Für sich und andere: Frank Schröer sorgt seit zwei Jahrzehnten für „Kultur für uns“. Dass er sich dabei den Luxus erlaubt, Künstler nach eigenem Gusto auszusuchen, das mache viel Frust wett.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 03.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Verrückt. Nach bürgerlichen Kriterien total verrückt. Wie kann man als Hobby das stressige Organisieren und Durchführen von hochkarätigen Kulturveranstaltungen haben? Frank Schröer legt sich in seiner Freizeit ins Zeug, damit andere sich amüsieren, unterhalten oder weiterbilden. „Ich tue das aber doch auch für mich.“

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Aha. Die gute Seele des inzwischen 40 Jahre alten Vereins „Kultur für uns“ erlaubt sich den Luxus, sich auch Künstler und Bands auszusuchen, ganz oder wenigstens weitgehend nach seinem Gusto. Um sie dann anderen, aber auch sich in der Kulturschmiede zu präsentieren.

Momente, in denen auch ein Schröer hinschmeißen will

Natürlich gibt es Frust. „Wie in jedem Verein, wenn ich vorpresche und mir Arbeit auflade und mich umdrehe und dann ist da keiner hinterhergekommen.“ Dann möchte auch ein Frank Schröer die Brocken schmeißen. Wenn Schröer sich dann bremst, oder von seiner Frau Monika bremsen lässt, bis die anderen aufgeschlossen haben, dann weicht der Frust dem gewohnten Glücksgefühl.

Und der Zufriedenheit. „Das ist dann auch was für meine Seele“, sagt Frank Schröer. Er muss keine langen Argumentationslinien basteln, wenn er sagen soll, warum er um Himmelswillen diese ganze Arbeit im KfU stemmt. Natürlich saugt der 60-Jährige Anerkennung und Achtung aus der Maloche, schöpft ein gutes Stück Wichtigsein ab.

Hautnah an Künstler-Persönlichkeiten

Abgesehen von der Tatsache, ab und an Bands und Künstler nach seinem Geschmack erleben zu können, Künstler-Persönlichkeiten hautnah erleben zu dürfen, abgesehen also von mehr ideellen Werten bekommt Frank Schröer natürlich keinen materiellen Lohn. Das Bierchen am Konzertabend, man möchte gern glauben, dass er das an der Theke auch noch bezahlt.

Frank Schröer ist Mister Kultur: Mit Leidenschaft – und manchmal auch ein wenig Frust

Bei allem Frust und allem Risiko: Wenn die Mikros angehen und er die Künstler ansagt, dann ist Frank Schröer in seinem Element. © Martin Krehl

Und Schröer wäre nicht der Schröer, wenn er nicht seinen Vorstand und etliche Vereinsmitglieder in höchsten Tönen lobt: „Die halten mir weitgehend den Rücken frei, bringen sich mit ihren Ideen und Kompetenzen ein“. Es kommt also doch nicht so oft vor, dass er beim sich Umdrehen niemanden sieht...

„Ach, nein, nur sehr selten wird mir mulmig.“
Frank Schröer

Das Risiko-Gefühl überwiegt dann auch den Frust. Es kann finanziell eigentlich nichts schief gehen, die Kassiererin schließt noch jedes Rechnungsjahr mit einer schwarzen Null ab. Aber wenn Stuhlreihen leer blieben, weil zum Beispiel nicht genug geworben wurde, weil die Plakate oben über Schröers Wohnzimmer zu spät oder auch schon mal gar nicht beklebt und zum Einsatz gekommen sind.

„Ach, nein, nur sehr selten wird mir mulmig“, meint Schröer. Meist ruht er in der Gewissheit, alles Menschenmögliche entweder selbst getan oder verlässlich-vertrauensvoll veranlasst zu haben.

Durch Zufall in den KfU-Vorstand gekommen

Ans Vorstandsamt kam Schröer durch bloßen Zufall. Seiner Frau Monika, der Architektin, zuliebe wurde ein wunderschönes Haus in Fröndenberg gebaut, nicht in Schröers Heimatstadt Köln. Dann wurden die Kinder so groß, dass Monika und Frank Schröder sich mal einen Abend wieder unter die Leute trauten und in der alten Sodenkampschule bei einem KfU-Abend mit einem Kölner Akustik-Gitarrenduo landeten.

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Sie waren die einzigen zahlenden Besucher. Und kamen zum nächsten KfU-Abend wieder. „Das fiel auf, wir wurden angesprochen“, erzählt Frank Schröer von seinen Anfängen bei der KfU. Mit den von ihm vermittelten Wise Guys, der sensationellen Kölner A-capella-Combo, landete der ambitionierte Hobby-Konzert-Manager Schröer den ersten Volltreffer.

Kein Nachfolger für Schröer in Sicht

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Wer ist für Sie eine gute Seele?

  • Im Rampenlicht stehen oder besonders gelobt werden, das will sie nicht – aber sie ist in jedem Verein, jedem Klub und jedem Kränzchen unverzichtbar. Die „gute Seele“ vom Ganzen hält sich eher im Hintergrund, steht aber uneigennützig sofort parat, wenn sie gebraucht wird.
  • Der Hellweger Anzeiger möchte in loser Folge an dieser Stelle über die berühmten „guten Seelen“ berichten. Welche Motivation treibt sie an? Warum opfern sie ihre Freizeit, Kraft und Nervenstärke?
  • Sie setzen Maßstäbe für selten gewordene Tugenden wie Solidarität, Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit. Sie geben oft genug ein Beispiel dafür, wie erfüllend solch ein Dienst sein kann. Wieviel positive Resonanz bekommen Sie zurück?
  • Wer ist Ihre "gute Seele"? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns; Tel. (02303) 20 21 31 oder froendenberg@hellweger-anzeiger.de

Dann ging es Schlag auf Schlag, über zwei Jahrzehnte in der Verantwortung für ein ebenso ansprechendes wie anspruchsvolles Kulturprogramm mit bis zu 12 oder 14 oder noch mehr Veranstaltungen im Jahr liegen hinter ihm. Wann hört er auf? „Gegenfrage, wer macht es denn dann weiter?“ Noch reicht die Kraft, noch reicht die Empathie, noch die Geduld. Die „KfU young generation“ hatte mal ambitioniert Jugendveranstaltungen gemacht, dann ist das aber auch sanft eingeschlafen. Eine nächste Generation nach Schröer ist also derzeit nicht in Sicht.

„Immer neben denselben Leuten zu sitzen, wird schnell langweilig.“
Frank Schröer

„Wichtig ist, dass die Leute extra zu diesem Abend zu uns kommen“, meint Schröer. Es gibt Tickets im Vorverkauf, insofern weiß er oft schon früh, wie gut das nächste Event besucht sein wird. Das beruhigt sehr. Im Abonnement wird es KfU-Karten aber nicht geben: „Immer neben denselben Leuten zu sitzen, wird schnell langweilig.“ Schröer möchte die bewusste Entscheidung für ein spezielles Angebot: „Unser Publikum ist bei jedem Abend anders.“

Schröer leistet auch kulturelle Bildung, darauf ist er zu recht stolz. Das NRW-Jugend-Jazz-Orchester muss nicht in der vergleichsweise winzigen Kulturschmiede spielen. Aber sie tun es und jedes Mal vor ausverkauftem Haus. Nicht nur Liedermacher Stephan Sulke legt seine Diva-Allüren in Fröndenberg schnell ab und genießt die Nähe zum Publikum.

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