Theresa Teichert und Sebastian Schmidt werden von der Standesbeamtin Monika Leukert getraut, Kettenschmied Dagobert Köster und Norbert Muczka vom Förderverein des Kettenschmiedemuseums gehören zu den ersten Gratulanten. © Stefan Milk
Hochzeit in der Kettenschmiede

Faszination Schmiedefeuer: 800 Trauungen in 22 Jahren – mit Video

Am 9.9.1999 begann die unglaubliche Erfolgsgeschichte, die am Samstag mit der 800. Trauung einen weiteren Höhepunkt erreichte: Das Ja-Wort in der Fröndenberger Kettenschmiede ist der Traum für Brautpaare.

Sicherlich kam das Jubiläum für Theresa Teichert und Sebastian Schmidt erst an zweiter Stelle, denn natürlich war der Bund fürs Leben an diesem Samstag wichtiger für die jungen Menschen als Zahlenspielereien.

Auch wenn in der Ansprache der Fröndenberger Standesbeamtin Monika Leukert der Hinweis nicht fehlte, dass bereits 799 Mal hier nach der Bestätigung, dem berühmten „Ja“, gefragt worden wäre, stand doch das persönliche Glück der neu beurkundeten Familie Schmidt, die sich auf einer Kolpingfreizeit kennengelernt hatten, im Vordergrund.

Schließlich warteten mehr als hundert Gäste darauf, nach der Zeremonie gratulierten zu dürfen. Zwar waren vor dem Schmiedefeuer nur 15 Personen erlaubt, aber im Saal der Kulturschmiede verfolgten zahlreiche Verwandte, Freunde und Bekannte das Geschehen live vor der Videowand.

Ein Vogel mit „Sollbruchstellen“

Außerdem warteten vor der Tür die uniformierten Mitglieder des Fröndenberger Schützenbundes, die ihren 1. Geschäftsführer und seine frisch vermählte Gattin mit Spalier und Armbrustschießen, auf einen Vogel mit „Sollbruchstellen“, beglückwünschten.

Bei der 800. Trauung im Westfälischen Kettenschmiedemuseum waren wegen der Corona-Schutzmaßnahmen nur 15 Gäste erlaubt. Mehr als hundert Gästen wartete aber in der Kulturschmiede nebenan oder draußen im Park. © Stefan Milk © Stefan Milk

Während der Gratulationscour waren Organisator Norbert Muczka und Schmied Dagobert Köster bereits dabei, im Museum „klar Schiff“ zu machen. „Wir müssen die Teelichter auswedeln, denn beim Pusten geht uns die Luft aus“, schmunzelte Muczka und hatte nachgerechnet: „Circa 200.000 Kerzen haben wir in den 22 Jahren angezündet.“

Insgesamt 3200 Kilogramm Eisen

800 Hochzeiten bedeuten aber zudem auch 1600 Kettenglieder, die geschmiedet wurden, denn jedes Paar legt persönlich Hand an, schlägt mit dem Hammer auf glühendes Eisen. Bei einem Gewicht von zwei Kilogramm pro Glied kommen so insgesamt 3,2 Tonnen Metall zusammen.

1600 Namen mussten auf das Hochzeitssouvenir geschrieben werden, 800 Mal das Datum, 800 Mal der Ort: Kettenschmiede. Damit die Ehe wird wie die zwei Kettenglieder sind: „Fest verbunden, aber doch für sich beweglich.“

Norbert Muczka nimmt seinen Auftrag sehr ernst, trifft sich schon am Tag vor dem standesamtlichen Termin mit dem Paar, sorgt für das Ambiente, räumt anschließend, wie bereits erwähnt, meist gemeinsam mit Schmied Dagobert Köster, auf: „Auch hier kommt einiges zusammen, ich schätze etwa 3600 Stunden.“ Das wären also rund 133 Tage im Dienst der Ehrenamtlichkeit. Für die Akteure allerdings keine lästige Pflicht: „Es macht uns viel Spaß und wir freuen uns schon auf die nächsten 800 Brautpaare.“

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