Horst Kühn fotografiert Libellen. In der Umgebung der Kiebitzwiese in Fröndenberg hat er bereits viele Arten ausmachen können. Betreten darf der Libellenkundler das Naturschutzgebiet nicht.

Fröndenberg

, 06.11.2018, 15:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nicht grau und nass ist der November bis jetzt, sondern sonnig und recht trocken – das optimale Wetter für Horst Kühns Hobby. Der 51-Jährige macht sich an Tagen wie diesen schon morgens auf den Weg in die Natur. Er schlüpft in seine Spezialstiefel, packt seine Spiegelreflexkamera ein und etwas, um sich Notizen zu machen. Doch das Wichtigste, das er braucht, hat er immer bei sich: sein geschultes Auge. „Ich erkenne schon aus dem Augenwinkel, um welche Art es sich handelt“, sagt Kühn. Seit 2012 fotografiert und kartiert der Mendener Libellen und hat sich in dieser Zeit ein breites Wissen angeeignet. So erzählt der Experte, dass es sich bei Libellen um das älteste Fluginsekt der Welt handelt und dass sie vor circa 320 Millionen Jahren noch einen Meter groß waren. „Seitdem haben sie sich bis auf ihre Größe gar nicht verändert“, so Kühn. Die meisten Libellen seien im Juni und Juli zu beobachten, doch auch jetzt kann man noch die ein oder andere Art entdecken – vor allem wenn die Sonne so scheint wie in diesen Tagen. Die Tiere zeigen sich nur im Sonnenlicht. „Das ist so, als ob man einen Schalter umlegt. Ist die Sonne weg, sind die Libellen weg.“

Farbenfrohe Libellen vor der Linse: In der Ruhraue wächst der Artenreichtum

Winterlibellen wie diese sind selten. Sie haben die längste Lebensdauer. © Kühn

Libellen im Naturschutzgebiet Kiebitzwiese

Nicht selten zieht es Kühn zur Kiebitzwiese in die Fröndenberger Ruhraue. Das Naturschutzgebiet mit seinen vielen unterschiedlichen Lebensräumen müsse ein wahres Paradies für die Insekten sein, sagt Kühn. Das ist jedoch nur eine Vermutung und wird es wohl auch bleiben, denn der Libellenexperte hat keine Genehmigung erhalten, um das Gebiet zu betreten. Laut Kühn weiß niemand so genau, welche Libellenarten sich dort wirklich verbergen, doch es müssten viele sein. Schließlich entdeckt der Libellenexperte allein in der Umgebung des Naturschutzgebietes zahlreiche Arten.

Libellen

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Horst Kühn, Libellenkundler © privat

Wer sich für Libellen interessiert oder mehr über die Insekten erfahren möchte, der erhält auf waldschrat-online.de viele Informationen. Auf dieser Seite hat auch Horst Kühn viel über die Insekten gelernt.

Kühn läuft bei seinen Erkundungstouren an der Ruhr entlang vom Wehr bis zum Kettenschmiedemuseum. Im Jahr 2016 war er das erste Mal in Fröndenberg. Seine Ausbeute bei zwei Besuchen: 290 Tiere, darunter 18 unterschiedliche Arten. Ein besonderer Fund war in diesem Jahr die Winterlibelle, die er an der Kiebitzwiese zum ersten Mal überhaupt beobachten konnte. Sie sei selten, erklärt Kühn. Die Libelle ist die einzige, die überwintern kann, indem sie die niedrigen Temperaturen in einer Kältestarre überdauert. Sie lebt zehn bis elf Monate und hat damit die längste Lebensdauer als ausgewachsene Liebelle. Die Lebensdauer ausgewachsener Tiere beträgt bei den meisten Arten durchschnittlich etwa sechs bis acht Wochen.

Im darauffolgenden Jahr zog es Kühn sechs Mal zur Kiebitzwiese und wieder wurden seine Ausflüge belohnt. Er bekam 634 Libellen zu sehen und 14 unterschiedliche Arten. In diesem Jahr kam er zwölf Mal an die Ruhr und konnte unter den gesichteten 1500 Libellen 23 Arten ausmachen.

Beibeobachtungen statt Spezialbeobachtungen

Falko Prünte von der Biologischen Station Unna/Dortmund ist zuständig für das Naturschutzgebiet Kiebitzwiese in Fröndenberg. Er kann bestätigen, dass der Artenreichtum in dem Gebiet wächst und wächst – auch was die Libellen betrifft. Spezielle Beobachtungen von Libellen unternehme die Station jedoch nicht. Das sei Aufgabe des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Das LANUV führt landesweit Artenmonitorings an bestimmten Standpunkten durch – die Kiebitzwiese gehört für die Libellen laut Prünte nicht dazu. Die Biologische Station führt jedoch alle fünf bis zehn Jahre eine Kartierung durch und beobachtet dabei alle Tiere – allerdings ohne sich dabei auf bestimmte Arten zu spezialisieren. „Bei dem Kiebitz haben wir etwas nachgeholfen. Er ist das Flaggschiff für das Gebiet“, sagt Prünte über den besonderen Artenschutz für die Vogelart.

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Libellen sind wichtig, aber nicht das Ziel

Das Ziel für die Kiebitzwiese sei, einen naturnahen Lebensraum herzustellen und die Dynamik zurückzuholen, die eine Flussaue aufweist. „Die Libellen sind zwar wichtig, stehen in der Pyramide aber weiter unten“, so Prünte. Beibeobachtungen würden dennoch notiert und somit landet auch der ein oder andere Libellenfund in den Biotopkatasterbögen der Biologischen Station. Sie werden ans LANUV geschickt. Durch die verschiedenen Gewässertypen – an der Kiebitzwiese gibt es beispielsweise fließende, flache und tiefe Gewässer – gebe es dort unterschiedliche Lebensräume und die würden eine Vielzahl Libellen anlocken. So haben Prünte und seine Kollegen schon eine Vielzahl an Libellenarten in dem Naturschutzgebiet beobachten können.

Farbenfrohe Libellen vor der Linse: In der Ruhraue wächst der Artenreichtum

Die Große Königslibelle ist wohl eine der bekanntesten Arten. Mit ihrem türkisen Körper ist sie auch für Ungeübte kaum zu übersehen. © Kühn

Wer Geduld hat, entdeckt die schillernden Libellen

Horst Kühn würde gerne einmal die Kiebitzwiese erforschen, doch das ist nicht so einfach. Zuständig für Genehmigungen solcher Art sei die Untere Naturschutzbehörde. „Wer Untersuchungen anstellen will, muss sich eine Befreiung besorgen“, erklärt Prünte. Im Kreis Unna gebe es einen recht strengen Maßstab, aber das sei nicht selten. Der Zweck der Untersuchungen entscheide darüber, ob jemand das Gebiet betreten darf oder nicht. Kühns Kartierungen haben nicht ausgereicht, doch für den Libellenkundler könnte es eine andere Möglichkeit geben, das Gebiet zu erkunden. Die Biologische Station bietet beispielsweise Praktika oder Werkverträge an, die eine Mitarbeit ermöglichen, so Prünte.

Kühn entdeckt immer wieder neue Libellen-Arten

Horst Kühn begeistern Libellen. Sie kommen in unterschiedlichen, teils schillernden Farben und Größen daher – und doch werden sie oft übersehen. „Man braucht ein Auge dafür“, sagt Kühn. Anfangs habe er teils 30 Minuten an Ort und Stelle verharrt, bis er eine Libelle entdeckt habe, die schon die ganze Zeit da war. Das ist nun zwar nicht mehr so und doch findet er immer wieder neue Arten und Motive. Und dann gibt es da noch einen ganz besonderen Wunsch: „Ich habe noch nie eine Libelle im Schnee fotografiert.“

FOTOSTRECKE
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Libellen an der Kiebitzwiese in Fröndenberg

Horst Kühn fotografiert und kartiert in seiner Freizeit Libellen. Auch an der Kiebitzwiese in Fröndenberg hat er schon viele Arten entdeckt. Ständig kommen neue dazu. Kühn betritt für seine Aufnahmen nicht das Naturschutzgebiet, sondern erkundet die Umgebung. Auf der Kiebitzwiese selbst vermutet der Libellen-Experte noch viele weitere Arten.
06.11.2018
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Männliche gebänderte Prachtlibelle© Kühn
Weibliche Westliche Weidenjunger© Kühn
Weibliche Gemeine Winterlibelle © Kühn
Männliche Südliche Mosaikjungfer© Kühn
Männliche Blaugrüne Mosaikjungfer© Kühn
Männliche Herbst-Mosaikjungfer© Kühn
Männliche Große Königslibelle© Kühn
Männliche Feuerlibelle© Kühn
Weiblicher Vierfleck© Kühn
Männlicher Kleiner Blaupfeil© Kühn
Männliche Blauflügel-Prachtlibelle© Kühn
Männlicher Großer Blaupfeil © Kühn
Weiblicher Südlicher Blaupfeil© Kühn
Männliche Blutrote Heidelibelle© Kühn
Männliche Gemeine Heidelibelle© Kühn
Große Heidelibellen bei der Paarung© Kühn
Weibliche Westliche Keiljungfer© Kühn
Männliche Frühe Adonislibelle© Kühn
Große Pechlibellen bei der Paarung© Kühn
Weibliche Kleine Pechlibelle© Kühn
Gemeine Becherlibellen bei der Paarung© Kühn
Hufeisen-Azurjungfern bei der Paarung© Kühn
Männliches Kleines Granatauge© Kühn
Pokaljungfern bei der Paarung© Kühn
Blaue Federjungfern bei der Paarung© Kühn

Das Land NRW lässt das Insektensterben und die Ursachen dafür erforschen. Im Juni 2017 hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) im Auftrag des Umweltministeriums ein repräsentatives landesweites Monitoring der flugfähigen Insekten gestartet. In den nächsten Jahren werden 120 repräsentative Probeflächen systematisch untersucht. Eine landesweite Auswertung liegt nach Abschluss der Monitoring-Untersuchungen im Jahr 2022 vor. Auf dieser Datengrundlage soll eine sachliche Diskussion zu den Ursachen ermöglicht werden. (Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen)
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