Erzbistum Paderborn verweigert Auseinandersetzung mit öffentlich geäußerter Kritik

dzNach Pfarrer-Rücktritt

Nachdem der Fröndenberger Pfarrer Norbert Wohlgemuth aus Kritik an der katholischen Kirche sein Priesteramt niedergelegt hat, will sich das Erzbistum Paderborn nicht zu den erhobenen Vorwürfen äußern.

Fröndenberg

, 30.07.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Pfarrer Norbert Wohlgemuth hat darum gebeten, ihn aus persönlichen Gründen aus dem Amt zu entlassen. Das müssen wir akzeptieren“, sagt Thomas Throenle, Pressesprecher des Erzbistums Paderborn. Entsprechend habe Erzbischof Hans-Josef Becker das Gesuch angenommen. Die von Wohlgemuth geübte Kritik sei Throenle nicht bekannt. Deshalb gebe es dazu keine Stellungnahme. Auch ein Interview lehne der Erzbischof ab.

Entscheidung ohne den Versuch akzeptiert, den Pfarrer umzustimmen

Auf die Frage, warum das Erzbistum angesichts des drückenden Priestermangels nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, den enttäuschten Pfarrer zu halten, verweist der Sprecher auf die von Wohlgemuth „reiflich überlegte Entscheidung“, die man eben so akzeptieren müsse. „Jeder Priester, der geht, ist natürlich ein Verlust“, so Throenle. Das komme zwar selten, aber immer mal wieder vor. Ende des vergangenen Jahres seien im Erzbistum Paderborn 906 Welt- und Ordenspriester verzeichnet gewesen, davon 339 im Ruhestand.

Erzbistum Paderborn verweigert Auseinandersetzung mit öffentlich geäußerter Kritik

Pfarrer Norbert Wohlgemuth hatte am Sonntag bekanntgegeben, dass er auf eigenen Wunsch vom Priesteramt freigestellt wurde. © Udo Hennes


Kritik der Basis will sich Erzbistum nicht stellen

Mindestens um einen Welt- und Ordenspriester muss diese Statistik des Erzbistums nun gekürzt werden. Doch der Kritik der Basis will man sich immer noch nicht stellen. Dabei heißt es auf der Internetseite des Erzbistums unter dem Punkt Öffentlichkeit: „Aktuell, schnell, auf den Punkt, kompetent, freundlich, offen und glaubwürdig: Dies ist unser eigener Anspruch an unsere Medienarbeit und unser Community-Management.“

Verweigerung einer Stellungnahme passt ins Bild

Die Weigerung, sich öffentlich mit der Kritik auseinanderzusetzen, passt ins Bild, das der am 29. Juli ausgeschiedene Fröndenberger Pfarrer von der Kirchenspitze zeichnet. „Haben wir von Jesus nicht den Auftrag erhalten, eine neue Art der Ausübung von Macht zu praktizieren? Ist es nicht an der Zeit, Überheblichkeit, Arroganz, Klerikalismus, Priesterfixierung, Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit abzulegen?“, hatte Norbert Wohlgemuth in seiner Stellungnahme zu seiner Amtsniederlegung gefragt. Und er hatte bezweifelt, dass der Umgang der offiziellen Kirche mit Suchenden, Zweifelnden, Gescheiterten, Frauen und Andersgläubigen im Sinne Jesu sei. Vielleicht auch deshalb blieb Wohlgemuths Gespräch mit dem Erzbischof kurz. „Ich habe gespürt, dass ich in den Augen der Oberen kein guter Priester bin. Ich sehe und möchte Vieles in der Kirche anders, als es die Hierarchen wünschen“, hatte Wohlgemuth danach erklärt.

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