Maria, Josef, das Christuskind, die Könige und Hirten, Esel und Ochse – fertig ist die perfekte Krippe. Doch dahinter kann sich viel mehr verbergen, wie der Krippenweg in der City zeigt.

von Meike Marbach

Fröndenberg

, 11.12.2018, 18:44 Uhr / Lesedauer: 4 min

Krippe ist nicht gleich Krippe. Wie individuell und vielseitig der Stall mit christlichem Hintergrund sein kann, beweist die Krippen-Ausstellung in der Innenstadt. In Fröndenberg kann die Geburt Jesu gleichzeitig in einer Schubkarre stattfinden und ein paar Häuser weiter auch in einer kleinen Laterne, auf wirklich engstem Raum. Zum zweiten Mal hat Bettina Sattelberger den Krippenweg durch die Innenstadt auf die Beine gestellt und sich dafür ganz viele Partner ins Weihnachts-Boot geholt. Aber das allein reicht ihr an weihnachtlichem Flair für die Ruhrstadt nicht. Eine zweite Idee soll Passanten täglich ein Lächeln ins Gesicht zaubern: Der öffentliche Adventskalender mit Selbstgebasteltem am ehemaligen Aldi-Gebäude soll neugierig machen.

Mit viel Idealismus setzt das Damenduo seine Ideen sofort in die Tat um

„Die Idee mit dem Krippenweg hatte im vergangenen Jahr Brigitte Kern. Sie ist in Schwerte auf das Thema gestoßen, wo es natürlich insgesamt viel größer aufgezogen wird als hier bei uns“, erinnert sich Sattelberger. Die Fröndenbergerin war aber sofort begeistert und fackelte nicht lange, sondern setzte einfach um. „Zehn oder elf Krippen waren im vergangenen Jahr zu sehen. Dieses Jahr sind es schon 17 Geschäfte, die mitmachen“, freut sich die 52-Jährige über das Interesse und die Kooperation mit den heimischen Händlern. Was Bettina Sattelberger und Brigitte Kern gemeinsam als Initiative „Buntes Leben in Fröndenberg“ im Frühjahr mit den Blumenkunsttagen für eine attraktivere Innenstadt leisten, findet sein Pendant nun in der kühleren und dunkleren Jahreszeit eben im Krippenweg. Das Damen-Duo ist in Fröndenberg längst dafür bekannt, die Ideen einfach umzusetzen, zu machen, statt schlicht nur zu reden. „Da steckt eben ein gewisser Idealismus hinter, mit dem wir das anpacken“, sagt Bettina Sattelberger bescheiden.

Ein Flyer führt zu 17 Krippen in den Schaufenstern der Innenstadt

Damit die Fröndenberger oder auch die auswärtigen Gäste einen richtigen Rundgang entlang der beteiligten Geschäfte unternehmen können, liegen an jeder Stelle mit Krippe Flyer aus. Darauf sind alle Geschäfte vermerkt. Auf die Rückseite hat Betti, wie viele in Fröndenberg sie nennen, einen kleinen Lageplan gedruckt. So geht Besuchern garantiert kein Ausstellungsstück durch die Lappen. Die müssen sich an keinerlei Öffnungszeiten halten, die Schmuckstücke, die den eigentlichen Ursprung des Weihnachtsfestes darstellen, stehen entweder vor dem einzelnen Geschäft oder sind rundum die Uhr im Schaufenster zu bewundern. Außer im „Bistro am Brunnen“. Dort ist die kleine Krippe ausschließlich tagsüber innen zu sehen. „Sie ist so klein, die käme draußen vor der Tür garantiert weg. Das wäre ja schade“, sagt Bistro-Inhaberin Petra Colonna.

Eine Krippe in der Schubkarre und eine andere inmitten von Geschmeide

Ein Blick auf jede einzelne Krippe lohnt sich. In manchen Schaufenstern finden sich eher klassische Krippen, wie viele Menschen sie auch zuhause haben. Doch eine Krippe in einer Schubkarre, wie am Markt zu sehen, ist eher nicht alltäglich. Dass Christi Geburt auch in eine kleine weiße Laterne passt, beweist eine der kleineren Varianten. Bei Augenoptik Wiek muss der Betrachter schon genau hinschauen, um die Nummer elf zwischen Uhren und Schmuck zu finden. „Wir hatten unser Schaufenster schon für die Adventszeit gestaltet. Da passte keine große Krippe mehr hinein“, sagt Chefin Petra Wiek. Aber zu der Krippen-Aktion nein sagen wollte sie auch nicht, also bat sie Organisatorin Sattelberger um eine möglichst kleine Version. Und die hat sie bekommen. Betti Sattelberger und Brigitte (Gitti) Kern haben nämlich all diejenigen Teilnehmer mit jeweils der passenden Krippe ausgestattet, die selbst keine eigene zum Aufstellen hatten. So besitzt Gitti Kern gleich mehrere Krippen, die sie den Schaufenstern leihweise zur Verfügung stellt. „Ich spreche immer alle Menschen in meinem Umfeld an, wenn ich wieder einmal eine Idee habe und sie umsetzen möchte. Und so bekomme ich oft ganz viel Hilfe. Zum Beispiel auch von Nachbarn“, freut sich Bettina Sattelberger über jeden, der etwas beisteuern mag. Als Organisatorin muss sich die 52-Jährige auch flexibel zeigen. So gilt für eine Teilnehmerin: Wenn die Krippen im Schaufenster verkauft sind, braucht sie Nachschub. „Deshalb muss ich eine noch als Ersatz bereithalten“, schmunzelt die Krippenweg-Chefin.

Die größte Krippe steht in der Stifts-Apotheke: aus Ton getöpferte Figuren

Die größte Krippe auf dem Rundgang steht im Schaufenster der Stifts-Apotheke. Doch sie besticht nicht nur durch ihre Größe, sondern vor allem durch die sorgfältig und liebevoll von Hand gearbeiteten Figuren. Claudia Pöstges‘ Schwiegermutter Christine Pöstges hat sie vor rund 25 Jahren aus Ton getöpfert. „Sie lebt leider heute nicht mehr, hat aber damals in Mönchengladbach gewohnt und war dort künstlerisch als Teil eines Künstlerkreises tätig und hat viele Krippen dieser Art gestaltet“, sagt Claudia Pöstges, Inhaberin der Apotheke. Bis 2016 standen die Figuren samt Holzstall immer im heimischen Wohnzimmer, gehörten zwingend zur Familien-Weihnachtstradition. Aber zum ersten Krippenweg im vergangenen Jahr wagte die Apothekerin den Transport von zuhause aus ins Schaufenster. „Es ist tatsächlich jedes Mal ein Wagnis, weil die Figuren so empfindlich sind und jederzeit Schaden nehmen können. Aber bisher ist zum Glück alles gut gegangen“, bleibt Pöstges optimistisch.

Ein Schneemann mit Erdnuss-Nase und Jesu Geburt in einer Mini-Laterne locken in die City

Christiane Bähr zeigt bei Optik Kohlschein jene Krippe, die in einer alten Wurzel ihre Heimstatt gefunden hat. © UDO HENNES

Eine sehr persönliche Anekdote verbirgt sich auch hinter den Krippen bei Optik Kohlschein. „Wir haben ja viel Schaufensterfläche. Da bot es sich an, gleich zwei Krippen aufzustellen“, sagt Tobias Kohlschein. Die Eine stammt aus dem Familienbesitz der Kohlscheins, die Zweite ist praktisch eine Co-Produktion. Die Mitarbeiterin Christiane Bähr hat ihre eigenen Krippenfiguren mit- und unter einer Baumwurzel untergebracht. Diese sieht wie ein perfekter Stall aus, so als habe sie schon immer zu Maria, Josef und Co. gehört. „Tatsächlich aber habe ich sie in unserem Deko-Keller gefunden. Unser ehemaliger Chef, Fritz Kohlschein, hat sie vor etwa 15 Jahren angeschleppt und gesagt, die würden wir irgendwann einmal sicher gut gebrauchen können“, erinnert sich Bähr. Fritz Kohlschein ist mittlerweile verstorben. „Aber er hätte sich bestimmt gefreut, dass die schöne Wurzel nun tatsächlich zum Einsatz kommt“, so Christiane Bähr.

Der Adventskalender am alten Aldi-Markt hält täglich eine Überraschung bereit

Die zweite Aktion fürs gemütliche Weihnachtsgefühl in Fröndenberg stammt ebenfalls aus dem Sattelberger Ideen-Pool. Der Adventskalender am ehemaligen Aldi-Gebäude am Markt wächst von Tag zu Tag. Selbstgemachte kleine Kunstwerke aller Art können sich Passanten dort anschauen. Jeden Tag bis Heiligabend eines mehr.

Ein Schneemann mit Erdnuss-Nase und Jesu Geburt in einer Mini-Laterne locken in die City

Liebevoll haben viele kleine und große Fröndenberger den Adventskalender am alten Aldi-Markt bestückt. © Meike Marbach

Ob die gehäkelte sympathische Eule, ein „Stück Sternenhimmel zum Mitnehmen“ aus Papier, ein Papierstern aus Brottüten oder aber ein Kranz aus Weinreben – ein genauerer Blick lohnt sich in jedem Fall. „Die Sachen sind alle toll, aber mein Herz hat besonders der Holz-Schneemann mit Erdnuss-Nase erobert, den ein neunjähriger Junge selbst gebastelt hat“, freut sich Betti Sattelberger über die rege Teilnahme an ihrem Adventskalender.

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