Ein Diebstahl mobilisiert verschworene Gemeinschaft auf der Fröndenberger Hohenheide

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Die Hohenheide ist das gallische Bergdorf von Fröndenberg – die Weihen eines Stadtteils hat der Weiler aber nie erhalten. Ein Diebstahl mobilisiert nun die gefühlte Unabhängigkeit.

Hohenheide

, 27.12.2019, 13:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fröndenberg hat 14 Stadtteile und zwei Ortslagen: Westick und die Hohenheide. Einem vollwertigen Ortsteil steht ein gelbes Ortseingangsschild zu, einer Ortslage bloß eine grüne Hinweistafel. Diese Ungleichbehandlung wird durch eine Straftat auf der Hohenheide mit einem Mal wieder ans Licht gebracht.

Denn offenbar über die Weihnachtstage sind dort drei der vier grünen Weilerschilder abhanden gekommen: Abmontiert und mitgenommen, der oder die Täter entkamen unerkannt in die Heilige Nacht. Am Querweg liegt das vierte Schild im Graben.

»Es gibt hier ein großes Zusammen- gehörigkeitsgefühl.«
Ortsheimatpfleger Georg Klein

Die Schilder waren aus Fahrtrichtung Ostbüren auf Höhe des Hofes Hacheney, auf dem Krittenschlag, wenn man also aus Fröndenberg die Heide ansteuert, in Höhe des Gewerbegebiets In den Telgen sowie in Richtung Henrichsknübel angebracht.

Der Unmut über den Frevel ist nicht gering: In den Sozialen Medien wird die Tat verurteilt, auch ein vielleicht noch fehlendes Weihnachtsgeschenk rechtfertige die Tat in keinster Weise, wird da kommentiert.

Schilder werden unterm Tannenbaum oder im Partykeller vermutet

Wie viel Herzblut Menschen für ihre Hohenheide aufbringen, zeigt wohl diese Reaktion am deutlichsten: Woyciech Oktyt lobt sogar 100 Euro aus für Hinweise auf die Schilder oder den Dieb oder die Diebin.

Vor 20 Jahren sei mithilfe eines Bürgerantrags erreicht worden, dass die Stadt die grünen Schilder aufstellte, um die Hohenheide besser zu finden. „Nun macht dies jemand zunichte“, ärgert sich Woyciech Oktyt.

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Im März 2018 war die Welt auf der Hohenheide noch in Ordnung. Bis kurz vor Weihnachten 2019 auch noch – doch jetzt lag das Schild am Querweg erst einmal im Graben. Ortsheimatpfleger Georg Klein findet ein gelbes Ortseingangsschild allerdings ohnehin angemessener. © Land

Zur Sache

Ortsschilder und Stadtteile

  • Die gelben Ortseingangsschilder heißen offiziell Ortstafeln und sind eingangs geschlossener Ortschaften aufzustellen. Sie haben eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h zur Folge.
  • Die grünen Ortsschilder nennt die Straßenverkehrsordnung Ortshinweistafeln. Sie werden nur aufgestellt, wenn es sich um Ansiedelungen handelt, die keine geschlossene Ortschaft darstellen.
  • Unabhängig vom Straßenverkehrsrecht ist die Einordnung der Ortslagen als Stadtteil. Fröndenberg hat in seiner Hauptsatzung die 14 Stadtteile Altendorf, Ardey, Bausenhagen, Bentrop, Dellwig, Frohnhausen, Frömern, Langschede, Neimen, Ostbüren, Stentrop, Strickherdicke, Warmen und Fröndenberg festgelegt.
  • Die Gemeindeordnung NRW kenn den Begriff Stadtteil nicht, dort ist für kreisangehörige Gemeinden von Bezirken (Ortschaften) die Rede.
  • Paragraf 39 der Gemeindeordnung besagt: „Das Gemeindegebiet kann in Bezirke (Ortschaften) eingeteilt werden. Dabei ist auf die Siedlungsstruktur, die Bevölkerungsverteilung und die Ziele der Gemeindeentwicklung Rücksicht zu nehmen.“

Irgendwo unter einem Tannenbaum oder im Partykeller vermuten andere die Schilder augenzwinkernd. Auch Georg Klein glaubte zuerst an einen solchen Dummejungenstreich, als er von unserer Redaktion auf die Missetat aufmerksam gemacht wurde.

Klein hält allerdings die grünen Weilerschilder ohnehin nicht für angemessen für die Hohenheide. „Befremdlich“, findet der Ortsheimatpfleger die Tafeln, die übrigens in der Regel sogar auch viel tiefer hängen als die gelben Ortsschilder.

„Wir haben eine Schützenhalle, eine Kirche, es gibt ein eigenes Hohenheider Lied“. zählt Georg Klein auf – diese Insignien, die eine Gemeinschaft ausmachen, könnten ja selbst viele Fröndenberger Stadtteile gar nicht nachweisen, sagt Georg Klein.

Hohenheider erbauten Schützenhalle und Kirche selbst

Sein Ehrenamt ist ein weiteres Indiz für ein doch recht ausgeprägtes Eigenleben und eine individuelle Ortsgeschichte: Denn tatsächlich hat die Hohenheide, wie auch Westick, ebenso wie die „richtigen“ Stadtteile auch einen eigenen Ortsheimatpfleger.

„Es gibt hier ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl“, weiß Georg Klein. Der Stolz der Hohenheider darauf, dass sie nicht nur die Schützenhalle, sondern sogar die Herz-Jesu-Kirche mit ihren eigenen Händen errichtet haben, sei im Grunde bei jeder Gelegenheit zu spüren.

Vor vielen Jahren hatten Unbekannte – wahrscheinlich waren es Hohenheider – wiederholt die Ortsschilder „Fröndenberg“ in ihrem Dorf mit dem Schriftzug „Hohenheide“ überklebt. Dass später dann die grünen Hohenheide-Tafeln kamen, bewirkte etwas. „Ab da war es ruhig“, erinnert sich Klein.

Ein Diebstahl mobilisiert verschworene Gemeinschaft auf der Fröndenberger Hohenheide

Während die Hinweistafel am Querweg am Freitagnachmittag bereits wieder angebrahct war, steht auf der Westicker Heide nur noch ein Pfosten. © Udo Hennes

Hohenheides Bürgermeister heißt Willi Demmer

Und den Fröndenberger Alt-Bürgermeister Willi Demmer, der von der Hohenheide stammt, nennt man dort, na klar, nur den Hohenheider Bürgermeister.

Sollten die Hohenheider die Grenze zu Fröndenberg-Mitte künftig noch deutlicher, also mit einem gelben Ortsschild, markieren wollen, haben sie die Straßenverkehrsordnung eigentlich auf ihrer Seite.

Dort sind jene Tafeln nämlich für geschlossene Ortschaften gesetzlich vorgesehen – und diesen Eindruck kann man nicht nur wegen Kirche, Schützenhalle, zwei Gaststätten und Hohenheider Lädchen von der Hohenheide durchaus bekommen.

Aber vielleicht hat ja vorher noch der Schilderdieb ein Einsehen und bringt die grünen Ortstafeln reuig zurück – Fröndenberger bleiben die Hohenheider so oder so.

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