Erzbistum nach Gespräch in Fröndenberg: „Lebenswirklichkeit stärker in den Blick nehmen“

dzPfarrer-Rücktritt

Das Erzbistum Paderborn wirbt einen Tag nach einem Gespräch seines Personaldezernenten mit Gläubigen in Fröndenberg um „Vertrauen und Geduld“. Aber auch kritische Stimmen zum Wohlgemuth-Rücktritt müsse man beachten.

Fröndenberg

, 15.08.2019, 14:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Personaldezernent Monsignore Andreas Kurte bestätigte, wie zuvor bereits Karin Schmidt von der Fröndenberger kfd, die gute Gesprächsatmosphäre im Pfarrzentrum St. Marien am Mittwochabend.

Das Mitglied der Bistumsleitung hatte sich dort den Fragen der Gläubigen nach dem Rückzug Norbert Wohlgemuths gestellt.

Auf eine erste Stellungnahme direkt nach dem Gespräch folgte am Donnerstag eine ausführliche Pressemitteilung des Erzbistums.

„Es war ein intensiver Austausch in einem insgesamt guten Ton, bei dem die Anwesenden kritisch ihre Sorge um die Kirche zum Ausdruck gebracht haben“, wird Kurte darin zitiert.

»Was wir in unserem Erzbistum tun können, sollten wir angehen.«
Monsignore Andreas Kurte, Personaldezernent Erzbistum Paderborn

Es gebe zu den „nicht immer einfachen Themen“ wie dem Zölibat, der Rolle der Frau in der katholischen Kirche oder dem Umgang mit Macht natürlich „verschiedene Ansichten und kontroverse Meinungen“.

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Nicht jede Forderung könne sogleich umgesetzt werden, die Bistumsleitung wolle aber hinhören und sich den aktuellen Fragen und Sorgen der Menschen stellen.

Andreas Kurte: „Was wir in unserem Erzbistum tun können, sollten wir angehen.“

Die kfd St. Marien hatte etwa auf tragende Positionen von Frauen im Bistum Osnabrück, zum Beispiel als Pfarrverwalterinnen, hingewiesen.

Erzbistum nach Gespräch in Fröndenberg: „Lebenswirklichkeit stärker in den Blick nehmen“

Thomas Wendland, Beschwerde- und Konfliktmanager des Erzbistums Paderborn, hatte sich bereits am vergangenen Sonntag bei der Demonstration der kfd St. Marien ein Bild von der Stimmungslage in Fröndenberg gemacht. © Marcel Drawe

Viele Ideen zur Gestaltung des kirchlichen Lebens vor Ort würden auch im Erzbistum Paderborn auf ihre Praxistauglichkeit hin geprüft.

Realistisch seien etwa der Auf- und Ausbau von Laienberufen, also Gemeinde- oder Pastoralreferenten, das Erproben alternativer Gemeindeleitungsmodelle, ein stärkeres Ehrenamt oder ein hauptamtliches Diakonat.

Verwaltungsleiterinnen und -leiter könnten verstärkt Seelsorgerinnen und Seelsorgern neue Freiräume bei ihrer Arbeit schaffen.

Zur Sache

Pastoraler Raum macht sich 2020 auf den Weg

  • Unabhängig vom Rücktritt Norbert Wohlgemuths werden sich im kommenden Jahr wie geplant die Pfarrei St. Katharina Unna, der Pastoralverbund Holzwickede-Opherdicke und der Pastoralverbund Fröndenberg auf den Weg machen, einen neuen Pastoralen Raum zu bilden.
  • Dieser wird von Pfarrer Paul Mandelkow geleitet.
  • Das Konzept sieht vor, dass in Fröndenberg ein Priester verbleiben und das Pfarrhaus beziehen wird.

Pressesprecher Benjamin Krysmann betonte im Gespräch mit der Redaktion, dass es kein Geheimnis sei, dass es in Paderborn liberale, aber auch sehr konservative Kräfte gebe, die der Erzbischof gleichermaßen berücksichtigen müsse.

Thomas Wendland, Konflikt- und Beschwerdemanager des Erzbistums, wies darauf hin, dass er nach dem Rücktritt Norbert Wohlgemuths auch aus Fröndenberg Rückmeldungen erhalten habe, „die sehr verschieden ausfielen“.

Die unterschiedlichen Eindrücke müssten berücksichtigt werden. Nahezu alle seien sich aber darin einig, dass eine starke kirchliche Gemeinschaft in Zukunft verstärkt die Lebenswirklichkeit der Menschen in den Blick zu nehmen habe.

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