Der Heimatverein Fröndenberg veröffentlicht sein Jahresheft. Die Mitglieder erinnern sich an den Zweiten Weltkrieg, besondere Persönlichkeiten und Bauten. Auch Humor ist darin zu finden.

Fröndenberg

, 22.12.2018, 17:28 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einige mögen den Altbürgermeister Fröndenbergs unter dem Namen Willi Demmer kennen. Doch bei seinen Nachbarn auf der Hohenheide wird er seinen Spitznamen nicht mehr los. „Man kennt ihn nur als Demmer‘s Germane“, erklärt Stadtarchivar und Schriftführer des Heimatvereins Jochen von Nathusius. Damit konnte man ihn von seinem Vetter Demmer‘s Pinsel gut unterscheiden – einem Maler, wie der Name schon verrät.

Solche speziellen Spitznamen waren in Fröndenberg, wie auch in anderen Gegenden damals ganz gewöhnlich. Einige dieser Spitznamen sind im aktuellen Jahresheft des Heimatvereins abgedruckt. Die richtigen Namen sind jedoch nicht genannt. Diejenigen, die gemeint sind, wüssten schon Bescheid, so von Nathusius. Die Namen setzten sich immer aus einem Teil des richtigen Namens und einer anderen Eigenschaft zusammen. So ist unter den Spitznamen auch Schillok‘s-Ape aufgeführt, denn der Schillok saß wie ein Affe auf dem Fahrrad, klärt von Nathusius auf.

Ein Heft mit verrückten Spitznamen

Historische Noten.

Humor und Geschichte

Auf die Idee, eine Seite des Jahrbuches alten Spitznamen zu widmen, kam ein ehemaliger Fröndenberger, der nun in Süddeutschland lebt. In dem Jahrbuch steckt aber natürlich noch viel mehr, weniger humoristisches. So werden unter anderem das Ende des Ersten Weltkrieges beleuchtet, über die Geschichte der Tütenfabrik berichtet und an die Pfarrerfamilien Jansen in Fröndenberg und Ebbinghaus in Bausenhagen erinnert.

Ein Heft mit verrückten Spitznamen

Früher musste auch bei Neujahrsgrüßen gespart werden.

Jahresrückblick

Alte, farbarme Bilder vermischen sich in dem Jahresrückblick mit aktuellen Fotos. Auf den vorderen Seiten sind Mitglieder des Heimatvereins bei Ausflügen und Aktionen zu sehen. Auf den hinteren Seiten wird es hingegen geschichtlicher.

Im Kapitel über die Fröndenberger Bezüge aus dem letzten Kriegsjahr sind etwa Frauen zu sehen, die im Jahr 1916 in der Fröndenberger Rüstungsindustrie arbeiten. Am 19. November 1918 wurden in der Lokalpresse „alleinstehende weibliche Arbeitskräfte von außerhalb dringend dazu aufgerufen, an ihre Heimatorte zurückzukehren und sich ggf. dort beim Arbeitsamt zu melden.“ Ein paar Seiten später – insgesamt hat das Heftchen 66 Seiten – ist die Geschichte von Friedrich Ebbinghaus und seiner Familie zu lesen. Ebbinghaus war ein evangelischer Landpfarrer. Geschrieben hat die Geschichte Rainer Ströwer, Erster Vorsitzender des Heimatvereins. Neben Ströwer haben sich auch Michael Becker, Rolf Hollmann, Willi Demmer, Horst Dicke, Berthold Degenhardt, Inge Nolte und Jochen von Nathusius am Heft mitgearbeitet.

Ein Heft mit verrückten Spitznamen

Eine Ansicht aus alter Zeit.

Ein Bild reist um die Welt

Auf Seite 16 ist eine besondere Geschichte zu lesen, die Ströwer selbst erlebt hat. Vor einigen Jahren kaufte er in einem Unnaer Antiquitätenhandel ein Gemälde, das eine Stadt zeigte. „Auf der Rückseite des Rahmens las er den Namen ‚Frau van Schrick-Fröndenberg‘ und dachte sich ‚Nimm das mal mit, wer weiß, was dabei noch rauskommt‘“, schreibt Ströwer.

Heraus kam, dass das Bild der Mutter eines Vereinsmitglieds gehört hat. Sie hat es zur Hochzeit geschenkt bekommen. Hedda Riemer ist die Tochter. Das Bild hat sie irgendwann aus den Augen verloren. Das ist wohl auch kein Wunder, denn sie wohnt jetzt schließlich in Australien. Und so kam es, dass das Bild 2018 eine weite Reise nach Australien antrat, wo es jetzt hängt. Passend dazu ist der Titel der Geschichte „Ein Fröndenberger Bild reist 2018 um die Welt“.

Das Jahresbuch erhält neben solchen Anekdoten, Aktivitäten des Vereins und historischen Texten auch ein Preisrätsel. Das Heft ist für 4 Euro im Stadtarchiv erhältlich. Auch das Heft 2017 kann dort für zwei Euro erworben werden. Das Buch aus dem Jahr 2016 ist bereits restlos ausverkauft.

Ein Heft mit verrückten Spitznamen

Annette Reeske und ihr Vater Hans Peter Reeske freuen sich über viele neue Geschichten im Bildkalender für den Fröndenberger Westen. © UDO HENNES

Zwei historische Kalender für den guten Zweck

„Es war schwer, farbige Passfotos aus dieser Zeit zu bekommen“, erklärt Jochen von Nathusius die Tatsache, dass auf dem Deckblatt des neuen Heimatverein-Kalenders zwei steinerne Figuren zu sehen sind. Es ist das Hochgrab von Graf Eberhart II aus dem 14. Jahrhundert.

Farbige Bilder finden sich auch im Innern des Kalenders nicht, doch er bietet viel mehr als Grabsteine. Zwölf bekannte Persönlichkeiten aus der Fröndenberger Geschichte mit markanten Gebäuden im Hintergrund begleiten durch das Jahr 2019. Ein Bild zeigt etwa Wilhelm Himmelmann. Im Hintergrund ist seine Papierfabrik zu sehen. In einem anderen Monat ist Emil Ernst abgebildet, hinter ihm eine alte Dampflokmotive auf einer Drehscheibe. Er sei den Fröndenbergern ein Begriff und wurde „der singende Lokführer genannt“, weil er auf Feierlichkeiten gerne den ein oder anderen Schlager gesungen habe, erklärt von Nathusius. „Er ist eine Fröndenberger Galionsfigur.“

Ein Heft mit verrückten Spitznamen

Petra Wieck verkauft in ihrem Geschäft an der Alleestraße den Kalender des Heimatvereins. © Jochen von Nathusius

Verkauf bei Petra Wiek

Als drittes Beispiel nennt der Stadtarchivar und Pressewart des Heimatvereins Pfarrer Heinrich Schmallenbach vor der Marienkirche. Er sei Mitte der 50er Jahre gestorben und habe das Marienkrankenhaus mitaufgebaut. Heute ist das ehemalige Krankenhaus ein Teil des Schmallenbach-Hauses. Weiterhin sind unter anderem die Familien Heinrich Prünte und Karl Wildschütz, Amtmann Hermann Leesemann und Bürgermeister Hubert Schmidt abgebildet.

Er ist zum Preis von 9,80 Euro im Geschäft von Petra Wiek in der Alleestraße erhältlich. Der Verkauf laufe gut, so von Nathusius. Der Heimatverein habe bereits auf dem Christkindelmarkt einige Exemplare verkaufen können. Die Einnahmen kommen dem Verein zugute.

Ebenfalls einen Kalender mit historischen Fotos hat der Förderverein des Bürgerbades Dellwig herausgebracht. Darin sind Fotos und Geschichten aus den Stadtteilen des Westens zu finden.

Er wird an folgenden Stellen verkauft: Buntes Sofa und bei Peter Weidemann in Ardey, Heidehof Kötter, Hubertus-Apotheke Langschede, Bäckerei Schmidt Dellwig, Susanne Jacob in Altendorf, Hans Peter Reeske in Strickherdicke. Der Kalender kostet 10 Euro. Von jedem verkauften Kalender fließen sechs Euro Erlös an den Förderverein des Bürgerbades Dellwig.

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