Es geht doch nichts über einen gepflegten Völkermord

dzMord am Hellweg

Unappetitlich, grausam, erschreckend und ganz und gar nicht versöhnlich: Lucas Grimms neuer Thriller ist keine Spur unrealistisch.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 28.10.2018, 11:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sinjar im Irak. Die jesidische Bevölkerung dort erlebt 2014 den Völkermord durch die Schlächter des sogenannten Islamischen Staates. Tausende Frauen werden versklavt, eine von ihnen spielt die Hauptrolle im neuen Thriller von Lucas Grimm. Ihren fiktiven Rachefeldzug gegen die Mörder und Sadisten und der Horror, den der Journalist David Berkoff erlebt, sind das Sujet von „In den Tod“.

Autor Lucas Grimm liest mit Leslie Malton Szenen aus dem Thriller

Autor Lucas Grimm las abwechselnd mit TV-Star Leslie Malton Szenen aus dem Buch, die es den Häppchen von der Kulturschmiede-Theke schwer machten, ruhig im Magen der Zuhörer zu bleiben.

Das Schlimmste waren nicht die detailverliebt geschilderten blutigen Szenen („... mit dem abgebrochenen Champagnerstiel im Magen nach den Handschellenschlüsseln gesucht ...“) oder die sadistischen Exzesse – nein, das Schlimmste an dem Abend aus der Krimi-Festival-Reihe „Mord am Hellweg“ war die Erkenntnis, dass all‘ dies fast genauso heute passieren kann.

Es geht doch nichts über einen gepflegten Völkermord

Kulturausschuss-Vorsitzende Sabina Müller (M.) war die Erste, die sich ihr Buch von Uwe Wilhelm signieren ließ. © Martin Krehl

„Illegaler Waffenhandel ist nicht überall illegal“, Lucas Grimm hat wieder gut recherchiert für seinen zweiten Berkoff-Krimi. Der Berliner stieß auf global mit Gleichmut behandelte Erkenntnisse: „Wo mit Waffen Geld verdient werden kann, wird es getan“. Gegen alle Völkerrechtskonventionen und Friedenspläne, mal verdeckt, mal offen. Handelbares Kriegsgerät trägt deutsche Hersteller-Namen.

Ein Sumpf aus Skrupellosigkeit, Menschenverachtung und Profitgier

Wie schon in „Nach dem Schmerz“ im DDR- und Stasi-Sumpf gräbt Grimms Protagonist Berkoff in „In den Tod“ unglaubliche, aber realistisch mögliche Verstrickungen aus. Skrupellosigkeit, Menschenverachtung, Profitgier – am Ende des schaurigen Abends blieb ein einigermaßen verstörtes Publikum zurück.

Das aber am Bücherstand für Umsatz sorgte, denn die Bücher sind sehr, sehr gut geschrieben. Dass Lucas Grimm viele Jahre ein gefragter Drehbuchautor war, merkt man dem Plot seiner Krimis und den ausgefeilten Dialogen an. Zu schriftstellerischer Höchstform läuft er offenbar auf, wenn ihm nicht so viele reinreden wie bei den Drehbüchern. Seine Krimis schreibt er ganz alleine.

Mit Passagen aus dem Fröndenberger Telefonbuch den Atem verschlagen

„Weil er so gut schreiben kann,“ war die lakonische Antwort von Schauspielerin Leslie Malton („Der große Bellheim“) auf die Frage, wieso sie mit Lucas Grimm auftritt. Und aus seinen schockierenden Büchern rezitiert. Wobei: Leslie Malton würde jedem mit Passagen aus dem Fröndenberger Telefonbuch den Atem verschlagen. Sie spielt die Figuren mit ihrem sanften, warmen, bisweilen aber auch eiskalten Timbre und nimmt die Zuhörer ganz tief mit hinein in die Szenen.

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Malton und Grimm kennen sich aus der Filmbranche, sind viel länger befreundet, als es Lucas Grimm gibt. „Weil meine Bücher in zwei Verlagen erschienen sind, brauchte ich zwei Namen“, schildert Uwe Wilhelm die ganz pragmatische Entstehung seines Pseudonyms Lucas Grimm. Der Nachname ist tatsächlich eine Anlehnung an die berühmtesten deutschen Märchenerzähler ...

Kriege und Massenmorde werden medial oft bewusst verschwiegen

Es sind aber keine Märchen, die der Autor da auftischt. Die Kungelrunden der Waffenschieber gibt es, Folgen menschenverachtenden profitgeilen Überleichengehens gibt es jeden Abend in der Tagesschau. Aber oft auch nicht, oft werden Kriege und Massenmorde medial bewusst verschwiegen, weil’s das konfliktsatte Publikum ja irgendwie auch langweilt – solange Autoren wie Lucas Grimm/Uwe Wilhelm noch nicht final abgestumpfte Journalisten wie David Berkoff im Brei menschlicher Abgründe rühren lassen, solange wird man sich erinnern lassen müssen: „Es geht doch nichts über einen gepflegten Völkermord ...“.

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