Eichhörnchen in Not: Mit den Fichten stirbt ein Teil natürlicher Lebensraum im Wald

dzEichhörnchen-Rettung

Die Fröndenbergerin Helga Meissner päppelt verletzte und verwaiste Hörnchen wieder auf. Mit großer Sorge blickt sie in diesen Tagen in den Wald. Der schützende Baumbestand um ihre Schlaf- und Futterhäuschen stirbt.

Fröndenberg

, 24.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tierheilpraktikerin Helga Meissner kann sich noch erinnern, wie ihre Eichhörnchen nach dem Auswildern fröhlich in dichten grünen Zweigen wippten. Wie geschützt und Dunkel es unter den Nadelbäumen im Mischwald war. Das ist jetzt zwei Jahre her. Im vergangenen Sommer begann das Nadeln. Inzwischen sind die Zweige kahl. Und zwar so gut wie alle.

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Eichhörnchen bauen ihre Kobel genannten Nester im Schutz dichter Nadelbäume, die Zapfen sind ihr Hauptnahrungsmittel. Mit der Ausbreitung des Borkenkäfers und dem dramatischen Fichtensterben, schwindet auch der Lebensraum für die possierlichen Nagetierchen. Jetzt, wenn die Laubbäume im Wald ihre Blätter verlieren, bedeutet das freie Sicht für Fressfeinde wie Raubvögel.

Eichhörnchen in Not: Mit den Fichten stirbt ein Teil natürlicher Lebensraum im Wald

Die Futterkästen der Eichhörnchen sind Raubvögeln schutzlos ausgeliefert. © Hornung

Eichhörnchen in Not: Mit den Fichten stirbt ein Teil natürlicher Lebensraum im Wald

Die Fichten im Wald sind zum Teil schon vollständig kahl. Nach dem Borkenkäfer-Befall werden sie braun, sterben ab – und werden irgendwann gefällt. © Hornung

Helga Meissner pflegt seit Jahren kranke Eichhörnchen gesund

Helga Meissner pflegt seit Jahren kranke und junge Eichhörnchen, päppelt sie zuhause wieder auf – und wilderte sie bisher im Schutz eines dichten Nadelwalds in Beuteln und Kästen wieder aus. Auch wenn die Tiere anschließend alleine im Wald leben: Sie sind an den Menschen, an Zufütterung, an Hilfe in Not gewöhnt. „Kranke Tiere kehren immer wieder in den Kasten zurück, in dem sie ausgewildert wurden“, erklärt Meissner.

Sie möchte nicht, dass sie Tiere, die sie aufwendig pflegt und großzieht, später im Wald sterben. Deswegen fährt sie zweimal in der Woche in den Wald, bestückt über 20 Futterkästen. 800 Kilo Walnüssen, Haselnüssen und Sonnenblumenkerne waren es im vergangenen Jahr. Pro Tour durch den Wald braucht die Meissner zwei Stunden. Gefüttert und nach dem Rechten gesehen wird bei Wind und Wetter.

Eichhörnchen in Not: Mit den Fichten stirbt ein Teil natürlicher Lebensraum im Wald

Im Auto von Helga Meissner gibt's immer Nüsschen – und das gleich eimerweise. © Hornung

Eichhörnchen in Not: Mit den Fichten stirbt ein Teil natürlicher Lebensraum im Wald

Walnüsse, Haselnüsse, Sonnenblumenkerne – manchmal auch ein Apfelstück am Ast. Das schmeckt Eichhörnchen zu jeder Jahreszeit. © Hornung

Wer die Fröndenbergerin beim Eichhörnchen-Füttern begleitet, kann sich vorstellen, wie viel Arbeit die Pflege der Hörnchen bedeutet. Gleichzeitig wird im Wald die Zerstörung, die der Borkenkäfer beflügelt durch die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre hinterlassen hat, deutlich. Der Waldboden ist von braunen Nadeln übersät. Man geht wie auf einem Teppich. Die Fichten, die noch stehen, sind kahl, ein Teil ist schon umgestürzt oder gefällt.

Die Bäume sterben, weil sie kurze Wurzeln haben, nicht genug Wasser im oberflächlichen Bodenbereich vorhanden war, das sie zur Harzbildung brauchen. Und ohne Harz kann sich die Fichte nicht gegen den Käfer wehren. Der labt sich seelenruhig an ihrem Holz.

Noch stehen die Futter- und Schlafhäuschen für Eichhörnchen im Wald

Mittendrin trotzen die meisten Futter- und Schlafhäuschen von Helga Meissner dem Trauerspiel, das große Teile des Fichtenbestands im ganzen Land betrifft. Einen Teil der Holzvorrichtungen musste die Fröndenbergerin aber auch schon entfernen. Denn die toten Fichten werden jetzt nach und nach gefällt.

Fast jeder Kasten ist bewohnt. „Das sieht man daran, dass die Gardinen zugezogen sind“, scherzt die Tierheilpraktikerin. Gemeint ist Stoff, mit dem die sie ihre kleinen Eichhörnchen-Häuser polstert. Die Tiere nehmen die Fetzen gerne mit und verbauen sie in ihren neuen Kobeln. „Dann hängt überall Wäsche im Wald.“

Eichhörnchen in Not: Mit den Fichten stirbt ein Teil natürlicher Lebensraum im Wald

Manche mögen den Kasten, andere den Sack. Wo es sich die Eichhörnchen gemütlich machen, kann Helga Meissner nicht beeinflussen. © Hornung

Wo die Tierheilpraktikerin ihre Eichhörnchen auswildert, bleibt ein Geheimnis. Spaziergänger, die zum Hörnchenbeobachten kämen, könnten die sensiblen Tiere stressen. Und dass sich zweibeinige Waldbesucher an ihren guten Walnüssen aus den Futterhäuschen bedienten, sie auch schon vorgekommen.

Solche Raubzüge erkennt Meissner daran, dass ein ganzer Kasten leer ist – von Nussschalen aber jede Spur fehlt. Je nach Hunger und Futterneid essen Eichhörnchen ihre Nüsschen nämlich am Fundort; die Schalen lassen sie zurück. Nicht alles, was sie im Wald finden, verstecken sie an anderer Stelle wieder.

Die Zukunft der Eichhörnchen im Wald ist ungewiss

Die Tierheilpraktikerin ist froh, dass sie einen netten Waldbesitzer gefunden hat, der ihr das professionelle Auswildern mit Nistkästen und Futter erlaubt. Wie es in den nächsten Jahren weitergeht? „Keine Ahnung, ich will das gar nicht wissen“, sagt Helga Meissner. Die Zukunft des Waldes soll sie ihm Hier und Jetzt nicht davon abhalten, sich für Eichhörnchen einzusetzen.

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Kontakt zu Helga Meissner

  • Helga Meissner ist Tierheilpraktikerin. Sie kümmert sich seit 20 Jahren um Eichhörnchen in Not. Und sie weiß meistens, was den Tieren fehlt. Gelernt hat sie die Körpersprache der Tiere durch langjährige Erfahrung. Ein verwirrtes Eichhörnchen mit Schlagseite im Spätsommer und Herbst zu Beispiel, ist oft einfach nur betrunken, weil es zu viel gärendes Fallobst genascht hat.
  • Bei Fragen und tierischen Notfällen ist kann man Helga Meissner unter Tel. 01719418959 erreichen. Weitere Informationen zur Eichhörchenrettung und Tipps zur richtigen Versorgung und Pflege, sowie Spendenmöglichkeiten gibt es unter www.eichhörnchen-in-not.de.
  • Die Eichhörnchen-Helfer sind auf Geld- und Futterspenden angewiesen. Denn sie kümmern sich ehrenamtlich um die Tiere in Not.
  • Eichhörnchen sowie auch Vögel, können auch im heimischen Garten das ganze Jahr über gefüttert werden, rät Helga Meissner. Sie hält nichts von saisonaler Fütterung. Wenn die Tiere geschwächt in den Winter gehen, ergibt das keinen Sinn. Eichhörnchen fressen Walnüsse, Haselnüsse, Sonnenblumenkerne und manchmal auch Obst. Wenn sie in der Natur genug zu fressen finden, lassen sie das Futter von Menschen liegen.
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