Eingeschneit in Ostbüren: Der Winter 1962/63 war schneereich und lang

dzWetter damals

Der Schnee kam über Silvester – und bliebt drei Monate lang. Damals war ein ganzes Dorf von der Außenwelt abgeschnitten.

Fröndenberg

, 14.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nudeln, Desinfektionsmittel und Toilettenpapier: Die Supermärkte kommen in diesen Tagen kaum hinterher, ihre Regale mit dem aufzufüllen, was Bürger zu Hause für den Ernstfall bunkern. Viele haben inzwischen berechtigte Sorge, sich mit dem Coronavirus zu infizieren oder aus Sicherheitsgründen in Quarantäne zu müssen, längere Zeit von der Außenwelt abgeschnitten zu sein.

Die Fröndenbergerin Hiltrud Peters kann sich an eine ähnliche Situation noch gut erinnern – nur war es kein Virus, sondern Schnee, der die Ostbürenerin im Winter 1962/63 stark einschränkte. Die inzwischen ältere Dame hat sich auf den Aufruf unserer Redaktion hin gemeldet, etwas vom Winter damals zu erzählen.

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Die kalte Jahreszeit mit kräftig Schnee hatte nicht nur schöne Seiten, möchte sie klar stellen. Zum Jahreswechsel 1962/63 wurde der Ortsteil Ostbüren eingeschneit. Lang anhaltender Schnee und Verwehungen auf die Straße sorgten dafür, dass Ostbüren für mehrere Wochen sozusagen von der Außenwelt abgeschnitten war. Rein und raus kamen die Menschen nur auf Schusters Rappen.

Am Silvesterabend wurde Ostbüren eingeschneit

„Silvester fing es an“, erinnert sich Hiltrud Peters. Von einer Stunde auf die andere kam der Schnee. Eine Bekannte wollte zu Besuch kommen. Der Mann von Hiltrud Peters war mit dem Besuch unterwegs. Weil es über die Ostbürener Straße nicht weiterging, strandete das Auto bei Eckei. Stöckelschuhe habe die Freundin der Familie getragen, schließlich stand ja eine Feier an, bei Eis und Schnee mussten sie weiter laufen.

Als die verspäteten Gäste am Silvesterabend durchgefroren das Haus in Ostbüren erreichten, war an Feiern nicht mehr zu denken. „Schon vor Zwölf haben alle im Bett gelegen“, erinnert sich die Zeitzeugin des strengen Winters.

Die Kinder hatten viel Spaß und konnten große Schneemänner bauen. Für Erwachsene hatte der Schnee auch seine Schattenseiten.

Die Kinder hatten viel Spaß und konnten große Schneemänner bauen. Für Erwachsene hatte der Schnee auch seine Schattenseiten. © Privat

Doch das sollte erst der Vorgeschmack sein – auf die Wochen, die dann folgten. Der Schnee blieb. Bis Ende März schließlich Tauwetter einsetzte. In dieser Zeit hieß es für die Ostbürener regelmäßig gemeinsam Schnee Schippen. Die weiße Pracht habe meterhoch auf der Straße gestanden, weil der frische Schnee von den Feldern auf die tiefer gelegene Ostbürener Straße geweht wurde und sich sozusagen zwischen den Feldern auf der Fahrbahn staute.

Wer damals zur Arbeit musste, zum Beispiel zur Firma Union ins Zentrum, musste zu Fuß laufen oder einen weiten Umweg machen. „Zum Glück gab es damals in Ostbüren noch zwei Lebensmittelläden“, sagt Peters. Mit den zwei Kindern bis nach Fröndenberg laufen, um einzukaufen? Das wäre undenkbar gewesen.

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Selbstverständlich ein Erlebnis war der Winter für den Nachwuchs gewesen, doch den Spaß am Schnee hatten einige erwachsene Ostbürener dann doch ein wenig verloren. „Das war damals nicht nur alles schön.“

Keine Fotos, trotz des langen schneereichen Winters

Trotz des langen, ungewöhnlich schneereichen Winters hat Hiltrud Peters keine Fotos als Erinnerung an die frostige Zeit. „Damals hatten wir keine Kamera – man muss es im Gedächtnis behalten“, sagt sie, lächelt und muss an die Fotohandys von heute denken, mit denen inzwischen fast jeder Moment des Lebens fotografiert und dokumentiert wird.

Deshalb wollte Hiltrud Peters auch unbedingt von dem einmaligen Winter erzählen – bevor er in Vergessenheit gerät. So viel Schnee wie damals habe sie seitdem nicht mehr erlebt.

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