Der Fröndenberger Andreas Hennemann hat ein Buch über seine Begegnungen zur Zeit der Wende geschrieben. © Michaela Köberich
Literatur

Eine Million Mark unterm Kopfkissen: Fröndenberger über Begegnungen im Osten

Wie haben die Menschen aus den neuen Bundesländern die Zeit nach der Wende erlebt? Der Fröndenberger Andreas Hennemann war dort geschäftlich unterwegs und hat seine Erfahrungen aufgeschrieben.

Eine der verrücktesten Begegnungen hat Andreas Hennemann immer noch vor Augen – obwohl sie über 30 Jahre zurückliegt. „Ein Vater wollte mit seinem Sohn eine Firma gründen. Dazu sollte ich sie beraten. Zum Abschluss des Gesprächs riet ich ihnen von den Investitionen ab, weil es über eine Million Mark ging. Aber die beiden sagten: ‚Kein Problem. Das Geld haben wir hier.‘ Sie hatten über eine Million Mark unter dem Kopfkissen gebunkert. Meine Lektion: Man sollte die Menschen nie nach ihrem äußeren beurteilen.“

Diese und andere Anekdoten hat der Fröndenberger Hennemann in seinem Buch „Heinemann im Osten. Begegnungen zur Zeit der Wende“ aufgeschrieben.

Kurz nach der Wende war der Diplom-Kaufmann im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Münster in den neuen Bundesländern unterwegs. „Ich habe die Menschen bei ihren wirtschaftlichen Entscheidungen beraten. Gerade Handwerksbetriebe zählten zu meinen Kunden.“

„Ich habe Orte und Geschehnisse vertauscht“

Einige seiner Begegnungen hielt er schriftlich mit kleinen Notizen fest. So entwickelte sich über viele Jahre ein Kompendium an Erfahrungen. Später sei ein Verlag darauf aufmerksam geworden und hätte ihn gefragt, ob er daraus nicht ein Buch machen wolle, erzählt er.

Gesagt, getan. In 18 Kurzgeschichten hat er die Zusammentreffen aufgeschrieben. Dabei weicht der Autor ganz bewusst von den realen Ereignissen ab. „Die Ereignisse haben sich schon näherungsweise so abgespielt. Aber ich habe Orte und Geschehnisse vertauscht“, erzählt der Fröndenberger. Er hat sich für das Buch zudem auch einen Alter Ego zugelegt: Die Hauptfigur des Werkes heißt „Gerit Heinemann“.

Nicht sein erstes Buch

Eine weitere Geschichte: Hennemann beriet einen Lackierer aus Stralsund. Zur gleichen Zeit eröffnete der Manager von Boris Becker, Ion Tiriac, ein Autohaus in der Hafenstadt und investierte mehrere Millionen Mark. Der Clou: Nach fünf Jahren war das Autohaus pleite, aber der Lackierer ist heute noch in seinem Metier tätig.

Der Erzählband mit seinen 136 Seiten ist nicht das erste Buch, was Hennemann, der auch Vorsitzender der Stadtteilkonferenz West ist, veröffentlicht hat. 2008 erschien das von ihm und Georg Mehl verfasste Fachbuch „Betriebswirtschaft für Karosserie- und Lackierfachbetriebe“. Es zählt zu den Standardwerken in der Aus- und Weiterbildung für das Handwerk.

Nun wollte sich der Diplom-Kaufmann jedoch mal in einem anderen Genre ausprobieren. „Das hat Spaß gemacht, war aber nicht einfach“, erzählt er.

Das Buch

  • Andreas Hennemann, „Heinemann im Osten. Begegnungen zur Zeit der Wende“, Hemer: Lennestrand. Verlag für Südwestfalen, Juli 2021.
  • ISBN 978-3-9818190-6-9; 136 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag.
  • Der Hardcover-Erzählband ist über den Autor, den Verlag (www.lennestrand-verlag.de, [email protected]) sowie über den stationären und Online-Buchhandel für 24,95 Euro erhältlich.
Über den Autor
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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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