Die große Überraschung ist am Ende ausgeblieben. Gut, die meisten hatten wohl eher Stadtverbandschef Torben Böcker auf der Rechnung. Diese Frau aber war die Wunschkandidatin der SPD-Spitze.

Fröndenberg

, 29.11.2019, 12:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Man könnte meinen, in Fröndenberg sei die SPD-Welt noch in Ordnung. Die Stimmung ist gut an diesem Freitagmorgen in der Kettenschmiede: Die Parteiführung strahlt durch die Bank Einigkeit und Geschlossenheit, Gelassenheit und Zuversicht aus. Damit steht die Atmosphäre in völligem Kontrast zu dem, was Sozialdemokraten in Deutschland derzeit sonst so ausstrahlen. Hier herrscht Aufbruchstimmung, keine kollektive Depression.

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Sabina Müller wird’s schon richten. Da ist sich die versammelte Spitze des Fröndenberger Stadtverbandes offenbar einig. Die Fraktionschefin der SPD im Stadtrat – sie ist als designierte Bürgermeisterkandidatin die neue Hoffnungsträgerin der Fröndenberger Sozialdemokraten.

Keine Spur von SPD-Depression: Das ist die Hoffnungsträgerin der Genossen in Fröndenberg

SPD-Stadtverbandschef Torben Böcker (rechts) selbst hatte nach eigenem Bekunden keine Ambitionen, Bürgermeisterkandidat der SPD zu werden. © Alexander Heine

SPD präsentiert Kandidatin Müller ohne Amtsinhaber Rebbe

Dass die CDU mit dem Beigeordneten der Stadtverwaltung, Heinz-Günter Freck, ein echtes Schwergewicht ins Rennen um die Bürgermeisterwahl geschickt hat und dieser auch schon fröhlich Wahlkampf-Grüße verteilt, scheint bei der SPD niemanden sonderlich zu beeindrucken. Und auch, dass der sozialdemokratische Bürgermeister Friedrich Wilhelm Rebbe nicht dabei ist, als seine Partei Müller aufs Schild hebt, will hier niemand als Makel gelten lassen. Alles ist rosarot.

„Als ich zum Vorsitzenden gekürt wurde, hatte ich Sabina Müller eigentlich schon im Blick.“
Torben Böcker, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes

Sabina Müller war offenbar von Anfang an die einzige, die für die Bürgermeisterkandidatur in Frage kam. Nachdem Stadtverbandschef Torben Böcker jedenfalls wochenlang ein Geheimnis um seine eigenen Ambitionen gemacht hatte, sagte er nun völlig offen: „Als ich zum Vorsitzenden gekürt wurde, hatte ich Sabina Müller eigentlich schon im Blick.“ Und die 51-Jährige selbst? Die scheint, ermutigt durch zahlreiche Gespräche, ihren Hut schließlich aktiv selbst in den Ring geworfen zu haben.

Müllers Verwurzelung in Fröndenberg ein Wahlkampfargument?

Dass die sogenannte Findungskommission laut Böcker auch mit einigen weiteren potenziellen Kandidaten Gespräche über eine mögliche Bürgermeisterkandidatur geführt haben will – vermutlich eher vorgeschoben. Zumal auch die Vertreter der Ortsvereine bei der Kandidatenvorstellung allesamt einig sagten, dass Sabina Müller von Anfang an Wunschkandidaten gewesen sei. „Sie bringt alles mit“, sagt Böcker stellvertretend für seine Genossen – und zählt als erstes auf, dass Sabina Müller seit 25 Jahren in Fröndenberg lebt und „in dieser Stadt verwurzelt“ ist. Der designierte CDU-Kandidat Freck ist bekanntlich Werler – und würde das auch im Falle einer erfolgreichen Bürgermeisterwahl bleiben.

Keine Spur von SPD-Depression: Das ist die Hoffnungsträgerin der Genossen in Fröndenberg

„Fröndenberg ist nicht nur ihre Schlafstadt“, sagt SPD-Chef Torben Böcker über Sabina Müller, die zwar gebürtig aus Dortmund kommt, aber seit 1994 in Fröndenberg lebt. © Alexander Heine

Ihre Wurzeln hat Sabina Müller in Dortmund. Dort ist sie 1968 geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur 1987 entschied sie sich zunächst für ein Studium, spricht im Lichte ihrer aktiven Zeit als Volleyballerin in der ersten Liga und der deutschen Nationalmannschaft aber von einer turbulenten Jugend. Sie nahm schließlich eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten auf und arbeitet seit 2008 als selbstständige Buchhalterin. Schon 1994 ist sie mit ihrer großen Liebe nach Fröndenberg gezogen, hat drei Kinder zur Welt gebracht, die inzwischen 17, 17 und 20 Jahre alt sind.

„Herr Freck ist ein guter Kämmerer, aber Bürgermeister ist nochmal eine andere Hausnummer.“
Sabina Müller, designierte Bürgermeisterkandidatin der SPD

Ihre Parteikarriere ist schnell erzählt: 1992 in die SPD eingetreten, 2009 das erste Ratsmandat für die Fröndenberger SPD und im Sommer 2019 dann die Wahl zur Fraktionsvorsitzenden. Dass sie keine Verwaltungsfrau ist, wertet Parteichef Böcker ausdrücklich als Pluspunkt. „Sie folgt nicht eingetretenen Pfaden, sondern hat eigene Ideen.“ Ein Seitenhieb in Richtung Freck, zu dessen Kandidatur sich auch Sabina Müller das erste Mal offiziell äußert: „Herr Freck ist ein guter Kämmerer, aber Bürgermeister ist nochmal eine andere Hausnummer.“ Und trotz des SPD-Parteibuchs in ihrer Tasche nimmt sie genau wie ihr Mitbewerber von der CDU für sich in Anspruch, überparteilich zu sein.

Keine Spur von SPD-Depression: Das ist die Hoffnungsträgerin der Genossen in Fröndenberg

Seit Juni 2018 ist Sabina Müller Vorsitzende der SPD-Fraktion im Fröndenberger Stadtrat – hier im Bild mit ihrem Vorgänger Herbert Ziegenbein (Mitte) und Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe (SPD). © Marcel Drawe

Am Donnerstagabend hat der Vorstand des SPD-Stadtverbandes sich einstimmig für Sabina Müller als designierte Bürgermeisterkandidatin ausgesprochen. Das letzte Wort haben freilich die Mitglieder: Die offizielle Nominierung soll beim Stadtverbandsparteitag am 15. Januar erfolgen. Dann wird es für Sabina Müller auch darauf ankommen, ihre Genossen auf einen leidenschaftlichen Wahlkampf einzustimmen. Aber auch diesbezüglich ist die 51-Jährige zuversichtlich. „Der Zustand des SPD-Bundesverbandes ist die eine Geschichte. Aber in Fröndenberg kennt man uns, man kennt auch die handelnden Personen – und hier sind wir ein Pfund.“

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Trotzdem will die SPD für die Bürgermeisterwahl am 13. September auf die Suche nach Bündnispartnern gehen; dafür haben Böcker und Müller insbesondere Bündnis ‘90/Die Grünen im Blick. Ob die am Ende mitmachen oder einen eigenen Kandidaten aufstellen, ist noch offen – genau wie die B-Frage bei den Freien Wählern (FWG). Immerhin erfüllt Sabina Müller eines der Kernkriterien der FWG: Sie ist Fröndenbergerin. Die FDP hatte sich bereits auf die Seite von CDU-Kandidat Heinz-Günter Freck gestellt.

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