Ardey und Strickherdicke werden durch den Heideweg verbunden. Einst auch das Gewerbegebiet Schürenfeld und das Neubaugebiet auf dem Buhrlande? © Marcus Land
Bauland in Fröndenberg

„Es fühlt sich falsch an“: Warum das Unbehagen über ein Baugebiet in Ardey so groß ist

Bald 200 Anwohner wollen Pläne für ein neues Baugebiet in Fröndenberg-Ardey vorerst stoppen. Drei Nachbarn erzählen jetzt von dem Unbehagen, das sie wegen der Vorgeschichte der Planungen haben.

Kerstin und Volker Reinberg sowie Karin Lamfried wohnen in der Siedlung aus den 1960er-Jahren, an die das neue Baugebiet angrenzen soll. Was sie über die bisherigen Planungen wissen, lässt sie zweifeln, ob sie überhaupt noch mit ihren Bedenken gehört werden.

»Die Pflöcke sind doch schon eingeschlagen.«

Volker Reinberg

„Die Pflöcke sind doch schon eingeschlagen“, sagt Volker Reinberg bei einem Spaziergang über den Trampelpfad, der längs der Siedlung und am geplanten Baugebiet vorbei in ein kleines Wäldchen in Ardey führt.

Die kleine Runde mit den drei Nachbarn macht Halt vor der Fläche, die lange als sogenanntes Bauerwartungsland allen Anwohner bekannt gewesen ist. Insofern wussten sie, dass hier, auf der rund 15.000 Quadratmeter großen Fläche, einmal gebaut werden würde; die Nachricht von den Bauplänen habe sie daher auch nicht geschockt.

Um einen unverbaubaren Blick gehe es nicht

Es gehe ihnen eben nicht darum, dass in ein, zwei Jahren ihr unverstellter Blick in die Natur verbaut sein könnte. Damit hätten sie immer rechnen müssen, nachdem sie vor sieben Jahren in die Siedlung längs des Heidewegs gezogen waren.

Die Ardeyer Bürger fühlen sich bei den Vorplanungen für das Bebauungsgebiet „Auf dem Buhrlande“ in Fröndenberg nicht ausreichend einbezogen. Einen Ortstermin sagten nun einige Parteien ab. © Marcus Land © Marcus Land

Was ihnen allerdings sauer aufstoße, sei der Werdegang des Projekts bis zu dem Zeitpunkt vor rund zwei Wochen, als es durch eine Berichterstattung dieser Redaktion öffentlich gemacht worden war.

Reinbergs und Karin Lamfried, die einen Bürgerantrag gestellt hat, die weiteren Planungen vorerst auf Eis zu legen und die Bürger offiziell auf den Stand der Dinge zu bringen, argwöhnen, dass sehr gezielt ein Vorhaben in den Stiel gestoßen worden sein müsse – unter Mitwirkung der Stadt Fröndenberg.

»Diese Verbindung von Wohngebiet hier und Schürenfeld da – das ist doch ein Projekt.«

Karin Lamfried

„Diese Verbindung von Wohngebiet hier und Schürenfeld da – das ist doch ein Projekt“, sagt Karin Lamfried. Lamfried bezieht sich auf Hinweise von Manfred Schröder.

Der Geschäftsführer der Projektträgergesellschaft Pro Dev aus Unna hatte in einem Schreiben an die Fröndenberger Fraktionsvorsitzenden mitgeteilt, dass ihn die Stadt Fröndenberg zum Jahreswechsel 2019/2020 auf das Bauerwartungsland in Ardey hingewiesen habe.

Querverbindung zum Gewerbegebiet Schürenfeld

Außerdem zog Schröder eine Querverbindung zum geplanten Gewerbegebiet Schürenfeld in der Nähe: Es werde „zukünftig Wohnraum für die dann dort tätigen Mitarbeiter der anzusiedelnden Betriebe benötigt“.

Die Stadt Fröndenberg ließ am Freitag eine Anfrage dieser Redaktion, wer zu welchem Zeitpunkt über potenzielle Bauflächen in Fröndenberg von der Verwaltung informiert worden ist, unbeantwortet.

Der Heideweg zwischen der B 233 in Strickherdicke und Ardey: Anwohner am geplanten Neubaugebiet auf dem Buhrlande haben Sorge, dass diese Verbindung zu einer stark frequentierten Straße ausgebaut werden muss. © Marcus Land © Marcus Land

»Es fühlt sich falsch an.«

Kerstin Reinberg

„Es fühlt sich falsch an“, sagt hingegen Kerstin Reinberg. Während sich ihrer Einschätzung nach offenbar die Stadtverwaltung und ein Bauträger schon seit Langem mit Bauabsichten in Ardey beschäftigten, hätten die unmittelbaren Nachbarn bis vor Kurzem keinerlei Informationen darüber erhalten.

Vergrößerung der Baufläche wird befürchtet

Bis Anfang Oktober 2020 hatten zuständige Ämter der Kreisverwaltung in Unna das Bauprojekt schon auf Herz und Nieren überprüft. Beim Studieren des Ergebnisprotokolls, das den Nachbarn vorliegt, stießen sie auf einige Ungereimtheiten, wie sie finden.

Womöglich, so lesen sie es heraus, drohe eine Vergrößerung der Baufläche, wofür ein Stück des angrenzenden Landschaftsschutzgebiet aufgegeben werden müsste. „Das ist etwas, das uns mitnimmt“, sagt Volker Reinberg.

Sie sähen tagtäglich Greifvögel am Himmel fliegen und Rehe über eben jenen Naturpfad ziehen, der zur Erschließungsstraße für das Neubaugebiet werde asphaltiert werden müssen.

Eingriff in Landschaftsschutzgebiet leuchtet nicht ein

Besonders der befürchtete Eingriff in die Natur leuchte ihnen nicht ein. Vor allem eine von den Ämtern ins Spiel gebrachte Ersatzfläche für das womöglich aufzugebende Landschaftsschutzgebiet nicht. „Soll man ein Schild an den Baum nageln: Specht, du musst jetzt woanders brüten?“, fragt Karin Lamfried ironisch.

Besonders skeptisch sehen die drei Nachbarn, die betonen, nur ihre persönlichen Ansichten wiederzugeben und nicht für alle Anwohner sprechen zu wollen, auch die zu erwartende Zunahme des Verkehrs auf dem Heideweg.

»Soll man ein Schild an den Baum nageln: Specht, du musst jetzt woanders brüten?«

Karin Lamfried

Wenn es tatsächlich eine Verbindung zwischen Arbeiten im Gewerbegebiet Schürenfeld und Wohnen auf dem Buhrlande gebe – dann müsse ja vermutlich einst auch die Straße verbreitert und die Zufahrt von der B 233 aus wieder ermöglicht werden, glaubt Karin Reinberg.

Gespräch mit Fraktionsvorsitzenden geplant

Bevor die Pläne in den Stadtrat gehen, wolle man sich weiter informieren, habe schon zwei Zusagen zu einem Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden. Dass die Lokalpolitiker bisher offenbar außen vor waren, versteht Volker Reinberg nicht.

Normalerweise käme die Initiative doch aus dem Rat: Da werde die Verwaltung nach dem Wohnbedarf befragt und von der Politik ein Bebauungsverfahren angestoßen. Hier sei alles anders gelaufen. „Warum läuft das so in Fröndenberg?“, fragt Volker Reinberg und fordert: „Wir wollen, dass uns die Bürgermeisterin mitnimmt. Sonst kommt Missmut auf und Vertrauen schwindet.“

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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