Frisuren wie die von Marie-Antoinette um 1775 oder Perücken mit Schiffsmodell im Haar. Daneben ein alter Friseurstuhl aus den 30er-Jahren. Zu sehen gibt’s das und mehr bald in einem Museum.

Fröndenberg

, 29.10.2018, 17:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Kettenschmiedemuseum hat die Ruhrstadt schon. Ein Fahrradmuseum ist in Planung. Und bald bekommt Fröndenberg auch ein kleines Museum mit Exponaten aus dem Friseurberuf. Sie zeigen die historische Entwicklung der Dienstleistung - über mehrere Hundert Jahre. Zusammengetragen wurden die alten Scheren, Bilder, Föhne und Rasiermaschinen von Richard Grünewald.

Familie von Jägern und Sammlern

„Unsere Familie besteht aus Jägern und Sammlern in verschiedenen Richtungen“, sagt der 71-Jährige, der an der Ostmarkstraße einen Friseurladen betreibt. Sein Großcousin, „auch so ein bekloppter Sammler“, scherzt der Friseur, besitzt die Fahrradsammlung, die bald in einem neuen Museum in Fröndenberg gezeigt werden soll. Richard Gründewald, der früher mit Briefmarken anfing, ist mit der Friseurausstellung schon einen Schritt weiter. Ganz ohne Unterstützung von außen hat er seine Exponate zusammengetragen. Ausstellungsraum ist der eigene Salon.

In dritter Generation im Beruf besaß Richard Grünewald ohnehin schon das eine oder andere historische Gerät. Von denen heute nicht wenige aussehen, als handle es sich um historische Folterwerkzeuge - dabei waren sie für harmlose Dinge wie schöne Locken oder Dauerwelle gedacht. „Unsere Familiengeschichte ist auch Friseurgeschichte“, sagt er.

Hochsteckfrisuren aus vergangenen Jahrhunderten

Hochsteckfrisuren längst vergangener Zeiten haben es Grünewald besonders angetan. So etwa „La Fregatte“, eine Variante des ausgehenden 18. Jahrhunderts, bei der die Damen oben auf ihrem toupierten Haar tatsächlich ein Schiffsmodell trugen. Der Trend kam aus Frankreich. Und Trendsetterin war damals Königin Marie-Antoinette. „Sie wollte immer die Schönste sein“, sagt Grünewald. Und schön sein habe damals vor allem eine opulente und besonders hohe Frisur bedeutet. Das Gesicht sei in den Hintergrund getreten. Weil die Frau von Welt einen solchen Kopfschmuck damals länger als eine Woche trug, mussten Läusefallen direkt mit eingebaut werden. „Hergestellt“ hat Richard Grünewald die aufwendigen Frisuren, die in seinem Museum nun in der Vitrine stehen, alle selbst - auch wenn „La Frégate“ und Co. nicht mehr Teil seiner eigenen Ausbildung waren.

Zu jedem Ausstellungsstück weiß der 71-Jährige etwas zu erzählen: Was hatte etwa ein Mörser mit seinem Beruf zu tun? Wasserstoffperoxid zum Bleichen gab es früher in Tablettenform. Der Friseur musste die Tabletten zerkleinern. Und die anderen Mengen für Farben selbst abwiegen. Deshalb steht auch eine kleine historische Waage in einem der Ausstellungsregale.

Vitrinen widmen sich verschiedenen Themen

Eine ganze Vitrine widmet sich dem Mann und seinem Bart. Früher habe das Stutzen und Rasieren zum Friseurberuf dazugehört. Sonntags war der Salon geöffnet, nur damit die Herren rasiert werden. Bezahlt wurde dafür einmal im Monat. Heute lassen sich kaum noch Kunden den Bart schön machen. Dafür gibt es wiederum spezielle Barber-Shops. Ein weiterer Ausstellungsbereich widmet sich der Perücke. Früher gehörte das Knüpfen der Perücke noch zur Ausbildung des Friseurs. Heute ist es eine Zusatzfähigkeit, die zum Beispiel Maskenbildner beim Theater erlernen. Das sei eine Zeit lang sein Traumberuf gewesen, schwärmt Grünewald. Doch es ist Friseur geblieben - und inzwischen ist er auch gewissermaßen Kurator.

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