Elf Jahre Moderator, Vermittler und Verwaltungschef: Abschied von Friedrich-Wilhelm Rebbe

dzBürgermeister in Fröndenberg

Zur Kommunalwahl ist Friedrich-Wilhelm Rebbe nicht mehr angetreten. Wenn seine Nachfolgerin Sabina Müller am Montag ihren Dienst im Rathaus beginnt, tritt sie ein Erbe an, das sich sehen lassen kann.

Fröndenberg

, 30.10.2020, 17:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Jahr 2009 war für Fröndenbergs langjährigen Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe eines voller Schicksals-Schläge, aber auch wichtiger Entscheidungen: Der damals 54-Jährige verlor seinen Bruder und seine Ehefrau nach schwerer Krankheit. Im August wurde er zum neuen Bürgermeister der Stadt Fröndenberg gewählt. Am 30. Oktober 2009 trat Rebbe das Amt an, aus dem er jetzt ausscheidet.

Die Eröffnung des Marktplatzes nutzte Friedrich-Wilhelm Rebbe, um sich öffentlich als Bürgermeister der Stadt Fröndenberg zu verabschieden.

Die Eröffnung des Marktplatzes nutzte Friedrich-Wilhelm Rebbe, um sich öffentlich als Bürgermeister der Stadt Fröndenberg zu verabschieden. © Marcel Drawe

„Mit der Kommunalwahl 2009 ist Bewegung in das politische Leben unserer Stadt gekommen. Wir befinden uns im Spannungsfeld zwischen Veränderung und Bewahren. Wir müssen uns dem Abschied wie dem Neuanfang stellen“, sagte Friedrich-Wilhelm Rebbe vor rund zehn Jahren – zunächst mit Blick auf 2010.

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Damals war die instabile Finanzlage der Stadt großes Thema: In seiner ersten Neujahrsansprache musste der frisch gewählte Bürgermeister ganz unpopulär einen strikten Sparkurs ankündigen, erkannte gleichzeitig aber auch das Potenzial, das vor allem in den Bürgerinnen und Bürgern der Ruhrstadt steckt: „Ideen, Kreativität und Solidarität“ der Menschen lobte das neue Stadtoberhaupt ausdrücklich. Bei der Bewältigung seiner Aufgaben, etwa in der Flüchtlingskrise, sollten ihm die Bürger der Stadt später ein starker Partner werden.

Einen ausgeglichenen Haushalt konnte die Stadt Fröndenberg zuletzt wieder vorweisen - und damit in Großprojekte investieren. Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe wird die Umsetzung der Projekte nicht bis zum Ende begleiten können.

Einen ausgeglichenen Haushalt konnte die Stadt Fröndenberg zuletzt wieder vorweisen - und damit in Großprojekte investieren. Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe wird die Umsetzung der Projekte nicht bis zum Ende begleiten können. © Udo Hennes

„Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre vieles in Fröndenberg an kulturellem, sportlichem, gesellschaftlichem und sozialem Engagement nicht denkbar.“
Friedrich-Wilhelm Rebbe

„Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre vieles in Fröndenberg an kulturellem, sportlichem, gesellschaftlichem und sozialem Engagement nicht denkbar“, sagte Rebbe damals. Und er wollte sich einordnen in die Reihe dieser engagierten Menschen.

Jahre der Haushaltssicherung

Nach vielen Jahren der Haushaltssicherung konnte Fröndenbergs Bürgermeister erst gegen Ende seiner Amtszeit die Veränderungen anstoßen, von denen er damals schon gesprochen haben mag. Die Entwicklung der Innenstadt, der Umbau und die Digitalisierung der Schulen, der Sportpark Ruhr, die Umstrukturierung der Feuerwehr und vieles mehr sind Großprojekte, die erst in den kommenden Jahren Früchte tragen werden – wenn Rebbe schon längst im Ruhrstand ist. Aber gemeinsam mit der Politik und einem starken Verwaltungsteam konnte er sie auf den Weg bringen.

Lese-Onkel an der Sonnenbergschule: Auch das gehört zu den Aufgaben eines Bürgermeisters.

Lese-Onkel an der Sonnenbergschule: Auch das gehört zu den Aufgaben eines Bürgermeisters. © Privat

Während seiner Amtszeit meisterte der inzwischen 65-Jährige nicht nur die Umsetzung und Kommunikation schwerer politischer Entscheidungen, sondern auch zahlreiche repräsentativen Aufgaben eines Bürgermeisters mit Bravour. Etliche Schützenfeste wird er eröffnet, viele Geschichten in Kindergärten und Schulen zum Besten gegeben haben. Rebbe pflegte die Städtepartnerschaften und scheute sich nicht, beim Stadtradeln mit in die Pedale zu treten. Nicht jeder mag mit den nun eingeschlagenen Wegen für Fröndenberg zufrieden sein – Bürgernähe, Empathie und diplomatisches Bewusstsein kann dem scheidenden Stadtoberhaupt aber wohl kaum jemand absprechen.

Auch die Pflege der Städtepartnerschaften zählte zu den Aufgaben des Bürgermeisters.

Auch die Pflege der Städtepartnerschaften zählte zu den Aufgaben des Bürgermeisters. © Udo Hennes

Friedrich-Wilhelm Rebbe wohnt in Menden, war vor seiner Zeit im Fröndenberger Rathaus Leiter des Kreisjugendamtes in Unna. Inzwischen ist er am Rande des Rentenalters angelangt. Genau der richtige Zeitpunkt also, um sich zur Ruhe zu setzen.

Erwachsene Kinder und Blues auf der Gitarre

Rebbe hat drei erwachsene Kinder und im Verlauf seiner Amtszeit noch einmal geheiratet. Er wollte das Rathaus immer lockerer führen, als sein Vorgänger Egon Krause es getan hat, betonte das als „Pulliträger“ ganz bewusst auch mit seinem Kleidungsstil. Dennoch zeigte er in den richtigen Momenten aber auch Strenge. Etwa, wenn die Diskussion in Ratssitzungen zu ausufernd wurde oder wenn er Kritik an seiner Person ausdrücklich zurückwies.

Fröndenbergs scheidender Bürgermeister liest gern, spielt leidenschaftlich Bluesstücke auf der Gitarre und reist – „am liebsten nach Formentera“, wie er vor vielen Jahren erzählte.

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Während Friedrich-Wilhelm Rebbe für all diese Dinge nun viel freie Zeit hat, wird seine Nachfolgerin Sabina Müller Fröndenberg durch eine neue, die Corona-Krise, führen und darauf Acht geben müssen, dass die Stadt nicht vom guten Kurs abkommt. Die Fröndenberger haben der neuen SPD-Kandidatin, nachdem sie Rebbe einmal wiederwählten, ihr Vertrauen geschenkt, obwohl sie kompetente Konkurrenz im Wahlkampf hatte. Auch das spricht wohl dafür, dass Friedrich-Wilhelm Rebbe binnen der vergangenen Jahre einiges richtig gemacht hat.

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