Supermärkte bieten zunehmend frische Bio-Ware an, aber selten Produkte aus der Region. Wer den Hersteller seiner Lebensmittel kennen möchte, kann im Hofladen einkaufen - auch in Fröndenberg.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 29.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer will, kann genauer hinschauen: „Bei mir können Sie sich gerne ansehen, wie meine Produkte entstehen“. Sebastian Becker will möglichst transparent arbeiten. Warum seine Mettwurst so würzig schmeckt, wie die Fleischpakete zerteilt werden, wie die gute Wurst gekocht wird - direkt neben und hinter „Sebastians Hofladen“ in Ostbüren läuft die Produktion.

„Bei mir können Sie sich gerne ansehen, wie meine Produkte entstehen.“
Sebastian Becker

Zentimeter von der Hofladentür am Burgweg muhen die Limousinen-Rinder, käuen kontrolliert angebautes Futter wieder. Der Laden selbst ist vergleichsweise winzig, aber durchdacht gebaut und liebevoll dekoriert. Und es gibt eben dort vorzugsweise Produkte von Sebastian Beckers Hof. „Ich muss immer mal was dazukaufen, weil die Kunden danach fragen.“ Bauer Becker will das aber sehr in Grenzen halten.

Vorwiegend Rindfleisch

„Sonst unterscheide ich mich ja nicht von den Kollegen. Ich möchte aber, dass meine Kunden gezielt wegen meiner Sachen zu mir kommen. Bei mir bekommen sie Ware, die sie woanders zumindest in der Form nicht bekommen“, sagt Becker. Und nicht in der Qualität, wie der junge Bauer sie offenbar mit großem Engagement und Leidenschaft für seinen Beruf erreicht.

Kühlschränke und -truhen sind gut gefüllt mit hygienisch einwandfrei verpacktem Fleisch und verbraucherfreundlichen Portionen. Fast alles stammt aus eigener Herstellung. Auch Wild hat Sebastian Becker im Angebot.

Kühlschränke und -truhen sind gut gefüllt mit hygienisch einwandfrei verpacktem Fleisch und verbraucherfreundlichen Portionen. Fast alles stammt aus eigener Herstellung. Auch Wild hat Sebastian Becker im Angebot. © Martin Krehl

Direkt neben dem Hofladen steht ein Teil der Beckerschen Limousin-Herde.

Direkt neben dem Hofladen steht ein Teil der Beckerschen Limousin-Herde. © Martin Krehl

Info

Einkaufen auf dem Lande

  • Heimische Landwirte produzieren Waren, mit denen sie sich gern der Kritik der Verbraucher stellen. Direktvermarktung ist oft ein wirtschaftliches Standbein, manchmal aber auch „Liebhaberei".
  • Es gibt eine unübersehbare Vielfalt an Produkten, die in Fröndenberg und Umgebung sozusagen entstehen und direkt hier an die Kunden gebracht werden können.
  • Nicht jeder Hofladen hat die ganze Palette an landwirtschaftlichen Erzeugnissen ähnlich einem Supermarkt zu bieten - jeder Anbieter hat Spezialitäten. Die gilt es zu entdecken.
  • Dabei hilft der Hellweger Anzeiger mit dieser Serie in loser Folge.
  • Melden Sie uns Ihren Lieblings-Hofladen. Wo kaufen Sie ein? Wo bekommen Sie Produkte in der Qualität, die Sie haben möchten? Wohin fahren Sie für welche Spezialität?
  • Hofladenbetreiber können sich ebenfalls in der Redaktion melden, wir stellen dann Ihren Laden und Ihren Betrieb auch gern vor.
  • Sie erreichen die Redaktion unter Tel. (0 23 03) 202-130 oder per E-Mail an froendenberg@hellwegeranzeiger.de

Bei Sebastian Becker ist das vorwiegend Rindfleisch in allen Darreichungsformen sozusagen. Hygienisch verpackt, realistisch portioniert. Dann gibt es auch Schweinefleisch, Freilandhühner aus Mobilställen und deren Eier und Weidehähnchen.

Mit Wilhelm Eckei baut er zusammen Kartoffeln an, die stehen auch im Laden. In den Kühlschränken stehen Wurstgläser, alle sehr appetitlich gefüllt und dekoriert. Und in den Regalen stehen selbsteingekochte Marmeladen und Eierlikör.

30 Mutterkühe mit Kälbern

Aktuell stehen 30 Mutterkühe mit ihren Kälbern bereit, um auf die Weide zu kommen, dazu zwei Zuchtbullen und 40 Fleischrinder. Sobald das Wetter es zulässt, kommen sie auf die saftigen Weiden, bis zum Spätherbst.

Hundert Freilandhühner, 500 Weidehähnchen werden übers Jahr verteilt aufgezogen. Und zehn Bienenvölker wollen auch betreut werden. Seit ein paar Jahren darf Sebastian Becker auch jagen, deshalb findet sich in seinen Kühltruhen auch Wild.

Gemüse gibt es in „Sebastians Hofladen“ hingegen so gut wie gar nicht. Becker baut das selbst nicht an, es von Kollegen dazuzukaufen, ist kaufmännisch unsinnig, aber auch für sein Bild von der Direktvermarktung widersinnig. Wer zu Becker kommt, sucht und will dort Beckers Produkte - direkt und ohne Umwege.

Ein Gewächshaus für Gemüse

Der junge Landwirt denkt über ein Gewächshaus nach auf seinem gepachteten Hof, da könnte jemand Gemüse anbauen und für den Hofladen gleich etwas mitproduzieren. In kontrollierter Qualität natürlich. „Vielleicht später mal...“.

Den Hofladen hat Sebastian Becker seit ungefähr einem Jahr, und er läuft jetzt schon ganz gut. Wegen der aktuellen Virusgefahr hat er seine Öffnungszeiten von mittwochs, freitags und samstags ausgeweitet - auf jeden Werktag von morgens bis abends. Dann stauen sich die Kunden dort nicht und stecken sich und den Bauern nicht an. „Das ist aber alles noch ausbaufähig“, meint der Chef.

Zur Metzgerei hinterm Laden zieht es natürlich die Kundschaft, die ist aber aus hygienischen Gründen nicht einfach so zu besichtigen. Becker will einen Mauerdurchbruch schaffen und Fenster einbauen.

Marmeladen, Eierlikör und Honig - alles aus eigener, liebevoller Herstellung, nett dekoriert.

Marmeladen, Eierlikör und Honig - alles aus eigener, liebevoller Herstellung, nett dekoriert. © Martin Krehl

Sebastian Becker schlachtet und verarbeitet nicht selbst, er ist und bleibt Bauer: „Das muss ein Fachmann machen, der kommt regelmäßig und arbeitet dann hier. Wir besprechen alles, was ich brauche." So gesehen hat Becker die Finger sinnbildlich auch in jeder Mettwurst noch drin. Wer möchte, kann die Schlacht- und Erntetermine erfragen, dann kann man besonders frisch einkaufen.

„Ich brauche den Kontakt mit den Kunden, für die ich arbeite.“
Sebastian Becker

Nein, Becker lebt nicht vom Hofladen. Der Hof Dahlhoff produziert in erster Linie für Neuland und liefert nach Bergkamen. 2013 hat der heute 29-jährige Bauer seine erste Herde angeschafft. Das Qualitäts-Fleischprogramm Neuland gibt es schon 25 Jahre und hat sich umweltschonende und vor allem artgerechte Tierhaltung auf die Fahnen geschrieben.

Keine Gentechnik, keine Antibiotika

Keine Gentechnik, keine vorbeugende Antibiotika-Versorgung, regionale Futtermittel, Tageslicht in den Ställen, Haltung auf Stroh, überwiegend Weidehaltung und so weiter.

„Neuland gab es schon, bevor alle Welt nach Bio-Siegeln gefragt hat“ - Sebastian Becker ist überzeugt von der Philosophie dieses alten Labels. Etwas anderes kommt für ihn gar nicht infrage.

Kartoffeln vom Gemeinschaftsacker mit dem Kollegen Eckei stehen auch im Hofladen, Dort gibt es übrigens auch zellverfügbares Wasser, ein speziell aufbereitetes Trinkwasser.

Kartoffeln vom Gemeinschaftsacker mit dem Kollegen Eckei stehen auch im Hofladen, Dort gibt es übrigens auch zellverfügbares Wasser, ein speziell aufbereitetes Trinkwasser. © Martin Krehl

Noch ist der Hofladen wenig mehr als eine Liebhaberei, zum wirtschaftlichen Erfolg des Hofes trägt er aber schon eine Menge bei. Demnächst soll noch eine Ferienwohnung eingerichtet werden, einen Campingplatz hatte der Hof Dahlhoff ja schon längst. „Ich brauche den Kontakt mit den Kunden, für die ich arbeite“, argumentiert der junge Bauer.

Becker misst den Erfolg seiner Arbeit eben nicht an Quoten und Ertragszahlen, sondern an den zufriedenen Mienen der Menschen, die auf seinen Hof nach Ostbüren kommen.

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