Die Erlöse der Aktion „Suspended Coffee“ kommen Bedürftigen zugute. Ihnen spendieren Fröndenberger Gastronomen Kaffee, Eis, Kuchen und vieles mehr – wenn sie es denn überhaupt wollen.

Fröndenberg

, 15.11.2018, 12:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Henny Bodenstein, Verkäuferin in der Bäckerei Mersmann, mitbekommt, dass eine Mutter ihrem Kind kein Käsebrötchen kaufen kann, dann bietet sie einen „Suspended Coffee“-Gutschein an. „Am Ende des Monats fällt das besonders auf“, sagt die Verkäuferin. Geht sie aber nicht auf bedürftige Kunden zu, dann würde sie die Gutscheine nicht so gut loswerden. Vor allem ältere Menschen würden sich schämen, sagt Bodenstein. Junge Eltern nehmen die Spende hingegen gerne an. In der Bäckerei gibt es von Brötchen über Kaffee und Kuchen alles in Form von den kleinen Papiergutscheinen, die in einem großen Glas auf der Theke der Bäckerei aufbewahrt werden. „Der Sticker an der Tür hat nicht gereicht. Man muss mehr Werbung machen“, sagt Bodenstein. Nicht nur die Bedürftigen – von denen es laut Bodenstein in Fröndenberg reichlich gibt – sondern auch die Spender müssen von der Aktion erfahren. Langsam gehen der Bäckerei nämlich die Gutscheinkarten aus.

Projekt aus Italien findet in der Ruhrstadt Anklang

Die Aktion „Suspended Coffee“ – also übersetzt „Spendierter Kaffee“ – kommt ursprünglich aus Italien. Das Prinzip ist einfach. Wer einen Kaffee ausgeben möchte, meldet sich beim Inhaber und kauft einen Gutschein, der über den Ladenbesitzer an Sozialschwächere weitergegeben wird. So läuft das auch in Fröndenberg, wobei nicht nur Kaffee, sondern auch Pizza, Eis und Co. spendiert werden können. Die teilnehmenden Geschäfte sind an Stickern an der Tür, Flyern und Plakaten zu erkennen. Wer als Spender mitmachen möchte, wendet sich einfach an den Wirt oder das Verkaufspersonal und hinterlässt einen Betrag seiner Wahl für ein Produkt. Ausgenommen sind alkoholische Getränke.

Ein spendierter Kaffee für Bedürftige – „Traut euch!“

Henny Bodenstein arbeitet in der Bäckerei Mersmann. Dort hat sie oft mit Bedürftigen zu tun. © Pott

Laut der Gleichstellungsbeauftragten Birgit Mescher laufe das Projekt gut. Das Fröndenberger Bündnis für Familie, dem Mescher vorsitzt, unterstützt die Idee. Sie spricht regelmäßig mit den beteiligten Geschäftsleuten. Mescher betont, wie wichtig es sei, dass die Inhaber und Mitarbeiter auf die Bedürftigen zugehen und die Gutscheine anbieten, so wie es auch Bodenstein in der Bäckerei tut.

Das hat sich auch Oya Soyyigit, Inhaberin des Café Melange, auf die Fahne geschrieben. „Ich kenne ganz Fröndenberg“ , sagt sie. Wenn jemand bezahlen wolle und sie wisse, dass die Person bedürftig ist, dann sage sie „Lass stecken. Ich habe noch einen Gutschein“. Und dann gibt es da noch die ältere Dame, die am Monatsende immer aufschreiben lässt. Wenn diese am Anfang des nächsten Monats bezahlen möchte, setzt Soyyigit ebenfalls einen Gutschein ein – genug davon hat sie. Die Spenden hätten sich bei ihr angehäuft, so Soyyigit.

Gutscheine müssen die Bedürftigen erreichen

Sie kam deshalb auf die Idee, die Kärtchen bei der Tafel zu verteilen und so direkt zu den Bedürftigen zu bringen. Denn viele würden gar nicht erst in ihr Café kommen. „Das würde ich auch nicht machen, wenn ich bedürftig wäre“. Dabei kenne sie einige Altenheimbewohner und Witwen, die einen solchen Gutschein einlösen würden – „aber es ist ein Unterschied, ob man den Gutschein schon hat oder ob man danach fragen muss“. Deshalb sei es sinnvoll, die Spenden zusätzlich zu verteilen. Die Idee findet auch Abazi Arban, Inhaber der Pizzeria Calabria, gut. Sein Klientel sei nicht bedürftig und – im Gegensatz zu Soyyigit – kann er die Einwohner nicht so gut einschätzen. „Es ist ein empfindliches Thema“, so Arban. Er verteile gerne Pizzabrötchen an vobeilaufende Kinder, von denen er weiß, dass sie bedürftig sind. Dazu nutzt er aber nicht die Gutscheine. Und auch bei der Metzgerei Rafalcik läuft die Aktion nur schleppend. Es gebe zwar einige spendende, aber zu wenig bedürftige Kunden.

Die Idee, Gutscheine zu verteilen, unterstützt Birgit Mescher. Doch statt der Tafel kam ihr eine bessere Adresse für die Gutscheine von Soyyigit in den Sinn – bei der man sicher sein könne, dass die Gutscheine auch eingelöst werden, so Mescher. Bis auf vier Gutscheine, die Soyyigit im Café behält, bringt die Gleichstellungsbeauftragte der Gruppe der Alleinerziehenden die Spenden. Die Gutscheine für einen Kaffee oder ein Stück Kuchen seien besonders in der Weihnachtszeit eine schöne Sache – da sind sich Mescher und die Inhaberin des Cafés am Markt einig. Soyyigit weiß, dass es in Fröndenberg viele Bedürftige gibt und sie hat sich schon vor der Aktion „Suspendend Coffee“ für sie eingesetzt. Auch da hieß es dann ab und an „Lass stecken“.

Ladeninhaber auch aus den Ortsteilen, die Speisen oder Getränke verkaufen und an der Aktion teilnehmen möchten, können sich melden bei Ilona Degenhardt, Tel. (0 23 73) 7 60 88 44 oder degenhardt.info@freenet.de oder bei Birgit Mescher unter Tel. (02373) 97 63 06 oder b.mescher@froendenberg.de.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Lions-Club Schwerte-Caelestia

Benefiz: Golfturnier der Lions-Damen bringt 4200 Euro für die Tafeln

Hellweger Anzeiger Mögliches Tötungsdelikt

Messerattacke im Himmelmannpark in Fröndenberg: Mordkommission ermittelt

Hellweger Anzeiger Halloween in Dellwig

So gruselig wirds im Horror-Haus der Fischers - im Esszimmer wartet schaurige Überraschung

Hellweger Anzeiger Kuriose Crowdfunding-Aktionen

Dieser Fröndenberger sammelt Spenden, um dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen

Meistgelesen