Nicht nur in privaten Haushalten, sondern auch im Lebensmittelhandel wird immer noch zu viel weggeworfen. Foodsaver machen auch Geschäftsleute auf das Problem aufmerksam und wollen Überzeugungsarbeit leisten.

Fröndenberg

, 08.01.2020, 12:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Heike Portmann und Holger van de Pol aus Fröndenberg sind Lebensmittelretter. Sogenannte „Foodsaver“ – wie es der Verein nennt, der hinter der Foodsharing-Bewegung steht. Schon vor längerer Zeit hatte Heike Portmann eine lokale Food-Sharing-Gruppe gegründet. Und später wie berichtet den ersten und bisher einzigen „Fairteiler“ in Fröndenberg aufgemacht. Die Yetta, eine öffentlich zugängliche Box, aus der sich jeder bedienen und in die jeder Lebensmittel einstellen kann. Inzwischen hat die Fröndenberger Gruppe den Bezirk Menden übernommen. Mitstreiter werden nun dringend gesucht.

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Beim Aufräumen der Küche fiel Foodsharing-Botschafterin Heike Portmann einst auf, wie viele Lebensmittel sich in den Schränken angesammelt hatten, die noch gut essbar waren, die in ihrem eigenen Haushalt gegenwärtig allerdings nicht gebraucht wurden. Einfach wegschmeißen? Zu schade. Und so hat sie sich der Bewegung der Lebensmitteltauscher und somit auch -retter angeschlossen – in Holger van de Pol einen von inzwischen vier aktiven Mitstreitern in Fröndenberg gefunden.

Foodsharing in Fröndenberg und Menden: Lebensmittelretter gesucht

Heike Portmann und Holger van de Pol engagieren sich dafür, dass Lebensmittel nicht weggeworfen werden. An der Ardeyer Straße 103 kümmert sich die Foodsharing-Botschafterin Heike Portmann um einen Fairteiler. © Hornung

Das Prinzip von Foodsharing ist einfach erklärt. Noch essbare Lebensmittel gehören nicht in den Müll. Dennoch wandert in privaten Haushalten viel zu viel in die Tonne. Der Lebensmittelhandel ist sogar angehalten, Produkte, deren Haltbarkeit abläuft, zu entsorgen. Die Lebensmittelretter sind sich einig, dass das nicht sein muss. Abgeben und fair teilen lautet die Devise.

Fröndenberger haben eine Facebook-Gruppe fürs Food-Sharing

In der Ruhrstadt organisiert sich die Gruppe zum einen im Internet: Zu viel Sushi selbst gemacht, zu viel Aufschnitt für den Neujahrsbrunch gekauft, immer noch Kekse von Weihnachten über, oder Eis, auf das zu dieser Jahreszeit irgendwie keiner zuhause so richtig Lust hat: All das posten die Mitglieder bei Facebook – und meistens findet sich jemand, der sich über die angebotenen Lebensmittel freut.

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Neben dem Internet als Plattform richten Lebensmittelretter auf der ganzen Welt sogenannte Fairteiler ein. Hier kann jeder Lebensmittel einstellen und wieder abholen, die noch gut und nicht schnell verderblich sind. Das Mindesthaltbarkeitsdatum bei Lebensmitteln wie etwa Konserven, Keksen, Tee oder Chips darf dabei durchaus überschritten sein, weil die Lebensmittel in der Regel auch dann noch gut sind.

Foodharing richtet sich anders als die Tafel nicht nur an Bedürftige

Beim Foodsharing geht es nicht um Bedürftigkeit. Die Fairteiler könne jeder Nutzen, sagt Holger van de Pol. „Mich würde es nicht stören, wenn jemand mit Porsche vorfährt.“ Schade wäre nur, wenn ein Nutzer alles mitnimmt und hortet. Die Yetta steht an der Ardeyer Straße 103 und ist immer zugänglich. Lebensmittel sollten zunächst in eine für die Abgabe vorgesehene Box neben der Yetta gelegt werden. So können die Helfer sie gut überprüfen.

Foodsharing in Fröndenberg und Menden: Lebensmittelretter gesucht

Schon zum Jahresbeginn ist die Yetta gut gefüllt. Etwas ist eigentlich immer da, sagt Heike Portmann, die den Fairteiler bereut und regelmäßig kontrolliert. Zur Zeit steht eine Abgabe-Box neben der Yetta. So können die Verantwortlichen die Lebensmittel begutachten, bevor sie sie einsortieren. © Privat

Zusätzlich treten Foodsaver an Geschäfte heran, die mit Lebensmitteln handeln. Dazu zählen neben Supermärkten auch Kioske, Bäcker, Markthändler oder Apotheken, in denen es auch Tee und Bonbons zu kaufen gibt.

Wer offiziell als Foodsaver agiert, vor allem wenn es darum geht, Geschäftsleute mit ins Boot zu holen, muss eine Kurzausbildung absolvieren. „Foodsaver stellen ‚das Gesicht‘ von Foodsharing sowohl gegenüber den Lebensmittelbetrieben als auch gegenüber der Öffentlichkeit insgesamt dar. Deswegen tragen sie Verantwortung dafür, das Foodsharing-Projekt auf professionelle Weise zu repräsentieren“, schreibt der Verein.

Foodsaver müssen im Internet einen Test bestehen

Ein Foodsaver muss sich mit korrektem Namen und Bild auf www.foodsharing.de anmelden. Mit online bereitgestelltem Material kann man sich auf diese offizielle Aufgabe vorbereiten. In einem Quiz wird schließlich abgefragt, ob das Lernmaterial gelesen und verstanden wurde. Anschließend lernen Foodsaver in der Praxis von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen.

Gerade jetzt, seitdem die Fröndenberger Gruppe auch für Menden zuständig ist, werden dringend weitere Foodsaver, Fairteiler-Standorte und kooperierende Betriebe gesucht. Den Fröndenbergern ist es dabei gar nicht wichtig, dass ihr

Fairteiler immer voll ist. Sie wollen, dass keine Lebensmittel weggeworfen werden. Und dafür müssen noch mehr Menschen mitmachen. Wenn Händler wie etwa der Rewe in Langschede oder das Hohenheider Lädchen aus Eigenantrieb im eigenen Haus Lebensmittel abgeben, sei das genauso gut. Hierzu können die Foodsaver Ladenbesitzer beraten.

Foodsharing möchte keine Kokurrenz zur Tafel sein

Die Fröndenberger Foodsaver haben schon bei Bäckereien und Supermärkten angefragt. Bisher mit geringer Resonanz. Bald möchten sie auf dem Wochenmarkt für ihr Anliegen werben. Und auch das Gespräch mit der Tafel, der sie auf gar keinen Fall Konkurrenz machen möchten, sei wichtig. Foodsharing sei sozusagen das letzte Glied in der Kette, nehme nur die Lebensmittel, die bei den Tafeln nicht gebraucht werden.

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Vorteile für Lebensmittelbetriebe

  • Der ethische Umgang mit aussortierten Lebensmitteln sei schon ein Wert für sich.
  • Zudem könnten die Ladenbesitzer Müllkosten sparen.
  • Das Aussortieren der noch genießbaren Lebensmittel ist keine Zusatzaufgabe etwa für das Supermarktpersonal. Foodsaver übernehmen das.
  • Foodsaver nehmen, anders als andere Organisationen, auch Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum, Milchprodukte oder Waren mit beschädigten Verpackungen an.
  • Foodsaver sind flexibel, auch bei unerwartet Ereignissen wie einem Ausfall der Kühlanlagen.
  • Feste Tage für die Abholung kann der Supermarkt bestimmen.
  • Geschäfte verbessern durch die Teilnahme an Foodsharing ihr Image, können die Kooperation mit einem Sticker sichtbar machen, oder als Unterstützer erwähnt werden.
  • Die Lebensmittelabgabe bedeute keine rechtlichen Risiken. Foodsaver stimmen einer Erklärung mit Haftungsausschluss zu. Sie übernehmen die volle Verantwortung für die weitere Verwendung der Waren.
  • Foodsaver verpflichten sich, die Ware nicht weiterzuverkaufen und hygienische Richtlinien bei Lagerung und Transport einzuhalten.
  • Die geretteten Lebensmittel werden an Vereine, Tafeln, Suppenküchen, Freunde, Nachbarn, über das Netzwerk und Fairteiler verschenkt – und auch von den Foodsavern selbst verwertet.
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