Lebensmittelrettung: Zum ersten Mal an der Fairteiler-Box „Yetta“

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Foodsharing – das klingt modern. Aber wie funktioniert das eigentlich? Eher zufällig kam es zum Selbstversuch. Und der hat gezeigt: Foodsharing ist wirklich kein Hexenwerk.

Langschede

, 10.09.2019, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Abend auf der Couch – mit Fußball. Jogis Jungs hauen mich nicht vom Hocker, der Griff geht zum Handy. Im sozialen Netzwerk Facebook lese ich etwas von einem neuen „Fairteiler“. Bei solchen Kunstworten ist die Aufmerksamkeit des Redakteurs garantiert.

Erste registrierte Box in Fröndenberg

Ich lese genauer nach. Der „Fairteiler“ ist eine Box, die engagierte Menschen an der Ardeyer Straße 103 in Langschede aufgestellt haben. Sie hat sogar einen Namen: Yetta. Sie ist bei Foodsharing registriert, als einzige in Fröndenberg.

Nicht dazu gehört hingegen das Angebot des Lädchens auf der Hohenheide. Dort gibt es einen alten Bauernschrank, in dem ebenfalls nicht verkaufte Lebensmittel abgelegt werden. Er dient aber auch als öffentlicher Bücherschrank und erfüllt die Richtlinien von Foodsharing nicht.

Yetta aber ist Teil der Initiative gegen Lebensmittelverschwendung, die es seit 2012 gibt. Gehört habe ich davon schon, jetzt will ich es genau wissen. Kurzerhand beantrage ich eine Mitgliedschaft in der Facebook-Gruppe „Foodsharing Fröndenberg“.

Fairteiler

Das darf in die Box

  • In die Fairteiler-Box dürfen Lebensmittel gelegt werden, die gut erhalten sind und noch verzehrt werden können. Das Mindesthaltbarkeitsdatum darf überschritten werden, das Maximalverbrauchsdatum aber nicht.
  • In die Box gelegt werden darf auch frisches Obst oder Gemüse.
  • Lebensmittel, die gekühlt werden müssen, können nicht eingelagert werden. Künftig soll es aber auch wieder eine Kühlmöglichkeit in der Box geben.
  • Auf keinen Fall darf Tierfutter in die Box.
  • Die Box sollte immer wieder gut verschlossen werden.

Eine Nacht später bin ich Mitglied. Ich lese die Beiträge in der Gruppe und entscheide mich: Das will ich unterstützen. Ich überlege, ob ich Lebensmittel im Haus habe, die ich vielleicht nicht mehr nutze.

Mir fallen zwei Gläser Möhrensalat ein. Sind die eigentlich noch haltbar? Die habe ich vor Ewigkeiten gekauft, essen werde ich die Möhren wohl nicht mehr. Der Blick aufs Etikett zeigt: 31.12.2019 – die Gläser kommen mit.

Eher zufällig fällt mir eine Dose Fertigsuppe in die Hand. Die ist noch ewig haltbar, aber warum habe ich die gekauft? Portugiesische Süßkartofffel-Suppe mit Chorizo und Chili klingt exotisch. Zu exotisch für mich. Ich stelle sie auf den Tisch.

Noch eine Idee: Butterkekse. Ich habe mal einen Doppelpack besorgt, aber nur eine Hälfte gebraucht, um eine „Kalte Schnauze“ zuzubereiten. Einfach so esse ich die Kekse nicht. Die Verpackung ist noch unbeschädigt – ab auf den Tisch.

Lebensmittelrettung: Zum ersten Mal an der Fairteiler-Box „Yetta“

Die Verpackung ist unbeschädigt, also können auch die Butterkekse in die Yetta-Box. © Dirk Becker

Und dann denke ich an meinen Garten. Aus Angst vor einer schlechten Ernte habe ich vier Zucchini-Pflanzen gesetzt. Jetzt wächst das Gemüse reichlich. Ich schneide zwei Zucchini ab. Damit landet auch etwas Gesundes im Warenkorb für Yetta.

Ich packe alles ein, muss heute ohnehin nach Fröndenberg. Die Adresse ist schnell gefunden. Ich parke vor einer Garage – die Besitzerin hat in der Gruppe darum gebeten, den Bürgersteig freizuhalten. Daran halte ich mich.

Lebensmittelrettung: Zum ersten Mal an der Fairteiler-Box „Yetta“

Ein kleiner, aber bunter Mix, über den sich andere Menschen hoffentlich freuen. © Dirk Becker

Da ist Yetta, sie steht neben dem Haus: eine große Kunststoffbox, bei der man den Deckel und zwei Türen öffnen kann. Von 8 bis 20 Uhr ist sie offen, danach wird sie abgeschlossen.

Ich bin erstaunt: Die Box ist ziemlich voll. Neben Petersilie finde ich auch Fisch, Kartoffeln, Knäckebrot, Saft und Konserven. Ich stelle meine Sachen dazu und überlege kurz, ob mich etwas reizt. Meine Wahl fällt auf Knusper-Müsli Joghurt-Honig. Es ist bis Ende Oktober haltbar und wird die nächsten Tage mein Frühstück im Büro.

Lebensmittelrettung: Zum ersten Mal an der Fairteiler-Box „Yetta“

Das Knusper-Müsli wird in den nächsten Tagen zum Büro-Frühstück. © Dirk Becker

Unterstützer

Läden können sich beteiligen

  • Die Fröndenberger Initiatoren sind noch auf der Suche nach Läden, die die Aktion unterstützen. Märkte, die Interesse haben, das Engagement zu fördern, indem sie Lebensmittel zur Verfügung stellen, können eine E-Mail an h.portmann@foodsharing.network schreiben. Dort bekommen sie alle wichtigen Informationen.

Bei Foodsharing geht es nämlich nicht um Bedürftigkeit, sondern um das Retten von Lebensmitteln aus Geschäften und den verantwortungsvollen Umgang damit. Möglichst wenige sollen im Müll landen. Es passt, dass die Foodsharing-Gruppe früher „Lebensmittelrettung Fröndenberg und Umgebung“ hieß.

Ach ja, das Internet. Ich bin fast schon wieder im Auto, als mir einfällt, dass ich doch noch ein Foto für Facebook machen kann. Schließlich sollen die übrigen Gruppenmitglieder sehen, was Yetta derzeit bietet. Und vielleicht fühlen sie sich ja auch von den Zucchini angelockt.

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