Es lebe das Schinkenschnittchen – kulinarischer Schnadegang durch Hohenheide

dzHeimatpflege

Die Karawane zieht weiter und am Ende hatten alle Durst: 60 Teilnehmer konnten die Hohenheider Heimatfreunde zu einem besonderen Schnadegang begrüßen.

von Martin Krehl

Hohenheide

, 18.11.2018, 12:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man kann um die Zeit auch mit der Zitronenrolle auf dem Sofa liegen und Piratenfilme gucken – einen eiskalten herbstlichen Samstagnachmittag rund um die Herz-Jesu-Kirche wandernd der Heimatgeschichte zu widmen, dazu muss man oder frau schon Hohenheider(in) sein. Dabei waren in dem Pulk erwartungsfroher Menschen auf Hölzers Parkplatz auch zwei Westicker – offenbar Spione, denn „so etwas gibt es bei uns nicht“, bekannte das Ehepaar frierend aber unverfroren.

Zahn der Zeit nagt auch an lieben Traditionen

„So etwas“ ist wirklich einmalig: Natürlich nagt der Zahn der Zeit auch an lieben Traditionen auf der Hohenheide, so mancher Betrieb ist längst nicht mehr da, so mancher Laden hat lange schon geschlossen. Wie überall sonst auch. Aber die Hohenheider Heimatfreunde, allen voran Frank Fälker, Wolfgang Schumacher, Ex-Ortsheimatpfleger und Altbürgermeister Willi Demmer und sein ewiger Azubi in der Ortsheimatpflege, Georg Klein, sorgen nach Kräften dafür, dass nichts vergessen wird von all‘ dem, was es dermaleinst so gab im Dorf. „Und was unser Hohenheide so lebens- und liebenswürdig gemacht hat“, sagt Frank Fälker, „denn das wirkt ja noch bis heute“. Wie man am Samstag sah.

Frank Fälker führte die Kolonne an, erste Station war das Haus von Heinrich Gräbe. Der Senior hatte alte Zeitungen, Fotos, Bezugsscheine und Inflationsgeld hervorgekramt und ausgestellt. Viele erinnerten sich an die Dönekes aus dem alten Spar-Laden Gräbe. Dass 1886 der Schreinermeister Brinckmann dem Schneidermeister Henschen Grund und Boden abkaufte und im Jahr drauf das Haus errichtete, das wussten längst nicht alle Zuhörer, unter ihnen offensichtlich auch etliche neu Hinzugezogene.

Schützenoberst muss das Du anbieten

Echter Hohenheider wird man übrigens erst, „wenn der Schützenoberst einem, das Du anbietet“. Sagt Georg Klein schmunzelnd.

Am Hohenheider Lädchen traf die Wandergruppe Matthias Woldt, der ein bisschen in die Fußstapfen von Bäckermeister Wolfgang Mersmann getreten ist. Woldt wünschte sich nach kurzer Vorstellung Erzählungen aus der Vergangenheit und Wolfgang Mersmann ließ sich nicht lumpen. Was so alles in feuchter Feierlaune nächtens in der Backstube geschah, rief Gelächter auf offener Straße hervor.

Bei Tewes wurde an den Lebensmittelladen Heckmann erinnert, bei Piesch und Hölzer zischen die Hohenheider und ihr Besuch allerdings heute noch ihr kühles Helles. An das Haus Hacheney knüpfen die Hohenheider Hunderte wundervoller Geschichten und Anekdoten – und den Geschmack der berühmten Schinkenschnittchen.

Genau damit überraschte Wanderführer Frank Felker die Truppe, die sich im Casino der Schützenhalle zum fröhlichen Ausklang traf. Das Casino hatte Heike Rellmann ganz wundervoll dekoriert mit alten Museumsstücken, altem Hausrat und allerlei netten Augengefälligkeiten.

Früher gab es eine Vielfalt an Betrieben in Hohenheide

Georg Klein hatte noch eine Liste parat der Betriebe, die 1970 in der Festschrift „75 Jahre Adler Hohenheide“ inserierten. Was es nicht alles gab im Dorf: Franz Heeses Maßschuhe aus Meisterhand, Ruwes Samenhandlung, Heizungsbauer und Stukateure, die Tankstelle von Fritz Dirks, Tischler, Gemüsebauern, Schleifereien und Drehereien. Vieles gibt es nicht mehr, aber die Hohenheide hat offenbar keinen Deut an Lebensqualität verloren.

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