Existenzgründer in Fröndenberg handeln gegen den Zeitgeist

dzGewerbe

Wenn kleine Unternehmen wie Pilze aus dem Boden schießen, ist das ein Zeichen für einen angespannten Arbeitsmarkt. In Fröndenberg handeln Existenzgründer derzeit gegen ein altes Gesetz der Wirtschaft.

Fröndenberg

, 23.10.2019, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die wirtschaftlichen Eckdaten in Fröndenberg lesen sich aktuell prächtig. Gibt es eine gute Konjunktur und eine geringe Arbeitslosigkeit, gehen nur wenige Menschen ein eigenes Unternehmerrisiko ein. In der Ruhrstadt läuft‘s derzeit anders.

Zuletzt gab es rund 4300 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Fröndenberg – ein in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegener Wert.

Existenzgründer in Fröndenberg handeln gegen den Zeitgeist

Gero Brandenburg, Sprecher der IHK zu Dortmund. © silvia kriens

»Immer weniger potenzielle Gründer verlassen die Schule.«
Gero Brandenburg, Sprecher der IHK zu Dortmund
Mit 530 Arbeitslosen im September zeigt sich auch der Arbeitsmarkt mehr als stabil. Kurzarbeit wird trotz erster Anzeichen für eine leichte Rezession noch selten von den Unternehmen eingelegt.

Im Widerspruch dazu hat es im ersten Halbjahr einen gehörigen Zuwachs an Betriebsanmeldungen in der Stadt gegeben. Mit 70 neu eingerichteten Gewerben, die also auch nicht aus einer anderen Stadt nach Fröndenberg zugezogen sind, sind die Existenzgründer hier kreisweit mit großem Abstand am aktivsten.

„Fröndenberg entspricht nicht dem Zeitgeist“, sagt Gero Brandenburg, Pressesprecher der IHK zu Dortmund, die die Fröndenberger Zahlen auf Nachfrage genauer studiert hat.

„Das Gründungsgeschehen ist rückläufig und das schon seit Jahren“, weiß Gero Brandenburg – das habe eben mit dem lang anhaltenden Aufschwung zu tun, der an Fröndenberg ja nun mal nicht vorbeigegangen ist.

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„Notgründungen“, die es in wirtschaftlichen schweren Zeiten häufig gebe, seien eben gar nicht notwendig, weil die Leute Arbeit haben. Es komme auch eher selten vor, dass „eine wahnsinnig gute Idee“ zu einer Geschäftseröffnung führe.

Welche Branchen sich hinter den Gewerbeanmeldungen verbergen, lässt sich nur sehr schwer recherchieren. Es ist natürlich auch nicht auszuschließen, dass sich die ein oder andere Pseudo-Anmeldung in der hohen Zahl verbirgt – um zum Beispiel einen begehrten Einkaufsschein für einen Großhandelsmarkt zu erhaschen.

Die IHK jedenfalls stellt einen gegenläufigen Trend bei den Gewerbeanmeldungen fest, was mit einem weiteren Grund neben der Konjunktur zu tun habe.

Zur Sache

Familienunternehmen gehen Nachfolger aus

  • Allein seit dem Jahr 2014 sank die Zahl der Unternehmensgründungen von knapp 70.000 auf unter 60.000 im Jahr 2018.
  • Das Problem wird verschärft durch einen weiteren Effekt des demografischen Wandels: Die Generation der Babyboomer geht in Rente und damit viele Inhaber von Familienunternehmen.
  • Laut einer Studie von IHK NRW suchen in den nächsten zehn Jahren rund 65.000 Familienunternehmen einen Nachfolger.
  • Die meisten der befragten Gründer starten mit relativ wenig Kapital. Mehr als die Hälfte setzte weniger als 5000 Euro ein, knapp 28 Prozent bis zu 25.000 Euro, rund 10,5 Prozent bis zu 100.000 Euro; 9,5 Prozent investierten mehr als 100.000 Euro.
  • Konnten die Gründer aus dem Jahr 2016 nach einem knappen Jahr der Selbstständigkeit zu knapp 55 Prozent mit ihren Einnahmen über die Runden kommen, waren es nun nur noch knapp die Hälfte. Bei knapp 27 Prozent wird dies in spätestens einem halben Jahr der Fall sein (2017: 28,5 Prozent); knapp 22 Prozent sehen noch kein Licht am Ende des Tunnels.

„Immer weniger potenzielle Gründer verlassen die Schule“, spielt Gero Brandenburg auf den demografischen Wandel an. Die IHK sieht das kritisch, weil Gründer für Arbeitsplätze sorgten.

Zur ganzen Wahrheit gehört, dass es im ersten Halbjahr in Fröndenberg auch 51 Geschäftsaufgaben gegeben hat – prozentual ebenfalls der höchste Wert im Kreis.

Bislang gibt es aber noch einen positiven Saldo – der war 2018 noch negativ.

Das Gewerbe-Serviceportal NRW unter www.startercenter.nrw hat den bürokratischen Aufwand bei Gewerbean- und -abmeldungen reduziert. Viele Behördengänge fallen dadurch weg.
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