Erst Graffiti und Taubenkot, dann Corona-Quarantäne: Nun endlich ist Engelbert umgezogen

dzRückzug aus dem Bermudadreieck

Nachdem es Graf Engelbert III. am Rande des Bochumer Feier-Viertels Bermudadreieck im wahrsten Wortsinn zu bunt wurde, ist die Bronze-Figur nun an einen würdigeren Ort versetzt worden.

Fröndenberg

, 08.07.2020, 17:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von 1346 bis 1391 regierte Graf Engelbert III. die Grafschaft Mark und somit weite Teile Westfalens. In der Fröndenberger Stiftskirche fand er seine letzte Ruhe. Jährlich erinnert der Besuch der Maiabendgesellschaft, eines Traditionsvereins aus Bochum, an die Geschichte des Grafen.

Im Bochumer Bermudadreieck, dem Kneipen- und Vergnügungsviertel der Stadt im Ruhrgebiet, fristete der Graf in Form einer Bronze-Statue des Essener Bildhauers Ferdinand Spindel zuletzt ein unbeachtetes Dasein zwischen zahlreichen feiernden Gästen und Einheimischen der Stadt.

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Das mochte die Maiabendgesellschaft nicht länger mit ansehen, hatte sich bereits vor längerer Zeit dafür eingesetzt, dass der Graf an einem schöneren Plätzchen unterkommt. Nachdem sie zuletzt ein halbes Jahr ganz verschwunden war, ist die Bronze-Statue nun wieder in Bochum angekommen, wie die Bochumer Stadtverwaltung mitteilt.

Verbindung zu Fröndenberg

  • Nach seinem Tod am 31. Dezember 1391 wurde der Leichnam des Grafen Engelbert III. von der Mark nach Fröndenberg überführt und der Überlieferung nach in der dortigen Kirche des Zisterzienserinnenklosters am 27. Dezember beigesetzt, so Stadtarchivar Jochen von Nathusius.
  • Vor ihm waren bereits sein Urgroßvater Eberhard II., sein Großvater Engelbert II. und sein Vater Adolf II. in Fröndenberg beigesetzt worden.
  • Neben Ururgroßonkel Otto Graf von Altena sollen die regierenden Grafen den Kirchbau des Klosters in Fröndenberg vorangetrieben und vollendet haben.
  • Im Fröndenberger Marienaltar könnte Zedernholz verbaut sein, das Engelbert und sein Gefolge aus dem Vorderen Orient mitbrachten.

Am 4. Juli enthüllte Oberbürgermeister Thomas Eiskirch die Statue an ihrem neuen Standort vor der Propsteikirche. Damit, dass 150 Menschen kamen, um Graf Engelbert III. ihre Ehre zu erweisen, rechnete der Oberbürgermeister nicht.

„Die Statue war zuvor in einer Duisburger Werkstatt restauriert und verschönert worden“, schreibt die Stadt Bochum. Eigentlich sollte sie bereits Mitte März am neuen Standort aufgestellt werden, doch das Coronavirus habe auch diesen Plan durchkreuzt. „Das winzige Virus zwang auch den kampferprobten Grafen gewissermaßen in Quarantäne und statt seinen neuen Standort zu beziehen, war er zum Ausharren in Duisburg verdammt“, heißt es aus Bochum.

HINTERGRUND DES MAIABENDFESTES

  • Nach Informationen des Stadtarchivars Jochen von Nathusius galt Graf Engelbert III. bereits in seiner Zeit als der im Laufe seiner Regierungsjahre mächtigste aber auch streitbarste seiner Familie.
  • Er soll keiner Fehde aus dem Weg gegangen sein, um seinen Herrschaftsbesitz zu vergrößern.
  • Vergeblich versuchte Graf Engelbert III. allerdings die Reichsstadt Dortmund einzunehmen.
  • Während der Dortmunder Fehde soll dem Grafen eine Herde Vieh geraubt worden sein, die ihm Bochumer Junggesellen zurückbrachten. Graf Engelbert III. erlaubte ihnen daraufhin, das Holz der Eiche aus seinen Wäldern zu Geld zu machen und davon ein Fest zu feiern. Der Ursprung des Bochumer Maiabendfestes.

Im Jahr 1910 wurde in Bochum, finanziert vom Bürgerschützenverein, das erste Engelbert-Denkmal inklusive Brunnen eingeweiht. Zur Produktion von Munition wurde es im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Die Maiabendgesellschaft, die sich nach dem Krieg als Nachfolger des Bochumer Bürgerschützenvereins gründete, sollte sich nicht nur um das Fest, sondern auch um ein neues Denkmal kümmern.

Das neue Denkmal wurde im Jahr 1964 eingeweiht. Die Figur entspreche einer nach zu dieser Zeit modernen Prinzipien gestalteten Vorstellung eines mittelalterlichen Grafen, der nicht nur den Stifter des Bochumer Maiabendfests, sondern auch dessen Großvater, den Stadtgründer, symbolisieren sollte, erklärt die Stadt Bochum. Jahrzehntelang traf man sich am Engelbertbrunnen im Bermudadreieck, bis der Platz umgestellt, Engelbert in die Ecke gedrängt wurde. Nun befindet er sich im ursprünglichen Kern der Stadt.

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