Fleischerei Rafalcik schließt Filiale aus Angst vor Marktplatzumbau und Mitarbeitermangel

dzEinzelhandel in Fröndenberg

Sie war 1991 die erste Fleischerei-Filiale von Rafalcik, nun muss der Laden am Marktplatz schließen. Inhaber Christian Rafalcik zählt mehrere Gründe auf, warum er die Entscheidung getroffen hat.

Fröndenberg

, 25.02.2020, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es kommt plötzlich, aber nicht zwingend unerwartet. Die Fleischerei Rafalcik schließt ihre Filiale am Marktplatz zum 1. März, und das endgültig. „Wir bedanken uns für Ihr jahrzehntelanges Vertrauen“, steht auf Plakaten im Schaufenster. „Wir schließen diesen Laden zum 29. Februar.“

Die Entscheidung ist laut Inhaber Christian Rafalcik schmerzhaft, aber nötig. „Es haben mehrere Faktoren mit hineingespielt“, sagt er, gibt jedoch auch zu: „Allerdings schiebe ich diese Entscheidung schon etwas länger vor mir her. Ein paar Jahre schon.“

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Stolz auf 29 Jahre am Marktplatz

Die Filiale am Marktplatz war am 1. März 1991 die erste der Fleischerei. Zu Beginn mit Bäckerei Agne und zum Schluss mit Snack- und Sitzbereich haben die beiden Fleischermeister Horst und sein Sohn Christian Rafalcik die Fleischerei am Markt geführt.

„Ich bin stolz, es 29 Jahre geschafft zu haben“, sagt Christian Rafalcik. „Ich hätte gerne noch weitergemacht, aber die 30 Jahre hätte ich nicht mehr vollmachen können.“

Fachkräftemangel hat auch Fleischerei erwischt

Es wären „1000 Sachen zusammengekommen“, die letztendlich zu der Schließung der Filiale geführt hätte, sagt Rafalcik. Er könne keinem Punkt die ganze Schuld in die Schuhe schieben.

Eine Fleischerei in der heutigen Zeit zu betreiben sei schwierig. Die Konsumgewohnheiten der Menschen hätten sich verändert, aber auch der Fachkräftemangel mache nicht vor Fleischereien nicht Halt.

„Eine langjährige Mitarbeiterin verlässt uns“, sagt Rafalcik. Einen Nachfolger habe er jedoch nicht finden können, aus den anderen Filialen habe er niemanden übrig, den er abziehen könnte. „Das hat mir den letzten Schubs gegeben.“

Die Fleischerei wurde in der Vergangenheit für ihre guten Fleischergesellen ausgezeichnet. Jetzt ist es ausgerechnet Personalmangel, der Christian Rafalcik Sorgen bereitete.

Die Fleischerei wurde in der Vergangenheit für ihre guten Fleischergesellen ausgezeichnet. Jetzt ist es ausgerechnet Personalmangel, der Christian Rafalcik Sorgen bereitete. © Archiv

Angst vor Marktplatzumbau

Der Hauseigentümer wolle zudem das Haus verkaufen. „Das ist für uns eine unsichere Sache.“ Was danach komme, wisse er nicht. Aber auch vor der Baustelle vor seiner Tür habe er Angst gehabt. „Das hätte für mich noch mehr Umsatzeinbußen als eh schon bedeuten können.“

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Die Sache habe ihm viele Sorgen bereitet. Der zu erwartende Rückgang der Einnahmen durch die Baustelle, ebenso die Frage, „ob sich der Marktplatz überhaupt positiv entwickele“, seien zu großen Unsicherheiten geworden. Die Lage am Marktplatz sei ein Topstandort – allerdings „nicht für meine Fleischerei“, sagt Rafalcik enttäuscht. „Die Stadtentwicklung ist derzeit nicht positiv.“

Anderen zwei Filialen bleiben

An den anderen beiden Filialen in Unna und in der Schillerstraße in Fröndenberg will Rafalcik jedoch auf jeden Fall festhalten. Die beiden würden noch immer gut laufen. „Die kann man mit der am Marktplatz nicht vergleichen.“ Auch ein Projekt habe er bereits in Aussicht, kann aber noch nichts Genaueres verraten.

In den letzten Tagen hat die Filiale für ihre Kunden noch mal etwas besonderes vorbereitet. Zum Abschied hält die Fleischerei für jeden Kunden von Donnerstag bis Samstag, 27. bis 29. Februar, eine Überraschung bereit und möchten mit ihnen anstoßen auf das, was war, und das, was kommt.

Mittagstisch kommt nach Hause

Christian Rafalcik hofft, dass seine Kunden ihm treu bleiben und ihn auch in der Filiale in der Schillerstraße besuchen. Auch den Mittagstisch müssten Kunden nicht vermissen, könnten ihn entweder in Westick oder per Lieferung direkt Zuhause genießen.

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