Erst kam der Sturm, dann der Borkenkäfer. Den Fröndenberger Fichten geht es gar nicht gut. Firmen, die das Holz abtransportieren und verarbeiten, sind rar – und es verliert weiter an Wert.

Fröndenberg

, 02.11.2018, 15:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Revierförster Matthias Müller trägt Sorgenfalten auf der Stirn, während er eine der zwei rund drei bis vier Hektar großen Schneisen im Waldgebiet westlich des Golfplatzes Gut Neuenhof betrachtet. Hier hat im Januar das Orkantief Friederike gewütet und ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Der Sturm hat die Fichten getroffen. Einige wurden mitsamt Wurzelteller aus dem feuchten Boden gerissen, andere knickten um wie Streichhölzer. Noch schlimmer hat Friederike etwa im Nachbarort Menden zugeschlagen, in dem es noch wesentlich mehr Fichten gibt. Besonders ärgerlich: Erst im Herbst 2017 sind die Fichtenstreifen in Fröndenberg aufwendig durchforstet worden.

5000 Festmeter Fichte allein im Gebiet Fröndenberg/Haarstrang zerstört

5000 Festmeter Fichte wurden so allein im Gebiet Fröndenberg/Haarstrang zerstört, nennt der Revierförster Zahlen. Der normale nachhaltige Fichteneinschlag pro Jahr beträgt bloß 1500 Festmeter. Zwar waren die Schäden nicht ganz so gravierend wie beim Sturm Kyrill, doch der trockene Sommer brachte weiteres Unheil. Normalerweise entwickeln sich während der Sommermonate zwei Generationen des sogenannten Borkenkäfers, ein Insekt, das Fichten als Wirte befällt. In diesem Jahr waren es aufgrund des trockenen Klimas drei bis vier Generationen.

Schädlinge vermehrten sich so zahlreich, dass sie auch andere Bäume befallen

Die Schädlinge vermehrten sich so rasch und waren so zahlreich, dass sie ungewöhnlicherweise inzwischen auch andere Nadelbäume befallen. Nicht nur die Bestände in Wäldern, auch Fichten in Gärten sind betroffen. „Eigentlich 100 Prozent der Bestände“, erklärt Matthias Müller. Das bedeutet: Überall wo Fichten stehen, sind zumindest einzelne Exemplare befallen.

Normalerweise wehren sich gesunde Fichten gegen den Schädling, indem sie harzen. Doch weil der Sommer so trocken war, konnten sie das nicht. So hatte der Borkenkäfer noch leichteres Spiel. Und vor dem fachkundigen Auge hatte sich „der Lümmel gut versteckt“, wie Matthias Müller erklärt.

Ausmaß der Käferplage wurde erst Mitte August deutlich

Er machte sich auch breit in den bereits durch den Sturm entwurzelten Bäumen, die den Sommer über lebend konserviert werden sollten. Weil die entsprechenden Betriebe kaum Kapazitäten hatten, lag ein großer Teil der Bäume nämlich offenbar viel zu lang. Und der Borkenkäfer, dem ebenfalls heiß war, „versteckte“ sich bei Kontrollen des Försters auf der Unterseite der Stämme. So wurde das Ausmaß der Plage erst im August offensichtlich.

Aktuell lägen in nur einer Schneise in dem Waldgebiet etwa 1000 Festmeter Holz, auf einen Lkw würden rund 30 Festmeter passen, erklärt Müller. Das wären 40 Lkw-Ladungen. Insgesamt rund 2000 Festmeter Fichte, schätzt der Revierförster, wurden zusätzlich zu den Sturmschäden vom Borkenkäfer vernichtet - bis jetzt. 2019 könnten es 30 bis 40 Prozent der aktuellen Flächen sein.

Die weitere Entwicklung ist bislang kaum abzusehen

Es sei kaum abzusehen, wie sich die Fichten weiter entwickeln. Müller lässt den Blick in eine Reihe abgestorbener Fichten schweifen. Vor wenigen Wochen hätten sie noch grüne Nadeln gehabt. Jetzt sind die Spitzen braun. Ein eindeutiges Zeichen: Die Bäume sind tot. Am Stamm erkennt man nicht mehr nur weit oben die Spuren der Spechte, die den Buchdrucker, eine in der Rinde lebende Käferart, fressen. Die Löcher, mit denen sich die Käfer unter die Rinde bohren, übersähen die Bäume von oben bis unten.

Eigentlich müssten diese Fichten sofort abgeholzt werden. Noch hat das Holz eine vernünftige Qualität. Kommt etwa ein weiterer Schädling hinzu, der auch in den Stamm geht, oder verfärbt sich das Holz, verliert es auf dem ohnehin übersättigten Markt weiter an Wert. Doch Forstarbeiter, Maschinen und Holztransporteure werden auch in den Wintermonaten andernorts gut gefragt sein.

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Ab der zweiten Novemberwoche soll der sichtbare Schaden weiter aufgearbeitet werden. Und das über den gesamten Winter hin. Frost wäre ideal, damit die Wege nicht zu matschig sind. An den Sturmschäden und Schädlingsschäden muss zweigleisig gearbeitet werden, erklärt Revierförster Matthias Müller. Jeder könne helfen, das Unglück einzugrenzen, indem als Brennholz für den Ofen Fichte akzeptiert wird. Im Forstbetriebsbezirk Unna soll dieses und gegebenenfalls auch kommendes Jahr nur Fichte als Brennholz verkauft werden. Dabei liege der Preis unter dem Brennholzpreis für Laubholz.
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