Stadt Fröndenberg killt Treibhausgase – auch mit dem Umbau einer Straße in der Innenstadt

dzEuropean Energy Award

Den European Energy Award, die Auszeichnung als Klimaschutzkommune, hat die Stadt Fröndenberg erhalten. Wo Treibhausgase gekillt werden, ist nicht immer offensichtlich: Auch der Umbau einer Innenstadt-Straße soll helfen.

Fröndenberg

, 06.09.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass sich Fröndenberg offiziell Europäische Klimaschutzkommune nennen darf, hält die Energie-Agentur NRW für einen wichtigen Imagefaktor. Die Experten sehen die Stadt auf einem guten Weg – sogar beim Umbau einer Straße.

»Auch Kommunen sind in einem Wettbewerb.«
Dr. Joachim Frielingsdorf, Energieagentur NRW

Seit September 2019 bereits darf sich die Stadt die Auszeichnung ans Revers heften. Feierlich übergeben wurde der Preis jetzt in der Stadthalle Soest an Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe und den Beigeordneten Günter Freck.

„Auch Kommunen sind in einem Wettbewerb“, sagt Dr. Joachim Frielingsdorf im Gespräch mit dieser Redaktion. Es sei daher zu begrüßen, wenn Kommunen sich an dem Zertifizierungsverfahren beteiligten. Von rund 100 Städten und Gemeinden hätten bislang 29 den Klimaschutzpreis erlangt.

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Autobahnanschluss in der Nähe reicht nicht mehr

Und warum sieht der Kommunikationschef der Energieagentur den Klimaschutz als Wettbewerbsvorteil? Wollen sich zum Beispiel neue Unternehmen ansiedeln, könnten Städte mittlerweile nicht nur mit einem nah gelegenen Autobahnanschluss punkten, sondern auch mit einem nachhaltigen Klimaschutzkonzept. „Das ist heute gesellschaftsfähig“, so Frielingsdorf.

Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe und Beigeordneter Günter Freck nahmen in der Stadthalle Soest den European Energy Award entgegen.

Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe und Beigeordneter Günter Freck nahmen in der Stadthalle Soest den European Energy Award entgegen. © Energiaagentur NRW/Daniel Schmitt

»Wenn Unternehmen eine Infrastruktur vorfinden, die ihre Energiekosten minimieren, dann sind sie interessierter.«
Dr. Joachim Frielingsdorf

Schließlich rechneten es sich Wirtschaftsunternehmen selbst als Pluspunkt an, wenn sie schonend mit Energieverbrauch umgehen und achteten daher auch darauf, wie bewusst an ihrem Firmensitz mit dem Thema umgegangen wird.

Das habe auch ganz banale monetäre Gründe. „Wenn Unternehmen eine Infrastruktur vorfinden, die ihre Energiekosten minimieren, dann sind sie interessierter“, weiß Frielingsdorf. So sei zum Beispiel Fernwärme statt Erdgas, dort wo möglich, durchaus ein Ansiedelungskriterium.

Klimaschutzsiedlungen locken Neubürger

Nicht anders verhalte es sich für Neubaugebiete. Das Umweltbewusstsein ist inzwischen in vielen Gesellschaftsschichten angekommen. Daher sei die Nachfrage nach Häusern in Klimaschutzsiedlungen besonders groß.

Die sind nicht nur energieeffizient beheizt, verfügen über Solarstrom und Photovoltaik-Anlagen, sondern sind auch mit Carports samt Elektro-Ladesäulen ausgestattet – und verwenden nachhaltiges Baumaterial. Frielingsdorf: „Gerade kleine und mittlere Kommunen können sich damit ein Image aufbauen.“

Fröndenberg konnte im seit 2014 laufenden Qualifizierungsprozess insofern mit vier Leuchtturmprojekten überzeugen:

  • energetische Sanierung der Gesamtschule Fröndenberg, darunter die Verwendung von Kautschukbelag in den Räumen und Fluren
  • „Klimaschutz durch Radverkehr“ mit dem neuen Radweg zwischen der Gesamtschule und Unna
  • Errichtung des Sportparks Ruhr mit LED-Ausstattung des Flutlichts

»Wir sehen noch viel Einsparpotential zum Beispiel beim städtischen Fuhrpark.«
Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe

Hinzu kommt die Umgestaltung der Harthaer Straße. Hiervon verspricht sich die Stadt eine Minderung des CO2-Ausstoßes der Kraftfahrzeuge. Außerdem werden neuartige Technologien im Straßenbau eingesetzt, die positivere Auswirkungen auf das Klima haben sollen als die hergebrachte Asphaltierung.

Auch die Straßenbeleuchtung soll energetisch saniert, die Rad- und Elektro-Infrastruktur verbessert werden.

Nichtstun beim Klimaschutz hat Folgen

„Wir sehen noch viel Einsparpotential zum Beispiel beim städtischen Fuhrpark, die Umstellung auf E-Autos haben wir erfolgreich begonnen“, so Bürgermeister Rebbe, „in Kürze werden wir einen Klimaschutzbeauftragten einstellen. Damit verleihen wir dem Thema Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz noch einmal besonderen Nachdruck.“

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Nichtstun hat nämlich durchaus Folgen für die Klimaschutzpreisträger: Nach drei Jahren verliert man die Auszeichnung, wenn an den Umweltkonzepten nicht weitergearbeitet worden ist.

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