Auch in diesem Jahr befürchtete die Stadt zum Schulanfang chaotische Zustände. Das Ordnungsamt knöpfte sich Verkehrssünder rund um das Schulzentrum vor. Nicht für alle blieb das ohne Folgen.

Fröndenberg

, 28.08.2019, 14:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Rund um die Gemeinschaftsgrundschule in Fröndenberg war es am Mittwoch gegen 7.20 Uhr noch ziemlich ruhig. Wenige Minuten später brach dort das (inzwischen gewohnte) Chaos herein. Gemeint ist der elterliche Bringdienst, der zum Schulanfang durchaus etwas ausschweifender ist als sonst.

Jetzt lesen

Viele Eltern rangieren hektisch mit ihrem Auto umher, auf der Suche nach dem geeigneten Parkplatz, um dann, sofort nachdem der Motor nicht mehr brummt, katzenhaft zur hinteren Autotür zu springen und das Kind samt überdimensionalem Schulranzen aus dem Auto zu holen.

Ordnungsbeamtin rund ums Schulzentrum im Einsatz

Wer keinen guten Parkplatz bekommt, der stellt sich auch gerne mal ins Halteverbot oder auf die Busspur, wo etwa im Fünfminutentakt die Schulbusse Halt machen. Dieses Verhalten der Eltern ruft seit einiger Zeit das Ordnungsamt auf den Plan.

Vorsorglich war am Mittwoch eine Ordnungsbeamtin rund um das Schulzentrum im Einsatz. Wer sich über ihre mündlichen Verwarnungen hinwegsetzte, der bekam ein Knöllchen verpasst.

Gefahr Eltern-Taxis: Ordnungsamt knöpft sich zum Schulstart elterlichen Bringdienst vor

Gegen 7.20 Uhr war die Busspur noch frei. Wenige Minuten später hielten dort einige Eltern-Taxis. Und das obwohl etwa im Fünfminutentakt ein Schulbus angerollt kam. © Carlo Czichowski

Ordnungshüter haben die Lage entschärft

Im Gespräch mit zwei Müttern und einem Vater, die sich allerdings nur anonym zu der chaotischen Situation vor dem Schulgebäude äußern wollten, wird klar, dass sich die Situation in den vergangenen zwei bis drei Jahren durchaus verbessert hat. Ein Grund dafür sei die Präsenz des Ordnungsamtes, das inzwischen zu jedem Schulstart an den Gefahrenstellen unterwegs ist.

„Eine richtige Katastrophe“

„Vor ein paar Jahren war es hier ganz schlimm, eine richtige Katastrophe“, sagt eine der Mütter, die ihr Kind in kurz vor dem zweiten Klingeln um kurz nach 8 Uhr buchstäblich in letzter Minute ins Schulgebäude gebracht hat. „Ich habe letztes Jahr ein Knöllchen bekommen“, erklärt sie frustriert.

Denn was in der Umgebung der Gemeinschaftsgrundschule fehle, seien genügend Parkplätze. „Normalerweise fährt mein Kind mit dem Bus. Am ersten Schultag bringe ich es aber gerne mit dem Auto vorbei. Da gibt es für die Schüler immer etwas mehr zu schleppen“, erzählt sie.

Gefahr Eltern-Taxis: Ordnungsamt knöpft sich zum Schulstart elterlichen Bringdienst vor

Rückwärts einparken auf dem Seitenstreifen: An die Verbotsschilder halten sich bei Weitem nicht alle Eltern-Taxis. © Carlo Czichowski

„War immer chaotisch“

Ein Familienvater, der vom Ordnungsamt noch kurz vor Schulbeginn aus dem Halteverbot förmlich „weggemahnt“ wurde, pflichtet ihr bei: „Die Situation war in den vergangenen Jahren immer chaotisch, da durfte man aber noch in einer Seitenstraße parken“, behauptet er und deutet auf die Mauritiusstraße. Dadurch sei die Parkplatzlage deutlich besser gewesen als in diesem Jahr.

An der schmalen Straße herrscht allerdings Halteverbot. Parkende Fahrzeuge würden dort ansonsten den Weg für Rettungsfahrzeuge blockieren, oder für die Müllabfuhr, die sich übrigens am Mittwoch um 8.20 Uhr (rund zehn Minuten nach dem Schulstart) ihren Weg über die Friedhofstraße und Umgebung „kämpfte“.

Eltern-Taxis

Die Sorge um das Kind

  • Mittlerweile ist durch zahlreiche Studien nachgewiesen, dass die tägliche Bewältigung des Schulwegs zu Fuß eine Reihe von positiven Effekten auf die kindliche Entwicklung hat. Dazu zählen, so teilt der ADAC in einem Bericht mit, eine höhere Konzentrationsfähigkeit im Unterricht, eine gesteigerte körperliche Fitness und bei gemeinsamer Bewältigung des Schulwegs mit anderen Kindern – die Verbesserung des Sozialverhaltens.
  • Hinzu kommt, dass Kinder dadurch frühzeitiger ein Bewusstsein für Gefahrensituationen im Straßenverkehr entwickeln und in die Lage versetzt werden, ein räumliches Bild („geistige Landkarte“) der eigenen Stadt bzw. des eigenen Schulwegs zu entwerfen.

Nur ein Vorgeschmack auf Donnerstag

Aller Kritik zum Trotz war der erste Schultag für das Ordnungsamt insgesamt erfolgreich, auch wenn es bisher nur der Vorgeschmack auf das war, was man im Bereich des Schulzentrums am Donnerstag erwarten könnte. „Morgen wird es nochmal spannend“, erklärt Ordnungsamtsleiter Christoph Börger.

„Geht nicht darum, zehn Euro zu kassieren“

Die Verkehrssituation könnte nach seiner Auffassung am ersten Schultag der Erst- und Fünftklässler noch deutlich schlimmer werden. Daher werden am Donnerstag dann zwei Ordnungsbeamte im Einsatz sein. „Es geht nicht darum, zehn Euro zu kassieren“, betont er. „Wir möchten die Bürger lediglich für die Gefahrenstellen sensibilisieren, und auch darauf, was ihr Verhalten für Auswirkungen haben kann“, so Börger weiter.

Sicherheit der Schulkinder gewährleisten

Bei den besagten Stellen handele es sich um Rettungswege, so auch die Mauritiusstraße: „Wenn der Müllwagen da nicht mehr durch kommt, ist das für die Müllabfuhr ärgerlich, weil sie dann warten muss. Gravierender wird es, wenn mal ein Feuerwehr- oder Rettungswagen kommt.“ Dabei gehe es eben auch darum, die Sicherheit der Schulkinder zu gewährleisten. Umso mehr sehe das Ordnungsamt die Notwendigkeit, an solchen Tagen selbst vor Ort zu sein.

In den meisten Fällen auf Bußgelder verzichtet

Nach Börgers Angaben habe die Kollegin durchaus kulant gehandelt. Sie setzte vor allem auf mündliche Ermahnungen und brachte die Fahrer der Eltern-Taxis in den meisten Fällen zur Einsicht. Auf Bußgelder haben man in den meisten Fällen verzichtet.

Am Mittwoch insgesamt drei Knöllchen verteilt

Am Mittwoch fanden insgesamt drei Falschparker ein Knöllchen zwischen Frontscheibe und Scheibenwischern vor. Ob das am Donnerstag auch so sein wird, bleibt abzuwarten.

Dass das Ordnungsamt auch im kommenden Jahr wieder ans Schulzentrum rausrücken wird, dürfte durch die Erfahrungen am Mittwoch unterdessen nicht gerade unwahrscheinlicher geworden sein. Auch wenn das Ordnungsamt die Hoffnung nicht aufgibt, dass sich irgendwann alle an die Regeln halten.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Kinder- und Jugendarbeit

Pfarrer aus Fröndenberg und Holzwickede schreiben Bittbrief an Politiker in Unna

Hellweger Anzeiger Erfahrungsbericht zum Welt-Alzheimertag

Per Notlüge durch den Alltag: Leben mit demenziell veränderten Menschen

Hellweger Anzeiger Glosse

Pornostar auf der Fliegenschisskirmes: Erwachsene vergessen im Netz ihre gute Kinderstube

Hellweger Anzeiger Schulfest der GSF

50 Jahre Gesamtschule Fröndenberg: Wie aus sechs Schülern sechs Lehrer an der GSF wurden

Meistgelesen