwehrleuten abhängig machen. Zurzeit laufe gerade eine Machbarkeitsstudie, ob der jetzige Standort am Edeka-Markt zu einem leistungsfähigen Feuerwehrstandort Mitte umgebaut werden kann. Eines steht für Freck jedenfalls fest: Dienstlich umziehen wird er in den acht Jahren bis zur Rente nicht mehr müssen.

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Das Feuerwehrhaus am Harthaer Platz wird gerade untersucht, ob es überhaupt zum leistungsfähigen Feuerwehr-Standort aufgepeppt werden kann. © Borys Sarad

Ausschreibung für den Breitbandausbau zurückziehen

Bis zur Rente möchte Günter Freck aber die Versorgung mit schnellem Internet in ganz Fröndenberg in trockenen Tüchern haben. „Im Moment gehe ich allerdings davon aus, dass wir die Ausschreibung zurückziehen müssen“, so Freck. Bis 2020 die Umsetzung hinzubekommen - das war den Versorgern offensichtlich zu schnell. Nun soll die Förderfrist bis 2023 verlängert werden. „Wir hoffen dann auf mehr Interesse“, so Freck.

Schürenfeld: Generelle Bereitschaft der Grundeigentümer

Von Schnelligkeit kann übrigens auch in Sachen Schürenfeld nicht die Rede sein. Immerhin verkündet Freck, dass mittlerweile die generelle Bereitschaft aller Grundeigentümer gegeben sei, ihr Land zu verkaufen oder zu tauschen. Entgegen aller Unkenrufe gebe es potenzielles Tauschland auch. Aber die Gespräche dauern. „Wir halten die Unkenrufe aber aus. Das wird“, sagt Freck. Muss es auch. Schließlich hat die Stadt ansonsten keine einzige eigene Fläche im Portfolio, die Ansiedlungswilligen angeboten werden kann.

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