Erzbistum reagiert nun doch auf Rücktritt des kritischen Ruhrstadt-Pfarrers

dzFall Wohlgemuth

Hatte das Erzbistum Paderborn am Montag noch eine Stellungnahme zum Rücktritt des Fröndenberger Pfarrers Norbert Wohlgemuth verweigert, gab es am Mittwochnachmittag doch noch ein Schreiben der Pressestelle.

Fröndenberg

, 31.07.2019, 17:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die öffentliche Aufmerksamkeit nach dem Rücktritt von Pfarrer Norbert Wohlgemuth ist groß. Weltweite Reaktionen erreichen den Ex-Pfarrer, vor dem Pfarrhaus stapeln sich selbst gemalte Bilder und Süßigkeiten. Dieses Aufsehen war am Montag wohl noch nicht abzusehen, als Erzbistums-Pressesprecher Thomas Throenle auf Anfrage des Hellweger Anzeigers noch jegliche Stellungnahme verweigerte.

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Drei Tage später nun die Kehrtwende, wenngleich das Erzbistum Paderborn auch in der nun veröffentlichten Stellungnahme vage bleibt, nicht auf die von Wohlgemuth geäußerte Kritik eingeht. Nur ein Satz findet sich in der von Pressesprecher Benjamin Krysmann verfassten Stellungnahme: Man sei „irritiert über die öffentlichen Aussagen von Norbert Wohlgemuth.“ Warum? Krysmann: „Wenn man Absprachen trifft und eine Seite geht dann einen anderen Weg, kann man schon einmal irritiert sein.“ Viel mehr ist dem Pressesprecher hierzu nicht zu entlocken.

Bedauern, dass Wohlgemuth in Zeiten des Umbruchs Kirche nicht länger unterstützt

In der Stellungnahme schildert Krysmann, dass Erzbischof Hans-Josef Becker ein „persönliches und ausführliches Gespräch“ mit Wohlgemuth geführt habe, in dem dieser mitgeteilt habe, nicht mehr im priesterlichen Dienst tätig sein zu wollen. „Diese Entscheidung hat der Erzbischof akzeptiert“, so Krysmann. Im Anschluss an das Gespräch habe Wohlgemuth noch mit Offizial Weihbischof Dr. Dominicus Meyer OSB und dem Personaldezernenten Monsignore Andreas Kurte über seine Entscheidung und seine persönliche Situation gesprochen. Man bedauere, dass Wohlgemuth nicht mehr als Priester tätig sein wird und als solcher „in diesem wichtigen Dienst die kirchliche Weggemeinschaft gerade in Zeiten des Umbruchs nicht weiter wie bisher begleiten und unterstützen möchte.“

Doch noch ein Lob für den menschennahen und zeitgemäßen Priester

Immerhin gibt es dann doch noch das von Wohlgemuth zuvor vermisste Lob des Erzbistums: „Norbert Wohlgemuth hat als Diakon und Priester im Erzbistum Paderborn menschennah und zeitgemäß die Botschaft des Evangeliums verkündet und mit persönlichem Einsatz seinen Dienst getan“, heißt es in der Stellungnahme. Laut Wohlgemuth hatte das im Gespräch in Paderborn noch anders geklungen. Erzbischof Hans-Josef Becker habe sich beiläufig in einem Nebensatz bei ihm bedankt. Nach fast 30 Jahren bei einem Arbeitgeber hätte Wohlgemuth mehr erwartet.

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In der Stellungnahme betonen die Verantwortlichen im Erzbistum auch, dass Wohlgemuths Ausscheiden seine eigene Entscheidung gewesen sei. Damit entkräften sie ebenso wie Wohlgemuth selbst Gerüchte, wonach das Erzbistum den kritischen Pfarrer womöglich nahegelegt habe, von sich aus zu gehen.

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Unterschiedliche Aussagen zur beantragten geistlichen Auszeit

Eine Diskrepanz gibt es hingegen bezüglich der beantragten Auszeit. „Norbert Wohlgemuth ist eine geistliche Auszeit gewährt worden“, heißt es in der Stellungnahme. Irritierend, hatte der Ex-Pfarrer doch gerade die zurückgezogene Genehmigung kritisiert. Daher schildert Wohlgemuth den Vorgang nun ausführlicher. Er habe die Auszeit beantragt und genehmigt bekommen – zunächst mit einer falschen Jahreszahl. Statt 2020 sei 2019 genehmigt worden. Später habe er eine Genehmigung fürs Folgejahr erhalten. Diese sei dann aber wieder zurückgenommen worden, weil Wohlgemuth es versäumt habe, die Auszeit mit Dechant Paul Mandelkow abzuklären. „Und der hätte sie mir wegen der für 2020 geplanten Umstrukturierung zum Pastoralen Raum nicht gewährt“, erklärt Wohlgemuth. Mandelkow weilt derzeit im Urlaub und kann dies weder dementieren noch bestätigen. Das Erzbistum will auf Details nicht eingehen.

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