Elektroautos lieben Fröndenbergs Hänge - ihnen fehlt aber die Steckdose am Arbeitsplatz

dzElektromobilität

Für den Kauf von Elektroautos locken derzeit stattliche Prämien. Dennoch ist die Skepsis bei Kraftfahrern groß. Ein Pendler aus Fröndenberg erklärt, warum sein Stromer Hänge liebt und warum ihm etwas fehlt.

Fröndenberg

, 29.04.2020, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

46 Elektroautos fahren aktuell durch Fröndenberg. Angesichts von mehr als 16.000 mobilen Untersätzen, die in der Stadt unterwegs sind, eine lächerliche Zahl. Trotz der stattlichen staatlichen Kaufprämien sind Stromer ungeliebt - dabei gibt es gerade in einer topographisch anspruchsvollen Kommune wie Fröndenberg Vorteile.

„Es ist in Wirklichkeit viel besser.“
Bernd Molitor

Bernd Molitor schwört auf Elektromobilität. Bei dem Vorsitzenden des Bürgerenergievereins Renergie, der seit fünf Jahren elektrisch fährt, verwundert diese Einstellung nicht, doch kann der Hohenheider seinen steten Appell für regenerative Energien auch mit Zahlen und Fakten untermauern.

Konfrontiert man Bernd Molitor mit allen schon einmal gehörten (Vor-)urteilen gegen die Elektromobilität, dann sagt der Streiter für Ökostrom lachend: „Es ist in Wirklichkeit viel besser.“

Bernd Molitor weiß mit Wilhelm Eckei (r.) auch in seiner Nachbarschaft einen Anhänger der Elektromobilität.

Bernd Molitor weiß mit Wilhelm Eckei (r.) auch in seiner Nachbarschaft einen Anhänger der Elektromobilität. © Marcel Drawe

Zur Sache

Elektroautos: Deutlicher Anstieg auf niedrigem Niveau

  • Die Zahl der Elektrofahrzeuge ist im ersten Quartal 2020 in Fröndenberg nochmals gestiegen. Aktuell wurden bis April 46 Stromer in der Stadt zugelassen.
  • Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist das prozentual ein großer Anstieg: 2017 waren erst 15 Elektrofahrzeuge in Fröndenberg angemeldet, 2018 waren es dann 22 und bis 2019 gab es einen Sprung auf 36 E-Autos.
  • Im selben Zeitraum entwickelte sich die Zahl der Elektrofahrzeuge im gesamten Kreis Unna wie folgt: 244 (2017), 372 (2018), 672 (2019) und 755 (1. Quartal 2020).
  • Der Gesamtbestand an allen Fahrzeugen (Pkw, Lkw, Kräder) lag im ersten Quartal 2020 in Fröndenberg bei 16.074.

Die begrenzte Reichweite ist ein oft gehörtes Argument, sich gegen ein Elektrofahrzeug zu entscheiden. Bernd Molitor hält es für ein Scheinargument. Sein Renault Zoé habe aufgeladen eine Reichweite von rund 300 Kilometern.

Ladestationen an der Arbeitsstelle fehlen

Er selbst fahre täglich zu seiner Arbeitsstelle nach Dortmund, komme daher unproblematisch ohne zwischenzeitliches Nachladen mit einer „Tankfüllung“ pro Arbeitswoche aus. Die Statistik zeigt sogar, dass die ganz überwiegende Zahl von Berufspendlern aus Fröndenberg zu ihrem Arbeitsplatz in eine der noch viel näher gelegenen Nachbarstädte wie Unna, Menden oder Holzwickede fahren.

Allerdings, räumt Bernd Molitor ein, gebe es sicherlich nicht nur weiter entfernte Arbeitsorte als Dortmund und man müsse auch die Reichweite von Stromern sorgsamer im Blick haben als jene bei Verbrennern - es fehle außerdem auch an Ladestationen direkt auf dem Firmengelände der Arbeitgeber.

„Für den, der richtig durchtreten will, ist das nicht das richtige Auto.“
Bernd Molitor

Denn schließlich sei dort, während die Fahrzeuge der Mitarbeiter oft acht Stunden ungenutzt auf dem Parkplatz stehen, der Zeitraum für das Aufladen mit Strom ideal. Ladesäulen am Werk werde es aber künftig immer öfter geben, zeigt sich Molitor überzeugt.

Schon überhaupt keine Sorgen müssten sich dagegen Fahrer eines Elektroautos machen, wenn sie sich auf große Tour begeben. „Man kann quer durch Deutschland fahren“, sagt Bernd Molitor aus Erfahrung. Heutzutage verfüge praktisch jeder Rastplatz mit Tankstelle auch über eine E-Ladesäule.

Eine Anzeige informiert über den aktuellen Ladestand und die restliche Ladezeit beim Aufladen des Elektroautos mit Strom.

Eine Anzeige informiert über den aktuellen Ladestand und die restliche Ladezeit beim Aufladen des Elektroautos mit Strom. © Marcel Drawe

Info

Umweltbonus der Bundesregierung

  • Förderfähig ist der Erwerb (Kauf oder Leasing) eines neuen, erstmals zugelassenen, elektrisch betriebenen Fahrzeuges gemäß § 2 des Elektromobilitätsgesetzes sowie der Erwerb eines Elektrofahrzeuges bei der zweiten Zulassung im Inland.
  • Das Fahrzeugmodell muss sich auf der Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge befinden.
  • Der vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle akzeptierte Listenpreis wird für ein reines Batterieelektrofahrzeug und ein Brennstoffzellenfahrzeug mit einem Nettolistenpreis von maximal 40.000 Euro um 3000 Euro oder für reines Batterieelektrofahrzeug und ein Brennstoffzellenfahrzeug mit einem Nettolistenpreis von über 40.000 Euro um 2500 Euro reduziert.
  • Zuschüsse gibt es auch für Hybridfahrzeuge.
  • Der Umweltbonus wird zur Hälfte durch die Automobilhersteller und zur Hälfte durch einen Bundeszuschuss gewährt.
  • Weitere Informationen unter www.bafa.de.

Tatsächlich, gibt Molitor zu, könne in Sachen Infrastruktur aber noch wesentlich mehr getan werden, um Skeptikern gegen die Stromer Argumente zu entziehen. Zum Beispiel könne der Staat, wenn es ihm mit einer nachhaltigen Förderung der E-Mobilität wirklich ernst sei, auch Immobilieneigentümer verpflichten, Parkplätze oder Garagen vor ihren Mietshäusern mit Ladestationen auszustatten - und sie dabei auch gern bezuschussen.

Als E-Auto-Besitzer verfügt er daheim über eine sogenannte Mallbox, an der er sein Fahrzeug über Nacht aufladen kann. Auch ein Notladekabel gibt es, das sogar mit einer herkömmlichen 220-Volt-Steckdose funktioniere.

Elektroautos laden sich bei Hangfahrt selbst auf

Wenn darüber hinaus Bedenken kommen, dass die kleinen Stromer für die mitunter steilen Hangstraßen in Fröndenberg gar nicht ausgelegt seien, womöglich sogar eine Mehrverbrauch an Strom zu befürchten sei - dann winkt Bernd Molitor nur müde ab.

Durch die Roll- und Bremsvorgänge werde gerade Strom zurückgewonnen. Werde ihm auf dem Krittenschlag beispielsweise noch eine verbleibende Reichweite von 50 Kilometern auf dem Cockpit angezeigt, steige der Wert bis hinunter ins Ruhrtal auf 55 Kilometer an.

Passen muss Bernd Molitor nur beim Thema „Gas geben“: 135 km/h schafft sein Stromer in der Spitze. „Für den, der richtig durchtreten will, ist das nicht das richtige Auto.“

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